Titel der 10/18

Druckausgleichsprobleme

Ich tauche seit vielen Jahren und habe eigentlich nie ernsthaftere Probleme mit meinen Ohren beim Druckausgleich gehabt. In der Regel genügt schon eine Bewegung mit dem Kiefer, um selbigen herbeizuführen. In den letzten Jahren jedoch gab es vereinzelt Situationen, bei denen ohne erkennbaren Anlass (Erkältung) Probleme beim Druckausgleich auftraten – insbesondere auch bei "Jojo-Tauchprofilen" zum Beispiel im Bereich von 5 bis 15 Metern. Da wir nun demnächst nach Ägypten in den Tauchurlaub fahren, würde ich das Thema gern mit einem echten und erfahrenen Taucharzt, der vielleicht auch die geeigneten Gerätschaften hat, besprechen. Können Sie mir einen Hinweis geben, welcher Facharzt in Berlin dafür besonders geeignet wäre?

 Im Grunde benötigen Sie keinen "besonderen Spezialisten", sondern nur einen guten HNO-Arzt. Und alles, was der tun muss, ist, eine Tubenfunktionsprüfung vorzunehmen. Sehr wahrscheinlich ist da dann aber alles in bester Ordnung – und dennoch kann es bei entsprechender Situation wieder zu Druckausgleichsproblemen kommen. Das ist nämlich völlig normal, insbesondere wenn Sie, wie berichtet, dies vor allem bei Tauchgängen mit häufigen Tiefenänderungen im flacheren Bereich erleben. Hier führen aufgrund der physikalischen Gegebenheiten schon relativ geringe Tiefenänderungen zu vergleichsweise starken relativen Druckveränderungen (im Gegensatz zur absoluten Druckveränderung, die ist linear) und damit zu relativ starken Volumenänderungen in gasgefüllten Hohlräumen wie zum Beispiel der Paukenhöhle (Gesetz von Boyle und Mariotte in der praktischen Anwendung).
Gerade bei denjenigen, die eigentlich leicht einen Druckausgleich hinbekommen (natürlich auch bei den anderen, die sind da nicht immun), führen diese häufigen Druckänderungen und die dabei eher lax durchgeführten Druckausgleiche zu einem nahezu immer nachweisbaren leichten Trommelfellbarotrauma, das aber symptomlos bleibt, und gleichzeitig auch zu einer Schwellung der Schleimhaut der Eustachischen Röhre. Diese Veränderungen führen dann zu einem erschwerten Druckausgleich. Es steckt daher mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nichts Organisches dahinter, wenn das Problem, wie von Ihnen berichtet, nicht ständig, sondern nur in besonderen Situationen auftritt. Die Schwierigkeiten erklären sich aus den physikalischen und physiologischen Zusammenhängen. In den Griff bekommen Sie das Problem am ehesten mit einem geänderten Tauchverhalten.  
Dennoch sollten und können Sie natürlich zunächst auch eine ärztliche Abklärung anstreben. Wie bereits erwähnt, eignet sich hier im Prinzip jeder gute HNO-Arzt – wenn der HNO-Arzt tauchmedizinisch erfahren ist, umso besser. Eine nach Postleitzahlen sortierte Liste mit Ärzten aller Fachrichtungen, die eine tauchmedizinische Weiterbildung absolviert haben, finden Sie auf der Homepage der GTÜM (Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin) unter www.gtuem.org. Einen bestimmten Arzt aus dieser Liste darf ich Ihnen aus standesrechtlichen Gründen nicht empfehlen.