Luftaufnahme der Malediven Insel im Noonu-Atoll
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Seegraswiesen auf den Malediven erforscht

Forschungsprojekt auf den Malediven untersucht Seegraswiesen als Kohlenstoffspeicher und entwickelt satellitengestützte Methoden zu ihrer Kartierung.

Dr. Florian Huber

Internationale Forscher untersuchen auf den Malediven die Ausdehnung und Bedeutung von Seegraswiesen. Im Rahmen des Projekts COASTS dokumentieren Taucher verschiedene Seegras-Arten, analysieren Sedimente auf ihren Kohlenstoffgehalt und verknüpfen die Daten mit Satellitenaufnahmen. Ziel ist es, Seegras künftig großflächig aus dem All kartieren zu können. Die Arbeiten sollen helfen, marine Kohlenstoffspeicher besser zu verstehen und empfindliche Küstenökosysteme langfristig zu schützen.

Seegraswiesen auf den Malediven erforscht

Seegraswiesen gehören zu den wichtigsten, aber oft unterschätzten Lebensräumen im Meer. Auf den Malediven untersuchen internationale Forscher derzeit, wie groß diese Unterwasserwiesen tatsächlich sind, welche Arten dort vorkommen und welche Rolle sie für das Klima spielen. Im Fokus steht dabei das internationale Forschungsprojekt COASTS, das moderne Unterwasserforschung mit Satellitentechnik kombiniert.

Meeresbiologe untersucht eine Seegraswiese auf den Malediven
Meeresbiologe Philipp Schubert untersucht die Sprossendichte einer Seegraswiese auf den Malediven. Foto: © Dr. Florian Huber

Warum Seegras so wichtig ist

Seegras bildet in vielen Küstenregionen ausgedehnte Wiesen am Meeresboden. Diese Lebensräume bieten zahlreichen Meeresorganismen Schutz, Nahrung und Laichplätze. Gleichzeitig stabilisieren sie Sedimente und verbessern die Wasserqualität.

Besonders relevant ist ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher. Seegras bindet Kohlendioxid aus der Atmosphäre und lagert den Kohlenstoff langfristig im Sediment ein. Wissenschaftler sprechen dabei von »Blue Carbon«. Damit leisten Seegraswiesen einen wichtigen Beitrag zur Regulierung des globalen Klimasystems.

Auf den Malediven kommen insgesamt acht verschiedene Seegras-Arten vor. Viele dieser Wiesen liegen in flachen Lagunenbereichen rund um die Inseln und Atolle.

Forschungsprojekt COASTS untersucht Seegras auf den Malediven

Im Rahmen des internationalen Projekts COASTS arbeiten die Unternehmen Submaris, Fugro, EOMAP sowie die Maldives Space Research Organisation (MSRO) mit lokalen Partnerorganisationen zusammen. Ziel ist es, die Ausdehnung und den Zustand von Seegraswiesen systematisch zu erfassen.

Im April waren Forschungstaucher von Submaris auf den Malediven im Einsatz. Vor mehreren Inseln untersuchten sie den Meeresboden mithilfe eines Schleppkamera-Systems. Dabei wurden großflächig Unterwasseraufnahmen erstellt und die vorkommenden Seegras-Arten dokumentiert.

Zusätzlich entnahmen die Forscher Sedimentproben mit sogenannten Stechrohren. Im Labor analysierten sie anschließend den Kohlenstoffgehalt der Proben. Diese Daten sollen helfen zu verstehen, wie viel Kohlenstoff die Seegraswiesen langfristig speichern können.

Stachelrochen in einer Seegraswiese auf den Malediven
Auch Stachelrochen nutzen Seegraswiesen als Lebensraum und Nahrungsgebiet. Foto: © Dr. Florian Huber

Satelliten sollen Seegras aus dem All erkennen

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Kombination klassischer Unterwasserforschung mit moderner Satellitentechnik. Die während der Tauchgänge aufgenommenen Unterwasserbilder dienen als Referenzdaten für die Auswertung von Satellitenbildern.

Die Maldives Space Research Organisation nutzt diese Daten, um Algorithmen zur automatisierten Erkennung von Seegraswiesen zu entwickeln und zu verbessern. Langfristig sollen damit großflächige Kartierungen aus dem All möglich werden.

Solche Methoden könnten künftig helfen, Veränderungen von Seegrasbeständen deutlich schneller zu erfassen und Schutzmaßnahmen gezielter umzusetzen. Gerade in abgelegenen Inselstaaten wie den Malediven wäre eine satellitengestützte Überwachung deutlich effizienter als aufwendige Einzeluntersuchungen unter Wasser.

Forschung unter schwierigen Bedingungen

Die Arbeiten fanden unter anspruchsvollen Bedingungen statt. Während des Forschungszeitraums herrschte auf den Malediven eine ausgeprägte Hitzewelle. Die hohen Temperaturen belasteten sowohl die beteiligten Wissenschaftler als auch die eingesetzten Kamerasysteme.

Trotzdem konnte das Team zahlreiche gesunde Seegraswiesen dokumentieren und wichtige Datensätze sammeln. Die Ergebnisse sollen künftig dazu beitragen, marine Kohlenstoffspeicher besser zu verstehen und neue Methoden zur globalen Erfassung dieser Ökosysteme zu etablieren.

Ammenhai über einer Seegraswiese auf den Malediven
Ein Ammenhai streift auf der Suche nach Nahrung über eine Seegraswiese der Malediven. Foto: © Dr. Florian Huber

Warum Seegras künftig stärker geschützt werden könnte

Lange Zeit galten Seegrasflächen in vielen Regionen eher als störend — insbesondere im Tourismus. Inzwischen verändert sich die Wahrnehmung zunehmend. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Seegraswiesen nicht nur für die Artenvielfalt bedeutend sind, sondern auch eine wichtige Rolle im Klimaschutz spielen.

Mit Projekten wie COASTS entstehen erstmals großflächige Datengrundlagen, um diese Lebensräume systematisch zu erfassen und ihren Zustand langfristig zu überwachen. Gerade Inselstaaten wie die Malediven könnten davon profitieren, da ihre Küstenökosysteme besonders sensibel auf Klimaveränderungen reagieren.

Autor: Dr. Florian Huber / Submaris – Dieser Artikel erschien in der Printfassung von TAUCHEN und wurde für die Webseite redaktionell angepasst.

Dr. Florian Huber (© Uli Kunz)
Der Unterwasserarchäologe, Forschungstaucher und Autor Dr. Florian Huber beschäftigt sich in seinen Arbeiten unter anderem mit marinen Ökosystemen und der Erforschung des Ozeans. Foto: © Uli Kunz

Unser Experte:
Dr. Florian Huber berichtet für uns über die Neuigkeiten aus der wissenschaftlichen Unterwasser-Welt. (florian-huber.info).

Quellen dieses Beitrags:
COASTS-Projekt

Submaris

Fugro

EOMAP

Maldives Space Research Organisation (MSRO)

Informationen zu Blue Carbon (UNESCO IOC)

UN Environment Programme – Seagrass Ecosystems

Häufige Fragen zu Seegras auf den Malediven

Was ist Seegras?
Seegras sind blühende Pflanzen, die vollständig an das Leben im Meer angepasst sind. Sie wachsen in flachen Küstenbereichen und bilden oft große Unterwasserwiesen.

Warum sind Seegraswiesen wichtig?
Seegraswiesen bieten zahlreichen Meerestieren Schutz und Nahrung. Gleichzeitig speichern sie große Mengen Kohlenstoff im Sediment und tragen damit zum Klimaschutz bei.

Wie viele Seegras-Arten gibt es auf den Malediven?

Auf den Malediven kommen derzeit acht bekannte Seegras-Arten vor.

Was untersucht das COASTS-Projekt?

Das Forschungsprojekt untersucht die Verbreitung, den Zustand und die Kohlenstoffspeicherung von Seegraswiesen. Außerdem werden Methoden entwickelt, um Seegras mithilfe von Satellitenbildern automatisch zu erkennen.

Wie erfassen Forscher Seegraswiesen?
Die Wissenschaftler kombinieren Unterwasseraufnahmen, Sedimentproben und Satellitendaten. Forschungstaucher dokumentieren die Lebensräume direkt vor Ort, während Satelliten großflächige Kartierungen ermöglichen sollen.

Was bedeutet »Blue Carbon«?
Als »Blue Carbon« bezeichnet man Kohlenstoff, der in marinen Ökosystemen wie Seegraswiesen, Mangroven oder Salzwiesen gespeichert wird.

Warum sind Satellitendaten für die Forschung wichtig?
Satelliten ermöglichen die großflächige Überwachung schwer zugänglicher Meeresgebiete. Dadurch lassen sich Veränderungen von Seegrasbeständen schneller erkennen und dokumentieren.

Welche Probleme gab es während der Forschungsarbeiten?
Während der Expedition herrschte auf den Malediven eine starke Hitzewelle. Die hohen Temperaturen belasteten sowohl die Forschungsteams als auch die eingesetzten Kamerasysteme.

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