Griechenland: Tauchurlaub für die Sinne

Zu hunderten fanden sich die antiken Seeleute im Tempel ein, um den grimmigen Meeresgott milde zu stimmen und für eine gute Reise zu bitten. „Etwas anderes tue ich eigentlich auch nicht, wenn ich hier bin“, flüstert Avgerinos. „Es geht zwar nicht um eine monatelange Expedition, sondern nur um einen Besuch in der Unterwasserwelt." Der freundliche Grieche von der Tauchbasenvereinigung Scuba Hellas ist Taucher durch und durch. Jeder freie Tag wird genutzt, um dem im Sommer unerträglich heißen Athen zu entfliehen und ans Meer, nach Porto Rafti zu fahren. Dort steht sein Sommerhaus, natürlich direkt am Meer. Entweder schnappt er sich seine Tauchausrüstung und trifft sich direkt vor seinem Haus mit einem Nachbarn oder er fährt zu einer der vielen Tauchbasen in der Region.
Bunte Seesterne liegen faul auf den Steinen herum. Foto: Paul Munzinger

Bunte Seesterne liegen faul auf den Steinen herum. Foto: Paul Munzinger

Aqua Team Porto Rafti: Moderne Basis mit neustem Equipment

Zum Beispiel zum Aqua Team in Porto Rafti. Eine moderne und mit dem neusten Equipment ausgestattete Basis. Mit einem komfortablen Boot geht es raus aufs Meer, zu über 20 unterschiedlichen Spots. Dabei gibt es einen, der zu Avgerinos Lieblingsplätzen zählt: Tourkolimano. Eine Steilwand mit unglaublich schönem Bewuchs. Große Schwämme, Krustenanemonen und Seedahlien wechseln sich ab. Leichte Strömung trägt die Taucher hier wie von Zauberhand an den Felsen vorbei. Davor wächst saftig grünes Seegras und jede Menge kleiner Fische flitzen umher, die im Dickicht nach Nahrung suchen. Ein Canyon durchbricht die Steilwand und verbindet die seichte Lagune mit dem Außenriff. Hier finden gerade Fotografen etliche Motive. Ganz anders, aber genauso schön, ist die Höhle Rafti Cave an der kleinen Insel Rafti. Halbmondförmig öffnet sich das riesige Loch zum Freiwasser hin. Die Decke ist geradezu tapeziert mit Korallen und Schwämmen, die im Schein der Lampe zu glühen scheinen.
An vielen Spots liegen Amphoren aus der Antike. Angucken erlaubt, mitnehmen strengstens verboten! Foto: Paul Munzinger

An vielen Spots liegen Amphoren aus der Antike. Angucken erlaubt, mitnehmen strengstens verboten! Foto: Paul Munzinger

Tauchurlaub mit Genussfaktor: Gute Stimmung garantiert

Oder aber Avgerinos besucht den Aqua Divers Club in der hübschen Bucht des Hotels Kalypso in Anavissos. Der sympathische und lustige Engländer David White führt die Basis mit viel Freude und Energie. Die direkte Strandlage ist natürlich ein Pluspunkt: Schuppertauchen, Kurse – alles quasi vor der Haustür möglich. Die Stimmung im Tauchteam ist einfach super. Kaum kommt die Gruppe nach dem Tauchgang an Bord des großen Zodiacs, wird die Musik aufgedreht, Säfte und Kekse gereicht. Und das Beste: Das Mittagessen auf der sonnigen Hotel-Terrasse ist im Tauchpreis inbegriffen. Besonders beliebt ist der Spot Blue Canyon. Eine gewaltige Spalte in einer Insel, als hätte ein Minotaurus die Felsen in zwei Hälften geteilt. Statt hineinzutauchen, schnorchelt man durch den Canyon ins Innere der Insel. Dann dreht man sich auf den Rücken und schweigt, denn die Lichtstimmung ist einfach nur mystisch. Beim langsamen Abtauchen verfolgt man die Strahlen der Sonne, die sich ihren Weg ins dunkle Blau bahnen. Auf sechs Metern angekommen, beginnt man mit dem Tauchgang und schwimmt der leuchtend blauen Öffnung des Spaltes entgegen. Vor dem Eingang fällt die Steilwand tief ab. Ein Schwarm Sardinen glitzert im Licht und empfängt die Gruppe. Langsam lässt sich jeder mit der Strömung an der hübschen Wand entlangtreiben. Oktopusse verstecken sich unter Überhängen, schwarze Schwämme thronen auf den Felsen und Goldstriemen suchen in großen Trupps nach Algen. Zum Ende des Tauchgangs öffnet sich ein Plateau mit großen Felsbrocken auf etwa vier Metern.