Ein toter Riffhai.

Ein toter Riffhai. © Sharkproject

Quo vadis, Malediven… Haifang? Zum Glück nicht!

Die Malediven wollten den Haifang wieder erlauben. Unser Autor Daniel Brinckmann war vor Ort und hat mit Politikern über das Thema »Legalisierung des Haifangs« gesprochen.


Interview: Daniel Brinckmann 


 2010 wurde der Haifang auf den Malediven verboten, und noch im Januar informierte eine offizielle Pressemitteilung über die Beschlagnahmung von fast einer halben Tonne Haiflossen. Als Fischereiministerin Zaha Waheed dann überraschenderweise am 24. März im Parlament für eine Aufhebung des Fangverbotes warb, folgte eine Flut internationaler Proteste auf dem Fuße. Am 15. April (kurz vor Redaktionsschluss) war das Thema wieder vom Tisch. Genau in der Zeit dazwischen war unser Autor Daniel Brinckmann auf den Malediven unterwegs und hatte die Gelegenheit mit Politikern über dieses Thema zu sprechen. Wie wahrscheinlich ist die Legalisierung des Haifangs überhaupt? Wie vermutet: Der Image-Schaden für die Inselnation im Indischen Ozean wäre so immens, dass viele »Insider« eher einen Sturm im Wasserglas wittern und die Ratifizierung als unwahrscheinlich einordnen. So lautete damals das Fazit, was sich aktuell auch bestätigt. Hier nun das Interview vom Zeitpunkt der Bekanntgabe des Vorhabens mit Hussain Mohamed Didi (Parlamentsmitglied) und Mohamed Thariq Ahmed (Bürgermeisterkandidat der »Progressive Party of Maldives«).

 

Die Regierung der Malediven hat in den vergangenen 15 Jahren so viele Maßnahmen zum Arten-, Ressourcen- und Umweltschutz und zur Vermeidung von Plastikmüll ergriffen, dass man von einer Erfolgsgeschichte sprechen kann. Wie passt der Vorstoß zur Hai-Fischerei ins Konzept?


Hussain Mohamed Didi: Der Tourismus leistet den größten Beitrag zu unserem Bruttoinlandsprodukt. Also sollten wir nichts tun, was der Tourismusbranche schaden würde. Als Mitglied des maledivischen Parlaments und als Abgeordneter des zentralen Wahlkreises Fuvahmulah bin ich davon überzeugt, dass wir diesem Vorschlag nicht folgen sollten. Unsere Attraktionen hier für den Tourismus sind die Tigerhaie und ozeanische Mantas. Also sollten wir diese und ihren Lebensraum erhalten. Die Fischerei ist der zweitgrößte Wirtschaftszweig auf den Malediven, und die Fischer sagen, dass die Zahl der Haie zugenommen hat. Aber ich habe vom Ministerium erfahren, dass sie keine systematischen Beweise dafür haben, dass unsere Haipopulation zunimmt. Ich glaube, wir sollten das Beste bewahren, was wir haben. Wir haben nicht viel Land, aber viel Meer, und der Tourismus ist unsere Nummer eins. Wenn also der Tourismus unsere Nummer eins ist, sollten wir nicht zulassen, dass er untergraben wird für die Fischerei. Wir sollten unseren Tourismus ausbauen, anstatt einem Vorschlag zu folgen, der den Tieren Schaden zufügt.

 

Als einer von 83 Abgeordneten des maledivischen Parlaments und einer von drei Abgeordneten für Fuvahmulah haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung auf nationaler Ebene zu äußern. Werden Sie eine Erklärung abgeben?


Didi: Ich bin selbst in einem der Fischereikomitees und habe vor, von unserer Fischereiministerin zu erfahren, warum sie Haie fischen lassen will. Noch einmal: Was auch immer die Gründe sein mögen, ich glaube nicht, dass wir etwas tun sollten, das unserem Tourismus schadet. Die Fischerei ist eine Industrie, die von Regierung und Bürgern stark subventioniert werden muss. Der Tourismus ist unsere »Geldkuh«, und die sollten wir nicht töten. Die Unterwasserwelt ist das, was wir haben.  

 

Wenn industrielle Fischereiflotten aus dem In- und Ausland Lizenzen für den Fang von Hochseehaien erhalten, entsteht irreparabler Schaden. Auch die »Markenzeichen« von Fuvahmulah – Tiger-, Hammer- und Fuchshaie – wandern saisonal in Offshore-Gewässer, sodass auch diese dem Raubbau zum Opfer fallen könnten. Wie stehen Sie dazu?


Ahmed: Das gleiche Problem ist vor ungefähr 15 Jahren aufgetreten. Wir fischten Haie, hauptsächlich für den Flossenhandel. Und das war deutlich weniger lukrativ als der Tauchtourismus. Wenn wir einen Hai fangen, bekommen wir ein paar hundert Dollar. Aber wir gewinnen hunderttausende Dollar, wenn die Haie im Meer bleiben. Politiker werden aus politischen Gründen entscheiden. Wenn sie die Stimmen der Fischerei-Industrie und -Lobby wollen, werden sie darauf hören, was diese wollen. Aber mit der Tourismus-Industrie ist es genauso. Ich denke, der Vorschlag ist eher eine politische Aussage als etwas, das wirklich passieren wird. Die Regierung braucht die Stimmen der Fischer, aber wir haben hier viele Experten, die die Rolle und Bedeutung der Haie sehr gut kennen. Wenn diese mit den Vertretern der Tourismusbranche zusammenarbeiten, wird es für die Regierung sehr schwierig sein, ein solches Gesetz zu verabschieden. Wir können durchaus starken Druck auf die Regierung ausüben. Während meiner Kampagne habe ich die meisten, wenn nicht gar alle Fischer der Insel getroffen und das Thema mit ihnen besprochen. Wenn die Haie ständig ihren Fang vom Haken fressen, sind sie natürlich frustriert. Aber wenn sie den Nutzen sehen, den wir in Zukunft durch die Haie erzielen könnten, wird es kein großes Problem sein, sie zu überzeugen. Selbst in der Vergangenheit hatten wir hier auf der Insel kein Geschäft mit Haifischflossen. Früher haben wir das Fleisch der Haie gegessen, aber wir Malediver ziehen Bonitos und Tunfisch vor. Es mag Leute geben, die Haie fangen wollen, aber die große Mehrheit ist dagegen.  

 

Wenn die Haifischerei tatsächlich wieder erlaubt wird, sehen Sie dann zumindest Chancen für lokale und regionale Verbote?


Didi: Unsere dezentrale Rechnung für Fuvahmulah und angrenzende Gewässer ermöglicht es uns, dies zu tun. Auch, weil die Insel jetzt ein UNESCO-Biosphärenreservat ist. Also werden wir mit unseren Ratsmitgliedern sprechen und ich bin sicher, dass sie das Fischen von Haien nicht erlauben werden. Stattdessen müssen wir uns über Herausforderungen und Möglichkeiten informieren, wie der Tauchtourismus wachsen kann. Nach vielen Gesprächen habe ich den Eindruck, dass die meisten unserer Parlamentsmitglieder nicht wollen, dass dieses Gesetz verabschiedet wird. Ich hoffe und denke, dass dies nicht passieren wird. Es sind einige Lobbyisten von Fischer-Inseln, die dahinterstehen. Es ist für eine Fischereiministerin selbstverständlich, zu versuchen, ihre Industrie zu verbessern und zu vergrößern. Und wenn es eine Nachfrage nach Hai gibt, kann sie natürlich darum bitten, Haie fischen zu können. Ich glaube, es liegt in der Verantwortung des Tourismusministers, dagegen vorzugehen. Innerhalb des Parlaments habe ich dieses Thema in unserem Fischereikomitee angesprochen und ich werde mich für die Haie einsetzen.  

Ahmed: Fuvahmulah ist ein geschütztes Biosphärenreservat mit einem ungewöhnlichen Ökosystem. Wir sind ziemlich sicher, dass es eine Ausnahme für diese Insel geben wird, selbst wenn sich dieser Vorschlag durchsetzen sollte. Vor der Pandemie haben wir bereits einen Eindruck bekommen, dass der Tauchtourismus eines der besten und lukrativsten Geschäfte ist, welches wir auf der Insel überhaupt haben können und wir müssen das aufrecht erhalten. Deshalb müssen wir die Tauchgänge mit den Tieren optimieren und reglementieren. Wenn zu viele Menschen dort tauchen, wird die Umwelt zu stark strapaziert. Zudem müssen wir sicherstellen, dass wir die Tiere nicht verletzen und zu sehr stören.       

 

Vor Ort-Termin: Autor Daniel Brinckmann im Gespräch mit Bürgermeisterkandidat Mohamed Thariq Ahmed (oben). Der zweite Interviewpartner Hussain Mohamed Didi ist Mitglied des Parlaments der Malediven.

 

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