Tauchen in Westaustralien: Das ganz große Abenteuer wartet!

Fremantle: Audienz beim Blauen Teufel

Rottnest Island, Fremantle? Viel mehr als Schulterzucken wird man auf die Frage, wo das ist, kaum ernten. Für die tauchenden Bewohner der westaustralischen Metropole Perth stehen beide Ziele für dasselbe, was dem Österreicher der Attersee ist: das perfekte Wochenend-Tauchziel.

Beim Ortstermin im Yachthafen von Fremantle gibt sich Debbie Ferguson entwaffnend ehrlich: „Wir sind tatsächlich sowas wie eine Basis für Wochenendtaucher“, gibt die Eigentümerin von Dolphin Dive und Exmouth Dive Centre lachend zu. Dass sich die Reise in die Gartenvorstadt von Perth lohnt, wird klar, als das Schiff eine Stunde später am Roe Reef vor Rottnest Island festmacht. Mit den knapp 40 Tauchplätzen verhält es sich ein wenig wie mit der Eierlegenden Wollmilchsau: Die optischen Einzelteile der Unterwasserwelt kommen einem bekannt vor, doch zusammen betrachtet stiften sie aus europäischer Perspektive erst mal Verwirrung. Die tief unterhöhlten Felsriffe und Kavernen mit buntem Schwammbewuchs erinnern ans Mittelmeer, ebenso wie einfarbige Stachel- und Adlerrochen, Lippfische und Drachenköpfe. Und Sandtigerhaie und Gitarrenrochen? Die gab es ja im Mare Nostrum auch einmal. Wäre da nicht der wogende Seetang und dazwischen Wobbegongs und der eine oder andere Manta, der zu weit in den Süden gesegelt ist. Dazu kommen völlig unbekannte Arten und Farbkombinationen von Drücker- und Kaiserfischen. Als lokale Wahrzeichen gelten der bizarre Port-Jackson-Hai und besonders der „Westliche Blaue Teufel“, ein prachtvoll strahlender großer Riffbarsch-Verwandter, den es nur hier zu bestaunen gibt.

Halligalli am Ningaloo-Riff: Zwischen März und August kommen die Walhaie.

Halligalli am Ningaloo-Riff: Zwischen März und August kommen die Walhaie. Foto: Daniel Brinckmann

Exotisch wirken auf mitteleuropäische Gemüter nicht nur die Unterwasserbewohner, sondern auch die Gepflogenheiten an Bord. In Australien stößt sich niemand daran, wenn auf dem doppelstöckigen Schiff mehr als dreißig Gäste zusammenkommen, und die eine oder andere Languste vom Tauchgang in der Styroporbox verschwindet. Andere Länder, andere Sitten.

Unerwartet europäisch mutet Fremantle selbst an: Das älteste Gebäude Westaus-traliens, das 1830 als Gefängnis errichtete „Round House“, und auch andere Bauten entlang der Flaniermeile Cappuccino Strip spiegeln die zeitgenössische viktorianische Architektur wider. Weil die Tagestemperaturen selbst im australischen Sommer kaum die Dreißig-Grad-Marke knacken, erinnert auch die Landschaft an Mittelitalien. Zumindest, wenn man die südlich von Freo gelegenen endlosen weißen Sandstrände ausklammert. Auf dem Weg dorthin passiert man auch ein, zwei Piers, unter denen sich für Taucher sozusagen das Ass im Ärmel von Fremantle verbirgt: grandiose Makro-Reviere. Wenn sich im Schutz der Piers Sardinen-Schwärme versammeln, schauen auch Seelöwen vorbei. Weil ohnehin kaum jemand nur wegen einem einzigen Reiseziel um die halbe Welt reist, bietet sich eine Kombination mit dem Ningaloo-Riff in Exmouth an. Dort bekommt man dann aber natürlich keine Audienz beim „Blauen Teufel“.