TAUCHEN-Stand auf der InterDive Friedrichshafen 2021.

TAUCHEN-Stand auf der InterDive Friedrichshafen 2021. © Alexander Kaßler

Messefieber in Friedrichshafen

Alexander Kaßler, Chefredakteur von TAUCHEN, gibt einen ganz persönlichen Rückblick auf die InterDive 2021.


T Alexander Kaßler, Chefredakteur TAUCHEN

Wenn man heutzutage von Fieber redet, bekommt es immer gleich den faden Beigeschmack des all beherrschenden Corona-Themas. Dass Fieber aber eigentlich etwas Positives ist, weil es den Kampf des Körpers gegen etwas Schlechtes anzeigt, vergisst man oftmals. Daher ist das Messefieber gerade im Rückblick auf die erste und letzte deutsche Tauchsport-Messe genau richtig gewählt: Die Tauchbranche kämpft gegen die Auswirkungen des Virus. Um den Ausgang des Kampfes mal vorweg zu nehmen: noch ist der Virus klar im Vorteil und der Kollateralschaden wird noch auf lange Sicht repariert werden müssen oder ist einfach nicht mehr reparabel. Aber blicken wir doch mal im Detail und mit unserer völlig subjektiven Brille auf vier Tage Messegeschehen.

Stimmung & Messefeeling

Als Medienvertreter ist es per se selbstverständlich, dass man (fast) alle Tauchbranchen-Vertreter kennen muss oder sollte. Daher sind Messen für uns immer wie ein großes Klassentreffen mit allen Vor- und Nachteilen: zu wenig Zeit für persönliche oder wichtige geschäftliche Gespräche, zu wenig Zeit, um mit jedem überhaupt ins Gespräch zu kommen. Und meist sind die weniger interessanten Gespräche dann auch immer die zeitintensivsten. Zudem gilt es aber auch zwischen den gesagten Zeilen zu lesen. Hinter so mancher Euphorie verbirgt sich eher Verzweiflung und so manche Klage ist eher Tiefstapelei. Auf der InterDive 2021 fühlte es sich ein wenig anders an. Es ging und geht jedem Protagonisten in der Tauchbranche schlechter als je zuvor, überall sind ganz verschiedene Probleme an der Tagesordnung – Lieferengpässe, keine Ausbildungsmöglichkeiten, Reisebeschränkungen, Regressansprüche, Personalmangel. Dennoch war die Grundstimmung, wie nach dem Mauerfall: positiv optimistisch in die Zukunft blickend, obwohl man direkt vorm Trümmerhaufen steht. Erwartungen an die »Quantität« und »Qualität« der Besucher gab es bei vielen Ausstellern offenkundig keine. Überraschend zeigten sich die ersten beiden Tage dann hinsichtlich der »Qualität« der Besucher als sehr gut: Es kamen viele, interessierte Kunden mit ernsthaften Buchungs- und Kaufabsichten. Samstag füllte sich die Halle dann mit vielen neugierigen Messegängern, wobei das gute Wetter zum Gegner der Messe wurde. Dennoch sprach der Veranstalter, Walter Harscher von neuen Besucherrekorden im Vergleich zu den vorherigen InterDive-Messen in Friedrichshafen. Fragte man die Besucher nach deren Messemeinung, so bekam man einstimmig die Antwort: »Schön, dass es überhaupt mal wieder eine Messe gibt.« Aber auch, dass man mehr Aussteller erwartet hätte. Im Hinblick auf die InterDive-Messen vor Corona, wo selbst das Foyer aus allen Nähten platzte, mag dies richtig sein. In diesem Jahr dünnte sich die Messe zum Ende der Halle sichtlich aus. Dennoch: An der Aussteller-Vielfalt mangelte es auf alle Fälle nicht.    

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Ausrüstungshersteller & Verkäufer

Mein Eindruck mag mich täuschen, aber ich hatte das Gefühl, dass es weniger Messe-Rabatte und Schnäppchen an den Ständen der Ausrüstungsverkäufer gab als die Jahre zuvor. Der Preiskampf war zumindest für mich nicht so offensichtlich. Dennoch waren es gerade diese Stände, wo man logischerweise die meisten Besucher antraf. Auch hier lautete das Fazit zur Mitte der Messe, man sei zufrieden, gerade weil man nur geringe oder keine Erwartungen in die Messe gesteckt hatte. An den Ständen der Hersteller – von den großen Marken waren Aqualung, Waterproof, Divesystem, Kallweit, Camaro, Poseidon, NRC und Oceanreef vertreten – gab es einige Neuigkeiten zu sehen. Darunter auch zeitgemäß umweltfreundliche Neuerscheinungen, wie den neuen Aqualung-Anzug »Xscape«. Insgesamt leidet aber auch die Ausrüsterbranche unter der derzeitigen, weltweiten Krisenlage hinsichtlich der Produktions- und Lieferschwierigkeiten – die einen mehr, die anderen weniger. Nach den gesammelten Aussagen könnte man 2022 als »Pufferjahr« zwischen Krise und Normalisierung ansehen – sowohl Liefer- als auch Produktionsketten müssen sich wieder einspielen. Entsprechend gespannt und zurückhaltend ist auch der Tauchsport-Fachhandel.  

Reisebranche & Tauchbasen

Gute, alte Bekannte aber auch Aussteller, die erstmals auf der InterDive waren, fanden sich im Segment der Tauchreise-Veranstalter. Während Ausrüstungshersteller und -Verkäufer im Corona-Zeitraum noch vom zunehmenden Kaufinteresse an Kaltwasser-Ausrüstung profitieren konnten, krachte mit den Reiseveranstaltern eine ganze Branche mit voller Wucht und in mehrfacher Weise gegen die Wand. Genau zum Messe-Wochenende sickerten dann die richtigen Nachrichten durch. Bali plant ein Softopenning noch in diesem Jahr, die USA lassen ab November wieder Europäer ins Land und einige weitere Länder wollen sich ebenfalls wieder öffnen oder sind bereits geöffnet, wenn auch mit Restriktionen (Impfung, Test). »Die Leute wollen reisen, die Basen und Resorts warten auf Kunden. Die größten Hürden stellen jedoch derzeit die knappen oder einfach nicht vorhandenen Flugkontingente und die geschlossenen Hotels sowie die Einreisebestimmungen der Länder dar«, ist der zusammenfassende Tenor. Walter Harscher, Inhaber der Extra Divers und vom Reisecenter Federsee verzeichnet schon jetzt einen Buchungsrun auf den Oman, das Rote Meer und die Karibik-Destinationen für 2022. »Die in 2021 sehr stark gebuchten Nahziele im Mittelmeer- und Atlantik-Raum sind im Hinblick auf die kommende Öffnung der Fernziele zwar immer noch stark, aber dennoch weniger für 2022 gefragt«, resümiert er nach drei Messetagen. Anbietern der Regionen rund um den asiatischen Raum bleibt dagegen derzeit nur das Warten auf Öffnungssignale der Regierungen. Einzig Thailand wäre ab sofort unter Einschränkungen (Impfung, Test) bereits für Europäer bereisbar. Die Spezialisten unter den Veranstaltern, die die taucherischen Highlights wie die arktischen Regionen, Galapagos, den Ostpazifik oder Mikronesien im Angebot haben, befinden sich von Haus aus schon in der Planungsphase für 2023. »Wir sind ausgebucht, haben nur noch wenige Restplätze frei und bieten derzeit sogar schon Reisen für 2024 an«, tönt es aus deren Bereich. Was gerade hier aber auch bei vielen anderen Veranstaltern festzustellen ist: es werden immer mehr Spezialreisen angeboten. Sei es mit speziellen Umwelt(inter)aktionen oder Foto-Video und Freitauch-Workshops. Man macht sich mehr Gedanken und will dem Kunden mehr bieten – ein guter Trend. Ein Blick auf die Tauchcenter, die sich in der Halle mit Verkaufs- und Infoständen präsentierten. Hier waren es vor allem der riesige Stand des Tauchzentrums Pfullendorf, das schon fest zum InterDive-Inventar gehört, die Messestände der Actionsportgruppe und der Stand des TSC Wassermann, an denen man nicht nur kaufen, sondern sich auch auf über Ausbildungs- und Tauchmöglichkeiten informieren konnte. Insgesamt verzeichnete der Tauchsport-Fachhandel im Hinblick auf die Tauchausbildung eine durchwachsene Saison. Hier ist das Problem in den meisten Fällen in den geschlossenen Schwimmbädern zu suchen, die die Basis für die Tauchausbildung darstellen. Zudem kämpften viele Tauchbasen in der 2021er Saison mit einem unerwartet geringem Interesse der Heimat-Taucher, von denen sie 2020 noch förmlich überrannt wurden. 

Fazit & Ausblick

Der Blick auf Trends gehört auch mit in mein Fazit zur ersten und letzten deutschen Tauchmesse 2021. Erfreulich viele Umweltschutz-Organisationen und engagierte Aussteller im Bereich der Nachhaltigkeit hatten den Weg nach Friedrichshafen gefunden. Ein Trend, der wichtig ist und auch wieder junges Publikum sowie engagierte Protagonisten in die Tauchbranche bringt. Mein ganz persönliches Fazit ist ein durchweg positives. Besonders gefiel mir, wie schon eingangs geschildert, die Stimmung unter den Ausstellern und das rege Interesse der Besucher. Davon angetrieben sollte auch hervorgehoben werden, dass InterDive-Initiator Walter Harscher mit seiner Messe im nächsten Jahr »zu den Tauchern kommt« und neben der Messe in Friedrichshafen auch in Stuttgart, Hamburg und Leipzig die Messezelte aufschlägt. Was bleibt am Ende zusammenfassend zu sagen? Wie wäre es mit dem Zitat von Walter Harscher im Hinblick auf 2022: »Es geht Vollgas wieder los«. Genau das wünsche auch ich mir für die gesamte Branche.   

Sind Sie auf den Geschmack gekommen? Dann haben wir auf  YouTube, Facebook und Instagram noch mehr Videos und Fotos für Sie von der InterDive 2021. Die Videos drehen sich nicht nur um die Messe, sondern behandeln ganz allgemeine Themen aus der Reise-, Hersteller- und Tauchbranche. Schauen Sie vorbei und lassen Sie sich inspirieren!

Wen das Messefieber gepackt hat, der kann sie jetzt schon auf die kommenden Monate freuen, denn auf uns warten gleich mehrere Messen! Vom 10. bis 12. Dezember 2021 findet unsere virtuelle Messe 'Wassersport digital' statt und Ende Januar 2022 öffnen die Boot in Düsseldorf und die CMT in Stuttgart wieder ihre Pforten. Mehr Infos zur Wassersport digital finden Sie auf tauchen.de oder Facebook

 

Fotos: Benita Hinz, Alexander Kaßler