Das philippinische Wracktauch-Mekka Coron lockt auch mit intakten Riffen, einem geheimnisvollen See sowie einem Vorzeige-Schutzgebiet für Dugongs.
Text: Wolfgang & Barbara Pölzer
Ein Luftangriff, der Geschichte schrieb
Am 24. September 1944 griffen amerikanische Trägerflugzeuge die in der tief eingeschnittenen Bucht von Coronversteckte japanische Versorgungsflotte an. Innerhalb weniger Minuten versanken Frachter und Tanker – schwach bewaffnet, aber strategisch wichtig. Für die US-Navy war es ein kleiner militärischer Erfolg, für Taucher ein Glücksfall: Heute liegen elf Wracks, teils über 100 Meter lang, in Tiefen von meist unter 30 Metern.
Schiffsfriedhof von Coron Bay
Eine Flugstunde südlich von Manila landen Taucher auf der Insel Busuanga. Coron ist sowohl Name der Insel als auch der Hauptstadt. Am Stadtrand der rund 30.000 Einwohner großen Stadt befindet sich die Easy Diving Tauchbasis, geführt von Eric Zürcher. Die Basis liegt direkt am Wasser, verfügt über einen eigenen Bootsanleger und moderne Schnellboote – ideal für entspannte Wracktage.
Durch Inselwelten zum offenen Meer
Am frühen Morgen geht es durch ein Labyrinth aus Karstinseln, vorbei an grünen Hängen, schroffen Felsformationen und stillen Sandbuchten. Nach gut einer Stunde Fahrt öffnet sich der Blick Richtung Südchinesisches Meer.
Das Wrack der Okikawa Maru – Gigant unter Wasser
Nach dem Briefing gleiten wir am Bojenseil ins warme Wasser. Schon bald erscheint ein gewaltiger Schatten: das Heck der Okikawa Maru, mit 160 Metern Länge das größte Wrack der Region. Das Oberdeck liegt in nur 15 Metern Tiefe. Zwischen Füsilieren, Schnappern und Riffbarschen tauchen wir in den Schiffsbauch ein. Drinnen verschwindet die Strömung, die Sicht verbessert sich. Wir gleiten durch lange Gänge, riesige Laderäume, Treppen und Abzweigungen – eine fast mystische Atmosphäre zwischen völliger Dunkelheit und diffusem Restlicht.
Besondere Fundstücke wie das Skelett einer Schildkröte oder eine originale Gefängniszelle geben Einblick in die Geschichte des ehemaligen Öltankers. Draußen am Deck leuchten Schwämme, Korallen und Seescheiden in Gelb-, Rot- und Violetttönen. Fledermausfische und junge Barrakudas suchen Schutz in der Strömung, während nicht explodierte Granaten stumme Zeitzeugen bleiben.
Vielfalt der Wracks – sicher & spektakulär
Nach der Oberflächenpause wartet meist schon das nächste Wrack. Die meisten Schiffe liegen aufrecht auf ebenem Grund und bieten perfektes Wrackfeeling bei geringer Gefahr. Einige ragen sogar bis knapp unter die Oberfläche und sind für Schnorchler geeignet.
Als dritter Tauchgang stehen oft Korallenriffe auf dem Programm: eingeschränkte Sicht, dafür überraschend dichter Steinkorallenbewuchs und spannendes Makroleben – ein schöner Kontrast zu den Wracks.
Ein See zwischen Süß- und Salzwasser
Nur wenige Kilometer von Coron City entfernt liegt der berühmte Barracuda Lake. Die Insel gehört dem indigenen Volk der Tagbanuwa und steht unter strengem Schutz. Während die meisten Seen religiös tabu sind, ist dieser eine Ausnahme.
Beim Abtauchen im klaren Brackwasser erleben Taucher ein ungewöhnliches Phänomen: In 15 Metern Tiefe springt die Temperatur abrupt von 28 auf bis zu 35 Grad. Unterhalb der Sprungschicht folgt trübes Salzwasser mit geringer Sicht. Ursache ist eingeschlossenes Thermalwasser.
Taucherisch reizvoll sind die schroffen Karstwände, Canyons und Durchgänge. Tierisch dominieren Katzenwelse, Grundeln, Garnelen sowie Kardinal- und Kaninchenfische – typische Brackwasserbewohner. Der namensgebende Barrakuda gilt als verschwunden.
Seekühe hautnah erleben
Ein weiteres Highlight ist das Dugong-Watching im Nordosten von Busuanga. In einem seit 30 Jahren geschützten Reservat lebt eine stabile, wachsende Population. Zwei Tiere sind an Taucher gewöhnt – die Sichtungswahrscheinlichkeit liegt bei nahezu 100 %.
Unter strengen Auflagen und Ranger-Begleitung beobachten wir einen über zwei Meter langen Dugong, der in einer Seegraswiese grast. Neugierig zieht er eine Ehrenrunde und posiert für Fotos. Ein außergewöhnliches Erlebnis, täglich limitiert auf maximal 100 Besucher in Kleingruppen.
Fazit
Coron – eines der besten Wracktauchziele der Welt
Coron auf den Philippinen vereint spektakuläres Wracktauchen mit Naturerlebnissen der Extraklasse. Die Weltkriegswracks sind für nahezu alle Ausbildungsstufen geeignet, ergänzt durch farbenfrohe Riffe, den mystischen Barracuda Lake und seltene Dugong-Begegnungen. Ein einzigartiges Reiseziel für Wrackfans, Abenteurer und Naturfreunde.
Reiseziel auf einen Blick
- Land: Philippinen
- Region: Palawan / Busuanga
- Ort: Coron & Coron Bay
- Meer: Südchinesisches Meer
- Highlights: WWII-Wracks, Barracuda Lake, Dugongs
- Tauchtyp: Wracktauchen, Rifftauchen, Brackwasser
Reiseinfo: Coron
An-/Einreise:
z.B. mit China Airlines von Frankfurt nach Manila. Nach einer Hotelnacht weiter per Inlandsflug nach Busuanga. Von dort geht es in 30-minütigem Autotransfer in das Zuri Resort Coron. Zur Einreise nötig ist ein Reisepass (mindestens noch sechs Monate gültig). Man erhält bei Einreise ein gebührenfreies Touristenvisum, das 30 Tage gilt. Am nationalen Busuanga Airport muss man bei Einreise 200 Peso (rund drei Euro) Development Fee pro Person in bar bezahlen.
Lage:
In ruhiger Lage am West-Ende knapp außerhalb von Coron Stadt. Ausflug in die Stadt: entweder fünf bis 25 Gehminuten oder mit einem allgegenwärtigen Tricycle-Motorradtaxi für rund eine Euro pro zwei Personen/Strecke.
REISEZEIT:
Die Philippinen sind ein tropisches Ganzjahresziel. Die Region ist kaum durch Taifune gefährdet, diese ziehen meist nördlich oder südlich vorbei.
Tauchen:
In geführten Kleingruppen (max. vier Taucher/Guide) vom Boot aus. Entweder bei Halbtagesfahrten mit zwei TG oder Tagesfahrten mit drei TG und Mittagessen an Bord. So lassen sich etwa 25 Spots binnen 15 bis 120 Minuten erreichen. Die Basis ist einziger Anbieter der Gegend für Boots-Nacht-TG an den Riffen der nahegelegenen Insel Coron.
Boote:zwei eigene Schnellboote für je acht Taucher (bei Wrackausfahrten maximal je vier bis sechs Taucher) sowie gecharterte Bangkas für größere Gruppen.
Preise: Eine Halbtagesfahrt mit zwei TG (inkl. Flasche & Blei) kostet 57 Euro. Eine Wrackausfahrt inkl. drei TG und Mittagessen kostet 86 Euro plus Treibstoffzuschlag je nach Distanz von zirka 12 bis 25 Euro. Aufpreis für Nitrox: 4,80 Euro/Füllung. Die Basis benutzt wiederverwendbares Besteck/Becher auf ihren Bootsausfahrten und Trinkwasserspender.
Dugong-Trip: Die Ganztagestour kostet ab der Partnerbasis (Dugong Divecenter) 155 Euro pro Person inklusive drei TG, Nationalparkgebühr und Mittagessen an Bord, zzgl. Transfertaxi von 80 Euro (für bis zu sieben Personen).
Schnorcheln:
bietet sich im Barrakuda Lake sowie auf der Dugong-Tour an.
Beste Tauchzeit/Saison:
Hochsaison herrscht von Dezember bis April, optimale Tauchbedingungen (Trockenzeit und wenig Wind) hat man meist von Februar bis Mai. Juli bis September ist Regenzeit und bietet sich für Schnäppchenjäger an. Geöffnet ist jedoch ganzjährig. Die Unterwasser-Sichtweiten liegen außerhalb der Regenzeit meist bei acht bis zehn Meter.
Besonderheiten: Es ist das einzige Tauchcenter von Coron Stadt, direkt einem Hotel angeschlossen und verfügt über eigenen Pier und Schnellboote.
Unterkunft:
Das Vier-Sterne plus-Hotel Zuri Resort Coron wurde 2022 eröffnet und gilt als bestes Hotel von Coron Stadt. Es gibt 118 Zimmer in fünf verschiedenen Kategorien und Platz für bis zu 250 Gäste. Die großzügig ausgestatteten Zimmer verfügen alle über Klimaanalage, Kühlschrank, Kaffee/Teekocher, Safe, Flat-TV, Telefon, freies WLAN, großes Bad/WC sowie Terrasse oder Balkon. Neben Hauptrestaurant, Café und Poolbar begeistern die drei schönen Süßwasserpools (plus eigenem Kinderpool) sowie ein großer Fitnessbereich und ein empfehlenswertes Spa.
Infos: www.zuriresortcoron.com
Basis-Kontakt und weitere Infos:
Veranstalter:
Sun & Fun Sportreisen
Tel. 089-20 80 76 162
Aquaventure Tauchreisen
Tel. 0511-690 999 00
www.aquaventure-tauchreisen.de
Preisbeispiel: 14 Tage/12 Nächte: Flug mit China Airlines ab/bis Frankfurt nach Manila, Inlandsflug Manila – Busuanga und retour, Transfer nach Coron, 12 Nächte im Zuri Resort im Superior Room mit Frühstück, 20 Bootstauchgänge inklusive Guide und Nitrox, (Treibstoffzuschläge auf die Bootsausfahrten je nach Distanz zwischen 12 und 25 Euro sind vor Ort zu bezahlen): ab 2.582 Euro pro Person im Doppelzimmer.
