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Tauchen kann die mentale Gesundheit stärken

Eine europäische Studie zeigt: Regelmäßiges Tauchen könnte das psychische Wohlbefinden junger Menschen stärken. Erste Ergebnisse des Projekts »One Health Underwater«.

Shutterstock / DAN

Eine europäische Studie des Erasmus+-Projekts »One Health Underwater« zeigt neue Hinweise darauf, dass Tauchen die mentale Gesundheit und das psychische Wohlbefinden junger Menschen positiv beeinflussen könnte. Junge Taucher zwischen 18 und 29 Jahren berichten besonders häufig von Ruhe, emotionaler Stabilität und mentaler Ausgeglichenheit. Die Forscher sehen im Tauchsport eine mögliche Unterstützung für Stressreduktion und psychische Gesundheit. Entscheidend könnten dabei Faktoren wie kontrollierte Atmung, Bewegung unter Wasser, Naturerlebnis und soziale Interaktion beim Tauchen sein.

Europäische Studie sieht großes Potenzial für junge Erwachsene

Eine internationale Studie des Erasmus+-Projekts »One Health Underwater« liefert neue Hinweise darauf, dass regelmäßiges Tauchen positive Effekte auf das psychische Wohlbefinden junger Menschen haben könnte. Die jetzt vorgestellten ersten Ergebnisse zeigen: Junge Erwachsene, die regelmäßig tauchen, berichten deutlich häufiger über positive Emotionen, innere Ruhe und mentale Stabilität als es aktuelle europäische Gesundheitsdaten erwarten lassen.

Das Forschungsprojekt wird von der französischen Tauchsportorganisation FFESSM, DAN Europe und der belgischen Hochschule HE2B getragen. Präsentiert wurden die Ergebnisse im Rahmen der Europäischen Woche der psychischen Gesundheit Anfang Mai 2026 in Paris.

Eine Taucherin erkundet ein Korallenriff im Roten Meer vor Ägypten. Studien zeigen, dass Tauchen positive Effekte auf Stressreduktion und psychisches Wohlbefinden haben kann.
Junge Gerätetaucherin an einem tropischen Korallenriff im Roten Meer in Ägypten mit Rifffischen im blauen Wasser

Psychische Gesundheit junger Menschen unter Druck

Die mentale Gesundheit junger Menschen gilt europaweit als eines der drängendsten Gesundheitsprobleme der Gegenwart. OECD- und WHO-Daten zeigen seit Jahren steigende Zahlen bei Angststörungen, Depressionen, Schlafproblemen und psychischer Belastung unter jungen Erwachsenen. (oecd.org)

Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt »One Health Underwater«, ob Tauchen einen gesundheitsfördernden Beitrag leisten kann. Der Ansatz verbindet körperliche Aktivität, Naturerlebnis, Atemkontrolle, soziale Interaktion und Achtsamkeit unter Wasser. Genau diese Faktoren gelten in der psychologischen Forschung als wichtige Bausteine zur Stressregulation und emotionalen Stabilisierung.

1.669 junge Taucher aus Europa befragt

Für die Untersuchung wurden 1.669 Taucherinnen und Taucher im Alter zwischen 18 und 29 Jahren in sechs Sprachen befragt. Der wissenschaftliche Fragebogen umfasste 176 Fragen und basiert auf mehreren validierten psychologischen Bewertungsinstrumenten, darunter die Warwick-Edinburgh Mental Well-being Scale.

Die Teilnehmer waren überwiegend aktive Sporttaucher:

  • Mehr als die Hälfte taucht mindestens einmal pro Monat.
  • 77 Prozent betreiben klassisches Gerätetauchen.
  • 21 Prozent kombinieren Sporttauchen mit Freitauchen.

Die Ergebnisse zeigen ein auffällig positives Bild:

  • Über 80 Prozent der Befragten fühlen sich regelmäßig fröhlich, entspannt und geistig klar.
  • Mehr als 90 Prozent beschreiben sich selbst als aktiv.
  • 86 Prozent empfinden sich als ruhig und aufmerksam.
  • Negative Zustände wie Reizbarkeit oder Anspannung wurden deutlich seltener angegeben.

Besonders bemerkenswert: 93 Prozent der Teilnehmer betrachten Tauchen als wichtigen Bestandteil ihres Lebens.

Unterwasseraufnahme von drei Gerätetauchern über einem tropischen Korallenriff im Roten Meer in Ägypten. Das Bild steht im Zusammenhang mit aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen zu den positiven Auswirkungen des Tauchens auf mentale Gesundheit, Entspannung und Wohlbefinden.
Wissenschaftler untersuchen derzeit, wie sich regelmäßiges Tauchen auf Stressreduktion und psychisches Wohlbefinden auswirken kann.

Warum Tauchen psychisch stabilisieren könnte

Die Forscher sehen mehrere Faktoren, die erklären könnten, warum Tauchen positiv auf die mentale Gesundheit wirkt. Dazu zählen:

  • kontrollierte und bewusste Atmung,
  • die beruhigende Wirkung natürlicher Wasserumgebungen,
  • hohe Konzentration auf den Moment,
  • reduzierte äußere Reize,
  • soziale Bindung durch das Buddy-System,
  • sowie das Erleben von Selbstwirksamkeit und Vertrauen.

Prof. Costantino Balestra von DAN Europe beschreibt Tauchen als einen »einzigartigen Rahmen«, in dem körperliche Aktivität, Achtsamkeit und emotionale Regulierung zusammenkommen.

Auch Dr. Frédéric Di Meglio, Präsident der FFESSM, verweist auf physiologische Prozesse: Tauchen könne unter geeigneten Bedingungen das parasympathische Nervensystem aktivieren – jenen Teil des Nervensystems, der für Erholung und Regeneration zuständig ist.

Diese Einschätzung deckt sich mit aktuellen Erkenntnissen der Stress- und Gesundheitsforschung. Bewusste Atemregulation und naturnahe Aktivitäten gelten als wichtige Faktoren zur Reduktion psychischer Belastungen.

Neue Langzeitstudie startet in Frankreich

Die aktuellen Ergebnisse verstehen die Projektpartner ausdrücklich als ersten Zwischenschritt. Bereits im Sommer 2026 soll in einem UCPA-Zentrum in Frankreich eine neue Untersuchungsphase beginnen.

Geplant ist eine Langzeitstudie mit wiederholten psychologischen Bewertungen und der Analyse biologischer Marker aus Speichelproben. Dabei soll untersucht werden, wie sich regelmäßiges Tauchen konkret auf Stressparameter und Wohlbefinden auswirkt.

Langfristig verfolgt das Projekt ein ambitioniertes Ziel: Tauchen soll als ergänzendes Sport- und Gesundheitsprogramm insbesondere für psychisch belastete oder sozial gefährdete junge Menschen etabliert werden.

Bedeutung für Tauchschulen und die Branche

Für Tauchbasen, Ausbildungsorganisationen und Verbände könnten die Ergebnisse weitreichende Bedeutung haben. Die Studie liefert erstmals belastbare Hinweise darauf, dass Tauchen nicht nur als Freizeit- und Natursport relevant ist, sondern möglicherweise auch gesundheitsfördernde Effekte besitzt.

In Zeiten wachsender Diskussionen über mentale Gesundheit könnte dies dem Tauchsport eine neue gesellschaftliche Rolle verschaffen – insbesondere im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung junger Menschen.

Gleichzeitig mahnen Wissenschaftler zur Vorsicht: Die aktuellen Ergebnisse zeigen zunächst Zusammenhänge, aber noch keinen eindeutigen kausalen Nachweis. Ob Tauchen tatsächlich psychische Beschwerden reduziert oder ob psychisch stabilere Menschen häufiger tauchen, müssen die nächsten Forschungsphasen klären.

Zwei Gerätetaucher während eines Trainings in einem Pool einer Tauchschule. Das Bild symbolisiert die wachsende Bedeutung von Tauchausbildung, sozialer Interaktion und kontrollierter Atmung im Zusammenhang mit aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen zur mentalen Gesundheit im Tauchsport.
Tauchschulen und Ausbildungsorganisationen könnten künftig eine wichtigere Rolle bei der Förderung von Wohlbefinden und mentaler Gesundheit spielen. Studien sehen insbesondere soziale Interaktion, Vertrauen und Atemkontrolle als positive Faktoren des Tauchsports.

OECD: Mental Health in Children and Young Adults
WHO Europe: Mental Health and Young People
DAN Europe
FFESSM
Warwick-Edinburgh Mental Well-being Scale (WEMWBS)

Die Infografik des Projekts „One Health Underwater“ fasst zentrale Ergebnisse der europäischen Studie zusammen. Junge Taucher berichten besonders häufig von Ruhe, Entspannung und positivem Wohlbefinden.

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