Rotes Meer in Ägypten: Von einsamen Tauchspots und seltsamen Meereslebewesen

Sharm El Naga: Nagelneue Tauchbasis am naturbelassenen Riff

Was gibt es schöneres für einen Taucher, als fast allein an einer Basis zu sein und rundum von seinen Tauchlehrern und Guides umsorgt zu werden? Natürlich ebenso unbehelligt an wunderschönen, wenig betauchten Riffen ins Wasser zu springen! Diese Erfahrung kann ich an meiner nächsten Anlaufstelle in der Bucht von Sharm El Naga genießen. Das Viva Blue Resort und die integrierte Tauchbasis sind bereits seit einigen Wochen eröffnet – aber die meisten Buchungen fallen erst in den April. Noch ist es hier wirklich still. Deshalb kann ich die Ruhe und Abgeschiedenheit dieses Resorts voll genießen. Endlich mal abschalten! Und von meinem Zimmer aus brauche ich nur die Treppe runter zu gehen, um zur Basis zu gelangen. Die beiden Basisleiter Robert und Marisa haben grade erst alle Arbeiten an ihrem nagelneuen Tauchcenter beendet, und können sich nun voll und ganz meinen Unterwassertouren widmen. Weil es mit den Gästen erst ab April so richtig losgeht, können wir nun noch komplett ungezwungen tauchen – wann und wie wir es wollen. Zusammen mit Guide Saber starten wir zu einigen einmaligen Tauchtrips: Von der Basis sind es nur zwei Minuten Fußweg bis zum Steg. Von dort kann man entweder linke oder rechte Schulter ins Hausriff – ein kilometerlanges, weitläufiges Saumriff – starten, oder mit dem Zodiac zu den etwas entfernter gelegenen Spots aufbrechen. Wir erkunden zusammen die gut erreichbaren, natürlichen Plätze, an denen noch nicht viele Tauchgänge stattgefunden haben. Der Bewuchs mit Hart- und Weichkorallen ist ein absoluter Hingucker! Am Tauchplatz Sadana liegt ein antikes Wrack mit gut erhaltenen, großen und kleinen Amphoren. Aber auf mein Highlight in Sharm El Naga treffe ich am Riff Ras Um Hesiwa: Eine zutrauliche Echte Karettschildkröte, die sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen lässt. Ich nähere mich vorsichtig, um das Tier nicht zu erschrecken. Für einen Moment mustern wir uns neugierig – die non-verbale Kommunikation funktioniert nicht nur mit dem Buddy oder Guide! Dann ziehen wieder unserer Wege. Dies sind die kleinen Momente beim Tauchen, die einen Taucher mit breitem Grinsen aus dem Wasser kommen lassen!

Sidemount-Liveaboard: Mit der Seawolf Felo auf die Nordtour!

Mein Weg führt mich anschließend zurück nach Hurghada und ins Headoffice von Seawolf, denn wir laufen zu einem Liveaboard der besonderen Art aus! Eine Woche Sidemount - Tauchen satt an der Rosalie Moller, der Thistlegorm und Co. mit Reiseleiterin und Veranstalterin Moni Hofbauer und dem Sidemount-Profi Axel Früh. Im Gegensatz zum gewöhnlichen Backmount tragen diese Taucher ihre Flaschen an der Seite. „Dabei hat man eine bessere Wasserlage und ein völlig neues Freiheitsgefühl beim Tauchen“, berichtet Jan Bigge. Der 25jährige startet mit mir auf die Kreuzfahrt und ist bereits erfahrener Sidemounter, der schon 70 Tauchgänge mit dem speziellen Jacket und den zwei 12-Liter-Flaschen geloggt hat. Ich hingegen bin noch völliger Rookie – und während wir mit Volldampf zu den Wracks im Norden starten, beginne ich bei Axel früh meinen Kurs. Der Freiburger kennt sich mit dieser Art des Tauchens bestens aus: „Im Vordergrund steht ganz klar auch der Sicherheitsaspekt des Sidemount-Tauchens! Der Taucher hat jederzeit die volle Kontrolle über sein System“, erklärt mir der 40jährige Tauchshop-Inhaber. Man komme problemlos an die Flaschenventile und könne notfalls problemslos agieren. Außerdem sei der Coolness-Faktor grade bei jüngeren Unterwassersportlern ein ernstzunehmender Grund, um mit dem Sidemount zu beginnen. Für mich erscheint der Unterschied so ein bisschen wie zwischen Skifahren und Snowboarden. Grund genug, es auszuprobieren! Ich mache bei Axel den SSI Einsteigerkurs für Sidemounter. Zwei Abend Theorie mit Keynote-Präsentation und schon geht’s ab ans Gerät. Ich werde mit dem Razor tauchen, dem minimalistischsten Tarierjacket, das ich je gesehen habe. Von Brancheninsidern entwickelt und speziell auf die Bedürfnisse dieser Art des Tauchens angepasst. Ein paar Tragegurte, ein paar Bungees, D-Ringe, Inflator und Blase – mehr braucht man nicht. Das Jacket ist bis ins Detail durchdacht. Das Blei wird auf die Gurte gezogen und die Gummi-Bungees angepasst, die Flaschen mit Lungenautomaten versehen und präpariert. Auf dem Tauchdeck wird die erste Flasche ins Harness eingehängt. Mit der zweiten in der Hand springen wir ins türkisblaue Wasser – und dies werden wir in dieser Woche noch einige Male tun. Im kühlen Nass wird die zweite Flasche eingehängt und los geht es auf faszinierende Touren. Mit den Flaschen unterm Arm gleiten wir schwerelos durch’s Wasser. Auf der Kreuzfahrt sind Sidemounter und gewöhnliche Backmounter an Board. Die Sidemount-Crew – zu der ich mich fortan auch zählen darf – geht als erstes ins Wasser und kommt dank doppelter 12er-Flasche auch als letztes wieder heraus. Die Grenzen setzt nicht mehr der Luftverbrauch, sondern lediglich das persönliche Kälteempfinden und die Nullzeit. Unsere Tauchgänge sind meistens zwischen 60 und 80 Minuten! Was wir in einer Woche an einigen der schönsten Wracks der Welt erlebt haben und welche faszinierenden, einzigartigen Begegnungen wir unter Wasser hatten, können Sie ausführlich in einer der nächsten Ausgaben von TAUCHEN lesen.