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Malediven: Tauchen und Savoir-Vivre auf Rihiveli

Sie kennen und lieben das Savoir-Vivre unserer französischen Nachbarn, wollten aber schon immer zum Tauchen auf die Malediven? Dann ist Rihiveli im Süd-Male-Atoll der perfekte Tipp! UW-Foto-Profi Norbert Probst nahm die kleine Insel in Augenschein.

Wer gewinnt? Hunderte Fahnenbarsche leuchten mit Weich-korallen um die Wette. Fotos: Norbert Probst

Wer gewinnt? Hunderte Fahnenbarsche leuchten mit Weich-korallen um die Wette. Fotos: Norbert Probst

In großem Bogen zieht das Speedboat durch die weite, türkisfarbene Lagune, bevor die Gäste den ersten Fuß auf die Insel setzen. Für viele ist Rihiveli Liebe auf den ersten Blick: Die unbewohnte Nachbarinsel Erruh Hura liegt wie ein Bilderbuch-Scherenschnitt auf dem Meeresspiegel, und kein Wasserbungalow steht dem romantischen Sonnenuntergangs-Panorama im Wege. Medurra, ein mit Buschwerk bestandenes Vogelreservat, liegt wie Erruh Hura nur ein paar Steinwürfe von Rihiveli entfernt in der Lagune, und beide Inseln sind bei Ebbe zu Fuß erreichbar. Rihiveli heißt übersetzt „Silberner Strand“. Die bildschöne, mit Kokospalmen und Scaevolabüschen bewachsene Insel ist damit gesegnet: Breit und makellos säumt er das Eiland, dessen natürliche Schönheit dem Management bei allem Gewinnstreben heilig ist. No News, no Shoes heißt hier die Tagesordnung im Urlaub.
Die 48, zumeist eingeschossigen Bungalows sind einfach, aber stilvoll eingerichtet und verlieren sich beinahe unter den zahlreichen Palmen. Besonders am Abend, wenn sich die Luft über dem Indischen Ozean abkühlt, weht bei offenen Fenstern eine konstante, kühle Brise durch Bungalows und Lounge. Ein angenehmes Raumklima ist das Ergebnis – und die andernorts als unverzichtbar geltende Klimaanlage, oft Ursache für Erkältungen, vermisst hier niemand. Durch den beständigen Wind herrschen auch tagsüber wohlige Temperaturen und die Hängematte vor der Tür lädt zum Mittagsschläfchen ein. Auf Rihiveli wurde trotz mehrfacher Renovierungen die Ursprünglichkeit der Insel weitgehend erhalten. Eine Ausnahmeerscheinung auf den Malediven, wo altgediente Maledivenfans inzwischen einfache und möglichst naturnahe Inseln vermissen. Genau auf diese Klientel haben es die Inselbetreiber abgesehen. Dabei ist das Trinkwasser, ein Wäscheservice und viele, sonst nur mit Zuzahlungen verbundene Sportarten wie Schnorcheln, Billard, Kanufahren, Katamaran-Segeln, Tennis und Windsurfen bereits im Preis inbegriffen. Nur Wasserski, Wakeboarding, Kite-Surfen und Tauchen gibt’s gegen Aufpreis.

Perfekter Start in den Tag beim Frühstück über dem Meer. Fotos: Norbert Probst

Perfekter Start in den Tag beim Frühstück über dem Meer. Fotos: Norbert Probst

Das überwiegend französische Publikum lebt die relaxte Inselatmosphäre und über die Hälfte der Gäste sind Wiederholungstäter! Warum? Es gibt zum Beispiel die himmlischen Boxspringbetten, die man in dieser Inselpreisklasse sonst vergeblich sucht, und es sind nicht zuletzt die von Küchenchef Indika Prasanna und seinem Team liebevoll angerichteten Buffets. Franzosen lieben gutes Essen und hier fühlt man sich fraglos wie Gott in Frankreich. Das offene, auf Stelzen ins Meer gebaute Restaurant bietet dazu das passende Ambiente. Wenn die Köche allabendlich hinter der Küche die Fische putzen, geht es weniger gepflegt zu. Wie auf Kommando erscheinen einige Ammenhaie, die sich um die anfallenden Fischabfälle balgen. Ein Spektakel, das sehenswert ist. Für andere Gäste ist der Sundowner an der Beachbar wichtiger. Das Frühstück bei Sonnenaufgang ist ebenfalls ein unverzichtbares Ritual der meisten Inselbesucher. Bitte nicht erschrecken: Die Uhren auf der Insel eilen der Normalzeit eineinhalb Stunden voraus. Wenn um 7.30 Uhr Inselzeit die Sonne hinter Erruh Hura aufzieht, zeigen „normale“ maledivische  Zeitmesser erst 6.00 Uhr! Neben dem besseren Ausnutzen des Tageslichts hat die inseleigene Zeitumstellung den Vorteil, dass Tauchsportler die umliegenden Riffe ohne die Gesellschaft benachbarter Tauchbasen genießen können.

Mit Rihiveli zeigt die Basis-Kette der Extra Divers erstmalig auf den Malediven Flagge. Seit Oktober 2014 wickelt sie dort den Tauchbetrieb mit Rundumservice und nach bewährten Standards ab. Die kleine, aufgeräumte Tauchbasis liegt am langen Jetty, nur ein paar Schritte von den Tauchbooten entfernt. Sicherheit steht wie immer an erster Stelle, aber das Vergnügen kommt dabei nicht zu kurz. Der Tauchspaß beginnt, wenn die Tauchgäste das komfortable, mit Toilette und kostenlosem Trinkwasser ausgestattete Tauchboot entern. Es versteht sich von selbst, dass fleißige Hände das Equipment der Gäste bereits an Bord verstaut haben. An jedem Morgen rücken die Boote zum Two-Tank-Dive aus. Wer möchte, kann die Fische am Nachmittag noch einmal besuchen, und ganz Hartgesottene treffen sich gegebenenfalls noch zum Nachttauchen.Rihiveli liegt nur eine Speedboat-Stunde von der Hauptstadt Male entfernt. Trotzdem enthält das Südende des Südmale-Atolls alle Optionen für ambitionierte Taucher bereit. Gleich ob beschauliche Innenatollplätze oder heftig umströmte Kanal-Thilas: Jeder findet seinen Lieblingsplatz und kann das fehlende Hausriff leicht entbehren. Die Extra Divers gehen bei der Auswahl der Plätze gerne auf die Wünsche der Gäste ein. Unter erfahrenen Tauchern ist das Kandooma Thila der klare Favorit. Entgegen der üblichen Kanaltauchgepflogenheit, entpuppt sich Kandooma Thila besonders bei auslaufender Strömung als spektakulärer Tauchplatz.

Von Mai bis Oktober ist die Chance auf Manta-Sichtungen besonders hoch. Fotos: Norbert Probst

Von Mai bis Oktober ist die Chance auf Manta-Sichtungen besonders hoch. Fotos: Norbert Probst

Nach dem Blauwasserabstieg liegt in 30 Metern Tiefe ein sandiges Plateau, aus dem das Thila wie ein Schiffsbug hervorragt. Das Riff ist komplett mit roten Weich- und Zäpfchenkorallen bewachsen und bildet eine eindrucksvolle Kulisse für das pulsierende Leben: Über dem Plateau zirkuliert ein Schwarm Großaugenmakrelen. Dahinter jagen ein paar Graue Riffhaie. Aufgrund der Tiefe und einem fehlenden Haltepunkt fällt es jedoch schwer, hier lange zu verweilen. Die Strömung drückt unwiderstehlich in den Kanal. Vorzugsweise führt die Reise an der linken, interessanteren  Seite des Thilas vorbei. Einige bizarre und in allen Farben leuch-tenden Korallenbauten mit Tausenden von Riffbarschen bieten Schutz vor der enormen Strömung. Eine residente Schule Adlerrochen segelt dicht vorüber. Selbst gegen die Strömung gleiten sie ohne einen Flügelschlag langsam ins Blau. In den Überhängen suchen Schnapperschwärme Schutz vor den Haien, die weiter draußen jagen. Zuweilen sind es einige Dutzend. Bei starker Strömung, wenn die Taucher wie Fähnchen im Wind am Riff hängen, kommen sie ohne Scheu nahe heran. Weniger Strömung bedeutet einfacheres Tauchen, aber die Tiere bleiben mehr auf Distanz. Wie auch immer. Das Nullzeitende kommt in jedem Fall viel zu schnell, doch das breite, schier endlose Plateau des Thilas ist mehr als gut genug zum Austauchen. Einen Halsbandfalter-Fischwarm, jagende Weißspitzen-Riffhaie, Schildkröten und prachtvollen Korallenbewuchs gibt es zu bewundern. Im weiteren Verlauf fällt das Thila langsam in die Tiefe ab. Der Sicherheitsstopp bietet die letzte Gelegenheit, noch einen Blick auf die scheinbar allgegenwärtigen Großaugenmakrelen zu erhaschen.

Die schönsten Tauchplätze rund um Rihiveli

Die schmucken Halsband-Falterfische halten sich gern in losen Gruppen auf. Fotos: Norbert Probst

Die schmucken Halsband-Falterfische halten sich gern in losen Gruppen auf. Fotos: Norbert Probst

Guraidhoo
Die Landschaft in diesem Kanal (Südseite) wechselt von zerklüfteten Überhängen und Höhlen in bizarre Korallenblöcke zu weiten, teils sandigen Ebenen. Riff- und Leopardenhaie sind ebenso Besucher wie Adlerrochen. Am Kanaleingang stehen große Schwärme mit Wimpel- und Doktorfischen.

Cocoa Corner
Schöne Steilwand mit Überhängen und Höhlen an der Nordseite des Biyadhoo-Kanals. An der Außenseite ist das Riff weniger schroff mit vereinzelten Sandabfällen. Erfahrene Taucher haben hier Spaß mit Schwärmen von Schnappern und Füsilieren sowie einigen Zackenbarschen. An der Ecke, die der Strömung zugewandt ist, können Adlerrochen und Grauhaie beobachtet werden.

Ranthila
Der Spot ist 300 Meter lang und einer der aufregendsten Tauchplätze der Malediven. Das Riff ist wie eine Träne geformt und befindet sich mitten in einem Kanal. Entsprechend stark kann die Strömung sein! Das Riffdach beginnt auf etwa 16 Metern Tiefe und erfordert ein schnelles Abtauchen, um die vorbeiziehenden Grauen Riffhaie, Adlerrochen, Thunfische, Stachelmakrelen und gelegentliche Formationen von Mobulas zu beobachten. Nur erfahrene Taucher haben an diesem anspruchsvollen Tauchplatz Spaß.

Ranikan
Die Riffspitze liegt zwischen fünf und zehn Metern Tiefe und fällt langsam auf den 30 Meter tiefen Sandgrund ab. Es gibt einige Überhänge und kleine Höhlen um zwölf Meter Tiefe mit einer Vielzahl an Korallen. Zu sehen gibt es Weißspitzenriffhaie, Schildkröten, Langusten, Süßlippen und große Barsche. Der Platz eignet sich gut für Nachttauchgänge.

Reiseinfos Malediven

Viele Wassersportangebote, wie zum Beispiel Katamaran-Segeln, sind im Reisepreis bereits inklusive. Fotos: Norbert Probst

Viele Wassersportangebote, wie zum Beispiel Katamaran-Segeln, sind im Reisepreis bereits inklusive. Fotos: Norbert Probst

Tauchen

Getaucht wird in drei Kanälen und an zahlreichen Plätzen im Innenatoll sowie am Außenriff. Im Inneren des Atolls erheben sich einige Riffe bis dicht unter die Wasseroberfläche. Diese Thilas und Giris beherbergen viele Kleintiere. Für erfahrene Taucher sind die Kanäle, die ins Atoll hineinführen das Highlight: Großfischbegegnungen sind hier garantiert, aber die zuweilen heftigen Strömungen sind nicht jedermanns Sache. Ein Hausriff gibt es nicht. Schnorchler kommen jedoch nicht nur in der geschützten Lagune auf ihre Kosten: Die Tauchbasis organisiert Bootsausflüge zu interessanten Plätzen.

Rihiveli hat gemütliche, luftige Einzelbungalows in Standard- und Superior-Ausstattung mit möblierter Terrasse mit Hängematte nahe dem Strand. Bei Buchung mit Vollpension kann man sich über qualitativ hochwertige Buffets oder Drei-Gänge-Menüs freuen. Preisbeispiel: 13 Nächte kosten inklusive Flug und Vollpension ab 2499 Euro. Info: Reisecenter Federsee, Tel. 07582/932 07 90, www.rcf-tauchreisen.de

Tauchbasis Extra-Divers Rihiveli

Tauchbasis: Die gut ausgestattete Extra-Divers-Tauchbasis steht unmittelbar am Bootssteg. Hier liegen die schnellen, mit Toilette und Sonnenschutz ausgestatteten Tauchboote. Die Basis verfügt über Empfang, Spülbecken, Trockenraum, leistungsstarke Kompressoren, Nitrox-Füllanlage, gepflegtes Leihequipment und Schnorchelausrüstungen. Vom Schnuppertauchen bis zum Divemaster werden sämtliche SSI-Kurse angeboten. Ausfahrten finden täglich vormittags und nachmittags zu den umliegenden Tauchplätzen statt. Die Fahrtzeiten zu den Tauchgebieten liegen zwischen fünf Minuten und einer Stunde. Gelegentlich gibt es auch Ganztagestouren und Nachttauchgänge. Erfahrene Guides, Getränke an Bord und die erforderliche Sicherheitsausstattung ist obligatorisch. Preisbeispiel: Tauchpaket 5 Tage/10 TG inkl. Flasche, Blei und Bootfahrten 546 Euro, OWD-Tauchkurs (SSI) inkl. Ausrüstung und 4 Bootstauchgänge 695 Euro.



  1. mario-diver

    Ja, die Males sind und bleiben ein Tauchertraum und für solche, die auf einer solchen Insel mit sich selbst zufrieden sein können.
    Guraidhoo und Cocoa sind mir noch immer aus dem 1. Besuch dort 2005 in spektakulärer Erinnerung.

    (Schade, dass die Preise so extrem gestiegen sind (Gejammer des Normaloverdieners, der wenn denn dann auch 3 Wochen dort verbringen wollen würde 😉 )


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