12_2018_tauchen

Betablocker (Literaturanfrage)

Ich habe in der Februar-Ausgabe 2008 von tauchen mit Erstaunen gelesen, gegen das Tauchen mit Betablockern bestünden keine generellen Bedenken (S. 133). Ich bin deshalb etwas irritiert, da ich meine, dass bisher neben der erwähnten Gefahr des Air-Trappings (Verkrampfen der Bronchien) auch die Gefahr von AV- und SA-Blockierungen (atrioventrikuläre und sino-atriale Herzrhythmusstörungen) bis hin zur Asystolie (Herzstillstand) in Verbindung mit dem Tauchreflex (starker Reiz des zehnten Hirnnervs (Vagus) mit verlangsamter Herzschlagfrequenz) gesehen wurde. Leider habe ich die diesbezügliche Literatur auf die Schnelle nicht gefunden. Vielleicht könnten Sie ein kurzes Statement geben?

Mich erstaunt es nicht, dass Sie auf die Schnelle keine dem widersprechende Literatur gefunden haben, da auch ein längeres Suchen, zumindest im Bereich der wissenschaftlichen Literatur, kein Ergebnis gebracht hätte. Es gibt sie nämlich nicht. Das, was zu finden ist, zeigt das genaue Gegenteil: Tatsächlich wurde vor genau 20 Jahren gezeigt, dass der Tauchreflex und die Einnahme von Betablockern kein Problem darstellen (Olsson G., Rehnqvist N., Ekman AM., "Responsiveness to diving reflex after acute myocardial infarction. Influence of early beta-adrenoceptor blocker therapy", Acta Med Scand. 1988; 223(5):431-5).
Die Einnahme von Betablockern war schon in den Richtlinien zur Tauchtauglichkeit der GTÜM von 1998 keine Kontraindikation und ist es auch heutzutage nicht. Diese Sicht ergibt sich auch aus den Tauchunfallstatistiken, die ebenfalls keinerlei Beleg dafür liefern, dass allein die Einnahme von Betablockern ein erhöhtes Risiko ausmache. Die von Ihnen geäußerten Bedenken im Hinblick auf bradycarde Rhythmusstörungen (zu langsamer Herzschlag) gelten als widerlegt. Das ist auch gut so, denn käme es zu den von Ihnen befürchteten Effekten, wäre nicht nur das Tauchen gefährlich, sondern schon das Schwimmen, das man dann allen Betablockierten verbieten müsste. Auch hier kommt es zum Eintauchen des Gesichts in (kaltes) Wasser, was den sogenannten Tauchreflex auslöst. Da aber beim Schwimmen (im Gegensatz zum Tauchen mit Gerät und Anzug) die Triggerpunkte nicht bedeckt sind, ist hier der auslösende Effekt sogar noch stärker.
Zusammengefasst: Die Einnahme von Betablockern stellt keine Kontraindikation gegen das Tauchen dar, wenn nicht die der Einnahme zugrunde liegende Grunderkrankung eine Kontraindikation darstellt.