Text: Gernot Grabosch | Leserbericht von einer Tauchsafari auf der Alia Soul
Diesmal ging es nach Ägypten, um dort mit dem neuen Orca-Liveaboard »Alia Soul« ein paar Tage den Norden Ägyptens zu erleben und zu betauchen. Das Thema Tauchsafari ist zurzeit ein heißes und viel diskutiertes Thema in der Presse und in den sozialen Medien. In den letzten ein bis zwei Jahren ist viel – zu viel – passiert, gerade hier in Ägypten: brennende Boote, kenternde Boote, leider auch Tote und viele Verletzte. Deshalb wird das Thema sehr kontrovers diskutiert. Genau jetzt ein neues Liveaboard zu launchen, ist schon etwas, wozu man Mut braucht.
»Alia Soul« vom Orca Dive Club
Volker und Wolfgang Clausen und das Team der Orca Dive Clubs hatten sich auf die Fahne geschrieben: Wenn Liveaboard, dann besser und sicherer als die meisten anderen. Es sollte ein Boot werden, bei dem die Sicherheit von Anfang an mit am Planungstisch saß. Als Basis diente ein solides Schiff aus dem Jahr 2005. Volker und Wolfgang beauftragten die Werft in Safaga, in Zusammenarbeit mit dem Maritimen Office in Hurghada, mit der Umsetzung von deren Vorgaben und Ideen. So wurde das 31 Meter lange Schiff mit seinen zwölf Kabinen komplett zerlegt, um ganze fünf Meter auf 36 Meter verlängert und mit zehn größeren Kabinen ausgestattet. Eine Verlängerung ist kein einfaches Unterfangen, aber der beste Weg, um Platz – viel Platz – zu schaffen. Andere hatten leider den Weg nach oben gewählt, was sicher der Grund für den ein oder anderen Zwischenfall war.
Auf der »Alia Soul« entstanden so neben einem zweistufigen großen Tauchdeck auch zehn geräumige und sehr geschmackvoll eingerichtete Kabinen (sechs im Unterdeck, vier im Oberdeck). Zusätzlich wurde im Unterdeck ein gut ausgestatteter Medical Room eingerichtet. Alle Kabinen sind in etwa gleich groß, doch jede hat ein eigenes Thema. Das Bord-Restaurant bietet Platz für 20 Gäste und verfügt zusätzlich über zwei kleine Lounge-Bereiche für Briefings und Tauchgespräche. Das Sonnendeck bietet ausreichend Platz für alle Gäste und zusätzlich eine kleine Bar mit Britta-Wassersystem (warm, kalt, Sprudel) zur Selbstbedienung. Darüber gibt es ein weiteres Sonnendeck mit Loungeliegen und dem Oberstand des Kapitäns.
Das Sicherheitskonzept
Das Sicherheitskonzept ist sehr durchdacht, und es wurde nicht gespart. In den Kabinen gibt es keine Steckdosen, geladen wird nur zentral auf dem Tauchdeck. Dort stehen Regale mit abgesicherten Steckdosen. Eine lückenlose Videoüberwachung erfasst Tauchdeck, Ober- und Unterdecks, Maschinenraum und Kombüse. Ein automatisches Löschsystem schützt Kombüse und Maschinenraum, dort sogar mit Schaum. Das Rauchmeldesystem in jeder Kabine und auf allen Decks ist eingebunden und zeigt exakt an, wo ein Melder auslöst. Hinzu kommt ein Intercomsystem für die Kommunikation in jede Kabine.
Zusätzlich ist jede Doppelkabine mit professionellen Schwimmwesten ausgestattet. Am Oberdeck befinden sich weitere Ersatzwesten in unmittelbarer Nähe der beiden neuen Rettungsinseln. Für die Tauchgänge stehen zwei Zodiacs mit Funkverbindung zum Kapitän, stabilen Leitern und ENOS-Systemen für jeden Taucher bereit. Brevetierte Taucher können kostenlos mit Nitrox tauchen. Vor dem Ablegen erfolgte eine ausführliche Sicherheitseinweisung, gefolgt von einer vollständigen Evakuierungsübung für Gäste und Crew. So konsequent und professionell habe ich dies bisher nicht erlebt.
Die Tauchsafari
Es ging auf eine viertägige Nord-Tour im Roten Meer. Ziel war das Marineschutzgebiet Ras Mohamed im südöstlichen Sinai mit mehreren Tauchgängen auf Hin- und Rückweg. Nach den Sicherheitseinweisungen legten wir gegen Mittag in der Marina der Soma Bay ab.
Der erste Tauchgang führte uns zu Ras Disha, ideal für einen Check-Dive. Anschließend ging es weiter Richtung Sinai. Am nächsten Morgen tauchten wir bei »Shark & Yolanda«, wo sich neben Keramikkorallen auch große Schwärme und ein imposanter Napoleon zeigten. Die Ladung der 1980 gesunkenen »Yolanda« prägt diesen Tauchplatz bis heute.
Es folgten weitere Tauchgänge bei »Anemone City« und Beacon Rock, darunter das Wrack der »Dunraven«, eines 1876 gesunkenen Dampffrachters. Der erste Nachttauchgang in der Nähe des Wracks bot beeindruckende Begegnungen mit Oktopussen, Garnelen und Spanischen Tänzerinnen.
Am frühen Morgen ging die Tauchsafari auf der »Alie Soul« weiter zur »Thistlegorm«. Das 126 Meter lange Wrack wurde 1941 bei einem Luftangriff versenkt und zählt zu den bekanntesten Wracktauchplätzen der Welt. Starke Strömung und anspruchsvolle Bedingungen machen diesen Tauchgang besonders eindrucksvoll.
Zum Abschluss folgten Tauchgänge bei Small Gobal, Shaab El Erg sowie ein Nachttauchgang bei Small Giftun an der »Police Station«. Ein entspannter Early Morning Dive mit Sonnenaufgang bildete den würdigen Abschluss der Tour.
Fazit
Wer eine abwechslungsreiche Tauchsafari im Roten Meer in Ägypten unternehmen möchte, ist an Bord der »Alia Soul« bestens aufgehoben. Das Liveaboard überzeugt durch Platz, Komfort und ein außergewöhnlich hohes Sicherheitsniveau – besonders auch für sicherheitsbewusste Safari-Neulinge.
Buchungs- und Routenanfragen:
www.orca-diveclubs.com
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