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Vier Seen, vier Jahreszeiten: Tauchen rund um Reutte in Tirol

Tauchen im Tiroler Lechtal ist das ganze Jahr über möglich. Rund um Reutte bieten vier außergewöhnliche Seen je nach Jahreszeit völlig unterschiedliche Unterwassererlebnisse – von klaren Herbsttauchgängen bis zum Eistauchen im Winter.

Gerald Nowak
und weitere

Text: Gerald Nowak | Tauchen um und in Reutte Tirol

Das Tiroler Lechtal hat viele Facetten: wild-romantische Natur, steile Berghänge, zauberhafte Lechwiesen, kleine verwunschene Gewässer und urige Menschen. Der Lech hat über die Jahrhunderte unglaubliche Mengen an Kies Richtung Reutte getragen und besitzt, da der Mensch nur wenig eingegriffen hat, bis heute einen sehr natürlichen Lauf. Durch Kiesabbau entlang des Flusses sind mehrere kleine Gewässer und Tümpel entstanden, die durch unzählige Gebirgsbäche und das Quellwasser des Lechs außerordentlich klar sind. Einer dieser Seen ist der Lechausee, der mit Genehmigung betaucht werden darf.

Wer als Taucher ins Lechtal kommt, findet jedoch nicht nur abwechslungsreiche Tauchmöglichkeiten, sondern auch zahlreiche Aktivitäten über Wasser, die den Aufenthalt erholsam und vielseitig gestalten.

Gut zu wissen

Da in Österreich fast alle Gewässer in gemeindlicher oder privater Hand sind, ist es für Taucher nicht immer leicht, eine Tauchgenehmigung zu erhalten. Besonders in Tirol sorgen zahlreiche Interessengemeinschaften dafür, dass das Tauchen streng reguliert ist. Rund um Reutte gibt es dennoch einige spannende Gewässer. Tobias Heisler, der viele Jahre am Plansee tätig war, kennt sie bestens. Als der Pachtvertrag für den Urisee verfügbar wurde, übernahm er diesen und erhielt in den Folgejahren auch die Nutzungsgenehmigungen für weitere Seen. Mit seiner bayerisch-charmanten Art konnte er die zuständigen Behörden überzeugen, mehrere Gewässer unter seiner Verantwortung zu bündeln.

Schweres Gerät um Löcher für das Eistauchen zu sägen © Tobias Heisler

Besonders schwierig gestaltete sich die Genehmigung für den Lechausee, der über die Jahre immer wieder zeitweise für Taucher geöffnet und anschließend erneut gesperrt wurde. Am Plansee sind die Verhältnisse hingegen seit Langem klar geregelt, mit ausgewiesenen Tauch- und Schutzzonen. Neu als offizielles Tauchgewässer ist der Frauensee, der nordwestlich von Reutte auf knapp 1000 Metern Meereshöhe liegt und ebenfalls in kleinen Gruppen betaucht werden darf.

Stressfrei erkunden

Wer die Region besucht, kann die Seen in Absprache mit Tobias Heisler erkunden. Er vergibt die Tauchgenehmigungen oder organisiert diese für Gruppen und Einzeltaucher. Besonders beliebt sind Wochenendtouren, da sich von Freitag bis Sonntag alle vier Seen stressfrei erkunden lassen. Jeder See besitzt dabei seinen eigenen Charakter und ist je nach Jahreszeit unterschiedlich reizvoll. Wir haben die Gewässer im Laufe eines Jahres besucht und die jeweiligen Besonderheiten der einzelnen Saisons erlebt.

Die Tauchbasis von Tobias Heisler befindet sich direkt am Urisee unterhalb des ehemaligen Hotels, das heute als Laufhaus »Sextasia« genutzt wird. Tagsüber stehen dort zahlreiche Parkplätze zur Verfügung, die ausschließlich Tauchern und Hausgästen vorbehalten sind. An schönen Tagen sind die Parkmöglichkeiten weiter unten schnell ausgelastet, weshalb die Stellplätze an der Basis besonders geschätzt werden. Da Tobias Heisler nicht ständig vor Ort ist, empfiehlt es sich, die Genehmigungen frühzeitig per E-Mail oder telefonisch zu organisieren.

Der Urisee

Der Urisee überzeugt durch stabile Sichtweiten und eignet sich mit seinen fünf Übungsplattformen in unterschiedlichen Tiefen hervorragend für Ausbildungstauchgänge. Im Flachwasser finden sich dichter Bewuchs und verschiedene Fischarten. Für Tieftauchfans gibt es zudem eine kleine Steilwand, die bis auf etwa 30 Meter abfällt.

Die besten Jahreszeiten zum Tauchen sind Herbst und Winter. Im Frühjahr kann die Sicht abhängig von der Sonneneinstrahlung deutlich nachlassen, im Sommer gibt es nur wenige Tage mit außergewöhnlich klaren Bedingungen. Mit sinkenden Temperaturen im Herbst verbessert sich die Sicht kontinuierlich, bis im Winter Sichtweiten von über zehn bis 15 Metern keine Seltenheit sind.

Der Urisee im Winter. – © Jörg Lietzmann

Zu beachten ist der steile Abstieg zum See, da dieser in einer Senke liegt. Wer mit Trockentauchanzug, viel Blei oder Kameraausrüstung unterwegs ist, sollte die Ausrüstung besser in zwei Etappen transportieren.

Der Frauensee

Der Frauensee liegt eingebettet inmitten hoher Berge und beeindruckender Natur. Große Teichmuscheln und neugierige Fische prägen das Unterwasserbild. Im Sommer ist der See stark bewachsen und bietet hervorragende Lebensbedingungen für Fische, allerdings bei eingeschränkter Sicht. Im Herbst und Winter sind die Sichtweiten hingegen ausgezeichnet.

Bei starker Schneelage ist die Zufahrt nicht immer möglich, doch an vielen schneefreien Tagen kann problemlos bis zur Frauenstube gefahren werden. Vorsicht ist geboten, da zahlreiche Spaziergänger und Radfahrer unterwegs sind. Der Einstieg befindet sich hinter der Gaststätte direkt an der Straße, geparkt wird auf einem kleinen Kiesplatz in unmittelbarer Nähe.

Pause mit Jause – Brot- und deftige Wurstmahlzeiten stärken nach den Kaltwassertauchgängen.

Der See umfasst rund drei Hektar Wasserfläche und erreicht eine maximale Tiefe von etwa 40 Metern, wobei die schönsten Motive im Flachwasser bis etwa sechs oder sieben Meter zu finden sind. Zwischen den Tauchgängen lädt die Frauenseestube zum Einkehren ein. In größeren Gruppen besteht zudem die Möglichkeit zur Übernachtung.

Der Lechausee

Der ganzjährig klare Quellsee liegt auf etwa 800 Metern Meereshöhe und ist mit rund zwei Hektar Fläche vergleichsweise klein. Seine maximale Tiefe beträgt nur etwa fünf Meter. Dennoch bietet er spannende Begegnungen mit See- und Regenbogenforellen sowie Flusskrebsen, die sich gegenüber Tauchern wenig scheu zeigen.

Der Seegrund ist überwiegend von Algen und niedrigem Bewuchs bedeckt, weshalb ein besonders vorsichtiger Einstieg und ruhiges Flosseln notwendig sind. Bereits kleine Unachtsamkeiten können die Sicht erheblich beeinträchtigen. Zum Schutz des Gewässers ist die Zahl der Taucher pro Tag streng limitiert. Tobias Heisler kontrolliert die Einhaltung der Genehmigungen und bietet auf Wunsch geführte Tauchgänge an.

Im Winter werden bei ausreichend tragfähiger Eisdecke für erfahrene Taucher geführte Eistauchgänge angeboten. Lizenzierte Eistaucher können nach Vorlage ihres Brevets auch eigenständig tauchen. Wichtig ist zudem die Parkregelung: Fahrzeuge dürfen nicht direkt am See abgestellt werden. Es gibt eine ausgewiesene Entladezone im Nordosten sowie einen offiziellen Parkplatz oberhalb der Staatsstraße. Falschparken wird konsequent geahndet. Ausbildung ist am Lechausee strikt untersagt.

Der Plansee

Der Plansee ist der zweitgrößte See Tirols und liegt südwestlich des Ammersattels in einem landschaftlich eindrucksvollen Tal. Er zählt zu den besten Tauchseen der Region. Am östlichen Ufer, neben dem Sennalpe Campingplatz, betreibt Julia Zeller gemeinsam mit ihrem Mann William das Taucherhof Camp. Die Basis bietet Füllstation, Werkstatt und Aufenthaltsraum direkt am See.

Übernachtungsmöglichkeiten reichen von urigen Hütten über ein Baumhaus bis hin zum benachbarten Campingplatz. Im Sommer laden zahlreiche Freizeitangebote wie Wandern, Mountainbiken, Segeln oder Surfen zur Abwechslung ein. Unter Wasser erwarten die Taucher nicht nur Fisch und Krebse, sondern auch mehrere Wracks, darunter versunkene Schlitten, eine Kutsche und ein Segelboot.

Das Tauchercamp am Plansee bietet viel Zeit zum Entspannen und Relaxen.

Eistauchen ist am Plansee nur an vorab festgelegten Terminen möglich, wenn die Eisdecke stark genug ist und der See offiziell freigegeben wurde. Aufgrund wechselnder Winterbedingungen ist hierbei Flexibilität gefragt.

Fazit

Auch wenn die Anfahrt von München nach Reutte rund zwei Stunden dauert, lassen sich zwei Seen problemlos im Rahmen einer Tagestour betauchen. Noch entspannter ist jedoch ein mehrtägiger Aufenthalt, um alle vier Gewässer kennenzulernen. Lange Zeit war der Lechausee mein persönlicher Favorit, doch zuletzt hat es mir besonders der Frauensee angetan. Vor allem im Herbst entfalten die Seen ihren besonderen Reiz, wenn faszinierende Lichtstimmungen knapp unter der Oberfläche oder bei Splitaufnahmen entstehen.

Auch das Eistauchen am Urisee oder Lechausee ist ein beeindruckendes Erlebnis. Der Plansee bietet zu jeder Jahreszeit eine besondere Atmosphäre. Am angenehmsten ist das Tauchen unter der Woche, wenn es ruhig ist und nur wenige andere Taucher unterwegs sind. Sollte Tobias Heisler künftig auch noch eine Sondergenehmigung für die Sieglseen erhalten, wäre das Ensemble komplett.

Reiseinfos Tauchbasis Urisee und Region Reutte

Betreiber und Tauchbasis

Tobias Heisler taucht seit 2003 und verfügt über umfangreiche taucherische Qualifikationen. Er ist IDA TL3 seit 2013, absolvierte 2014 den Crossover zu VDST und SSI und führt die Basis heute als i.a.c. Divecenter.

Im Winter stehen mehrere Skigebiete und Rodelbahnen zur Verfügung, unter anderem die Rodelbahn Alter Gachtpass. Im Sommer lohnt sich ein Ausflug nach Füssen mit den Königsschlössern Hohenschwangau und Neuschwanstein. Wanderfreunde finden in der Region zudem zahlreiche Tourenvorschläge, etwa über Komoot.

Zur Erweiterung der Infrastruktur wurden 2022 und 2023 zusätzliche Büro- und Aufenthaltscontainer errichtet. Das Team besteht aktuell aus 13 Helfern und Unterstützern.

Tauchgebiet und Organisation

Die Basis eignet sich für Einzelpersonen, Buddy-Teams sowie kleine und größere Gruppen. Von hier aus lassen sich die Tauchspots Urisee, Lechausee, Frauensee, Plansee und Blindsee innerhalb kurzer Zeit erreichen.

© Tauchbasis Urisee

Eine Besonderheit ist das Logo der Tauchbasis Urisee: Es basiert auf einem geschnitzten Baumstamm namens »Michel«, der sich im See befindet. Der Stamm erhielt seinen Namen nach einem früheren Tauchlehrer namens Michael, der während seiner Zeit im damaligen Hotel das Gesicht eines bärtigen Mannes in das Holz schnitzte.

Hotels

■ Hotel Moserhof sowie das benachbarte Alpenhotel Ernberg, beide in unmittelbarer Nähe und nahe dem Dorfzentrum
■ Zur goldenen Rose, Dorfstraße 2, 6600 Lechaschau, zentral gelegen mit eigenen Parkplätzen

Tipps vom Autor

■ Alpenpart Singer, Apartments und Tiny Home in Ehrenbichl
■ Apartment Soyer, hochwertig und modern in Hofen
■ Sandi’s Ferienhaus, unterhalb des Frauensees in Lechaschau

Restaurant-Tipps

■ Hirschbachalm in Höfen, bodenständige Küche und freundlicher Service
■ Joyce, regionale und hausgemachte Küche mit asiatischem Einschlag
■ Ehrenbichler Alm, traditionelle Tiroler Küche in Höhenlage
■ Das Kaffee, modernes Café im Zentrum von Reutte
■ Musteralpe Plansee, uriges Haus mit eigener Käseproduktion
■ Ammerwald Alm, klassisches Tiroler Gasthaus auf dem Weg zum Schloss Linderhof

Weitere Aktivitäten abseits des Tauchens

Für Nichttaucher bietet die Region zahlreiche Wandermöglichkeiten, darunter Touren zur Dürreberger Alm und zu den Stuibenfällen. An kühleren Tagen empfiehlt sich ein Besuch der Therme Ehrenberg.

Kulturelle Highlights sind die Burgenwelt Ehrenberg mit der Ehrenberger Klause sowie die Geierwally Freilichtbühne in Elbigenalp.

Im Winter stehen mehrere Skigebiete und Rodelbahnen zur Verfügung, unter anderem die Rodelbahn Alter Gachtpass. Im Sommer lohnt sich ein Ausflug nach Füssen mit den Königsschlössern Hohenschwangau und Neuschwanstein. Wanderfreunde finden in der Region zudem zahlreiche Tourenvorschläge, etwa über Komoot.

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Über den Autor

Gerald Nowak ist Unterwasserfotograf und Autor und arbeitet seit vielen Jahren regelmäßig für das Magazin TAUCHEN. Seine Reportagen und Bildstrecken entstehen sowohl in tropischen Revieren als auch in heimischen und alpinen Gewässern. Neben der Fotografie liegt sein Schwerpunkt auf taucherisch fundierten Geschichten, Reiseberichten und praxisnahen Beiträgen, die er mit großer Erfahrung und sicherem Blick für starke Motive umsetzt.

Autor und Fotograf Gerald Nowak am Lechausee mit seinem Arbeitsgerät.