Die neue TAUCHEN Oktober Ausgabe 2017.
TAUCHEN-Redakteur Michael Krüger über die Reisestrapazen auf dem Weg in den Tauchurlaub.

TAUCHEN-Redakteur Michael Krüger über die Reisestrapazen auf dem Weg in den Tauchurlaub. © Grafik: fotolia

Flug in den Tauchurlaub: Willkommen in der Holzklasse!

War bei der letzten Traumreise wirklich alles so großartig? Die menschliche Gabe, Unangenehmes zu vergessen ist wunderbar. Verdrängt sind die Reisestrapazen und die endlose Zeit, die beim Fernflug stillzustehen scheint: Stundenlange Ansteherei, nervige Check-Ins und eingezwängte Hockerei sind nach der Landung wie von der Festplatte gelöscht.

Eine Glosse von TAUCHEN-Redakteur Michael Krüger

Kennen Sie das? Während in der Business-Class die Champagner-Kelche klirren und das Aroma des raffinierten Drei-Gänge-Dinners verführerisch durch die Gänge schwebt, klappern in der Holzklasse die Plastik-Teller. „Pasta or Curry?“ Im Akkord werden Speise-Rationen auf den Klapptabletts der eingezwängten Gäste verteilt. Und wenn man sich die Fingerkuppen verbrennt, um die heiße Alufolie von der Schachtel zu ziehen, kitzelt statt versprochener indischer Gewürzwelten nur Wasserdampf in der Nase. Die verkochte Pampe klebt wie Mörtel an den Zähnen. Zum Formfleisch-Menü werden gern welke Brötchen sowie ein geschmacksneutraler Salat als Horsd’œuvre gereicht. Eine Weintraube, die jeweils von einem Kiwi-, Melonen- und Ananas-Klotz gestützt wird, rundet das fahle Dosenfrucht-Dessert ab. Den Digestif ersetzen häufig staubtrockene, einzeln verpackte Kekse, die selbst ein eingefleischter norddeutscher Krabbenpuler kaum aus der Hülle befreien könnte, ohne 1000 Brösel auf dem Sitz zu verteilen.

Dürftiges Menü in der Economy-Class: Grade auf der Langstrecke ein Problem. Foto: fotolia

Dürftiges Menü in der Economy-Class: Grade auf der Langstrecke ein Problem. Foto: fotolia

Das Problem: Vom Genuss der Speisereste, die das geschützte Terrain verlassen haben, ist unbedingt abzuraten. Erstens werden die Decken und Kissen, die im Jet liegen, nur zusammengefaltet und in eine neue Plastikhülle gestopft. Zweitens werden auch die Tabletts selten oder gar nicht desinfiziert, falls man das nicht selbst macht. Und drittens wäre eine Bückbewegung in dieser Flug-Phase unmöglich, denn nach dem Dinner drückt der Vordermann gern die Lehne auf die Endposition, falls man keinen „Knee Defender“ besitzt, der das verhindert. Eine gefühlte Stunde dauert es, bis man von der Servierkraft aus der Ölsardinen-Position befreit wird.



  1. Jörg

    Aus meiner Sicht wird hier Luxus beschrieben, den es nicht mehr gibt. Die heutige Holzklasse bietet kein Essen zum Flug. Selbst die notwendigen Getränke einer 5 stündigen Flugreise nach Marsa Alam werden ggf. zum Verkauf geboten.
    Na klar alle wollen billig, wir natürlich auch, aber man hat bei Gesellschaften wie AzurAir noch nicht mal mehr die Möglichkeit, z.B. Sitzplatzreservierungen oder sonstigen Luxus hinzu zu buchen.
    Also kein Essen, kein Platz und man kann nichts dagegen machen und muß es einfach ertragen oder zu Haus bleiben.


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