Titel der 10/18
Zu viel Blei im Jacket

Zu viel Blei im Jacket

Zu viel Blei

Viel Neopren, zu viel Blei, ein dunkles Gewässer und nur eine kleine Lampe fürs Buddyteam. Top-Zutaten für einen Fehlercocktail!

Auch in diesem Fall ist die Ursache der Probleme Verena Quiskamps die Kombination kleiner Fehler. Ungewöhnlich deutlich aber zeigt sich, wie zu viel Blei auch psychisch nach unten zieht. Verena Quiskamp erkennt bewusst oder unbewusst, dass sie Probleme hat. Das bringt sie in einen derartigen Stress, dass sie nicht mehr in der Lage ist, sich neutral zu tarieren. Dass sie diese Grundfertigkeit beherrscht, zeigt sie später während des 54 Minuten langen Tauchgangs im flachen Bereich. Aber der Reihe nach:

1Fotostory3Mein Buddy Rudolf empfiehlt mir eine zusätzliche Neoprenschicht und dazu satte zwölf Kilo Blei als Ausgleich. Er ist Tauchlehrer-Assistent, darum höre ich auf ihn.

 

 

 

 

 

2Fotostory3Schon im Flachbereich ist es recht düster.  Eine eigene Lampe habe ich nicht, und so bin ich auf das Licht aus Rudolfs kleiner, gelber Lampe angewiesen (Fehler 1).

 

 

 

 

3Fotostory3Das Blei zieht unangenehm nach unten, und ich muss den Inflator lange drücken, um den Abstieg zu stoppen (Fehler 2). Das Überdruckventil blubbert und ich steige wieder.

 

 

 

 

4Fotostory3Ich lasse darum etwas Luft ab und beginne zu sinken. Zu schnell, wie ich meine. Also fülle ich wieder Luft ins Jacket. Ein stetiges auf und ab (Fehler 3).

 

 

 

 

5Fotostory3Mit zunehmender Tiefe wird es rascher dunkel als erwartet. Ich fühle mich zunehmend unwohl. Mut macht mir nur der ziemlich kleine Lichtkegel von Rudolfs Lampe.

 

 

 

 

6Fotostory317 Meter Tiefe. Der Gurt zieht nach unten, das Jacket nach oben. Es ist schwer, in der Schwimmlage zu bleiben. Die aufkommende Angst beschleunigt meine Atmung.

 

 

 

 

7Fotostory3Rudolf nimmt eine Kompasspeilung. Dann streckt er die Hand in meine Richtung. Ich greife danach. Er schaut irritiert auf und zieht die Hand wieder zurück (Fehler 4).

 

 

 

 

8Fotostory3Ich merke, dass ich auf mich allein gestellt bin, schließe die Augen, atme tief und ruhig. Langsam werde ich ruhiger und signalisiere Rudolf, dass ich etwas aufsteigen möchte.

 

 

 

 

9Fotostory3Gott sei Dank bringt Rudolf uns schnell wieder ins Flache, wo es heller ist. Die Tarierpro­bleme habe ich jetzt im Griff. Nach 54 Mi­nuten tauchen wir ins Sonnenlicht zurück.

 

 

 

 

Unser Fazit

Fehler 1: Wenn es dunkel wird, sollte jeder Taucher eine ausreichend starke Lampe dabeihaben. Rudolfs Lampe aber ist nur eine Ersatzlampe. Wird es dunkler als erwartet, bleibt man im Tageslicht-Bereich oder bricht den Tauchgang ab. Ein Tauchlehrer-Assistent sollte das wissen.

Fehler 2: Spricht das Überdruckventil an, ist das sozusagen das letzte Warnzeichen dafür, dass man überbleit ist (oder natürlich dafür, dass das Ventil beschädigt ist). Wenn man nicht einen Teil des Bleis ablegen kann, ist das der Zeitpunkt für den Abbruch. Weitergetaucht werden darf erst nach einer Korrektur der Bleimenge!

Fehler 3: Verena Quiskamp berücksichtigt nicht, dass die eingeströmte Luft einen Moment braucht, um zu wirken. Wahrscheinlich eine Reaktion auf den Stress. Dadurch lässt sie zu viel Luft ein, die sie wieder ablassen muss.

Fehler 4: Wenn sich Angst breit macht, darf man durchaus mal Händchen halten. Die Hand wegzuziehen ist hier ungeschickt. Zur Beruhigung: Im Notfall kann Händchen halten einen Unfall vermeiden und ist kein Heiratsversprechen!

Zu guter Letzt: Wenn einem nicht wohl ist, lieber auf den Bauch hören als auf den Tauchlehrer-Assistenten. Abbrechen kann man jederzeit!