Titel der 10/18

Deko-Unfall in der Schulter

Ich hatte an einem Sonntag unmittelbar nach einem Trimixtauchgang starke Schulterschmerzen, obwohl alles glattlief. Ich tauche sehr viel (100 Tauchgänge im Jahr) und im Regelfall tiefer als 40 Meter, fast immer mit Dekopausen – und bis dato hatte ich noch nie Probleme. Zu den starken Schulterschmerzen (nur rechts) gab es keine Begleiterscheinungen wie Juckreiz oder Hautrötungen. Ich bin Sportler, 30 Jahre alt, 190 Zentimeter groß, wiege 75 Kilo und tauche seit 22 Jahren. Nach dem Tauchgang habe ich 30 Minuten Sauerstoff geatmet, ohne dass eine Besserung eingetreten ist. Hatte ich eventuell einen Deko-Unfall oder handelte es sich eher um einen eingeklemmten Nerv? Die Beschwerden waren mittwochs nach drei Tagen abgeklungen.

Um gleich zum Punkt zu kommen: Ihre Frage ist nicht sicher zu beantworten. Ein ursächlicher Zusammenhang der von Ihnen geschilderten Schulterbeschwerden ist mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit mit dem Tauchgang und damit mit einer DCS (Dekompressionskrankheit) erklärbar und wäre auch nicht ungewöhnlich, auch wenn weitere, als typisch geltende Symptome fehlen. 
Ursächlich kann zum Beispiel die Kombination aus einem grenzwertigen Tauchgang mit einer akuten Empfindlichkeit im betroffenen Bereich sein, zum Beispiel als Folge einer sonst klinisch nicht auffälligen Reizung, Entzündung oder Überbeanspruchung der Schulter. Andererseits sind natürlich auch, so wie Sie es selbst ja ebenfalls ansprechen, tauchgangsunabhängige Ursachen möglich. Der eingeklemmte Nerv ist denkbar, wenn auch weniger wahrscheinlich, muskuläre Probleme sind ebenfalls möglich, zumal beim Trimix-Tauchen in der Regel (nicht zwingend, aber eben meist) mit erheblichen Gewichtsbelastungen durch die Ausrüstung zu rechnen ist. 
Vom Zeitverlauf (Tauchgang am Sonntag, Beschwerdefreiheit am Mittwoch) und vom Zeitintervall her bis zum Auftreten (unmittelbar nach dem Tauchgang; nur Schulter betroffen) ist eine DCS tatsächlich die wahrscheinlichste Diagnose – nur lässt sich das nicht sicher feststellen oder auch ausschließen. Sollte es sich tatsächlich um eine DCS gehandelt haben, so ist es wahrscheinlich (wenn auch nicht zwingend!), dass Sie auch in Zukunft nach tiefen und langen Tauchgängen erneut Beschwerden (sehr wahrscheinlich, wenn auch nicht zwingend!) wieder im Bereich der rechten Schulter bekommen. In dem Fall ist das nahezu der Beleg für das Vorliegen einer DCS. Leider gibt es keinen zwingenden Beweis für eine DCS – außer dass sich die Beschwerden bei einer Druckkammerbehandlung deutlich bessern. Ein "eingeklemmter Nerv" würde sich dabei nicht bessern.
In dem Fall sollten Sie nicht nur Sauerstoff atmen, wie Sie es ja richtigerweise gemacht haben, sondern sich auch in einem Druckkammerzentrum behandeln lassen. Außerdem sollten Sie spätestens dann in der Folge Ihr Tauchverhalten der neuen Situation anpassen und eher wieder konservativ tauchen. 
Beobachten Sie auch einmal im „normalen Leben“, unabhängig vom Tauchen, Ihre rechte Schulter. Bleibt sie hier völlig unauffällig und beschwerdefrei auch beim Werfen, Hanteln, Arbeiten, dann ist auch das ein Hinweis darauf, dass es eher eine DCS war.