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Tauchen mit Bluthochdruck – wann ist man wirklich tauchtauglich?

Bluthochdruck beim Tauchen – ein Risiko? In unserer Leser-Kolumne mit aqua med beantwortet Tauchmediziner Dr. Dr. Philipp Stahl eure Fragen zur Tauchtauglichkeit.

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In dieser gemeinsamen Serie von TAUCHEN und den Experten von aqua med beantwortet das Medical Board regelmäßig Leserfragen rund um das Thema Tauchtauglichkeit.

Bluthochdruck ist einer der häufigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Taucher sind davon betroffen – besonders jenseits des 50. Lebensjahres. Tauchen ist grundsätzlich möglich, jedoch nur bei stabil eingestelltem Blutdruck und nach tauchmedizinischer Untersuchung.

Hey Doc, bin ich damit tauchtauglich?

Leserfrage:
»Bei meiner Frau wurde Bluthochdruck festgestellt. Kann sie trotzdem mit in den nächsten Tauchurlaub fahren? Worauf müssen wir achten?«

Antwort von Dr. Dr. Philipp Stahl, stellvertretender medizinischer Leiter MHW / aqua med Medical Board:

Bluthochdruck: Ein häufiger Risikofaktor

Bluthochdruck, medizinisch arterielle Hypertonie genannt, betrifft in Deutschland mehr als die Hälfte aller Menschen über 50 Jahre. Er zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Herzschwäche.

Problematisch ist, dass Bluthochdruck oft lange keine Symptome verursacht. Umso wichtiger sind regelmäßige Kontrollen und eine stabile medikamentöse Einstellung – insbesondere für Taucher.

Tauchen mit unkontrolliertem Bluthochdruck – ein Risiko

Tauchen mit unkontrolliertem Bluthochdruck kann unter Wasser zu ernsthaften Komplikationen führen. Dazu gehören unter anderem:

  • Lungenödeme
  • Atemnot
  • Panikreaktionen

Auch eine sogenannte hypertensive Krise mit extrem hohen Blutdruckwerten (über 180 mmHg systolisch) kann auftreten. In solchen Fällen steigt das Risiko für schwere Komplikationen wie Hirnblutungen oder Herzprobleme deutlich.

Wann Tauchen mit Bluthochdruck möglich ist

Wird bei einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung ein erhöhter Blutdruck festgestellt, muss zunächst eine stabile medikamentöse Einstellung erfolgen.

Diese Einstellungsphase dauert in der Regel mehrere Monate. In dieser Zeit gilt man als nicht tauchtauglich.

Erst danach kann eine erneute tauchmedizinische Untersuchung erfolgen. Dazu gehören meist:

  • Belastungs-EKG
  • Kontrolle des Blutdrucks unter Belastung
  • allgemeine kardiologische Untersuchung

Sind diese Untersuchungen unauffällig, kann Tauchen grundsätzlich wieder möglich sein.

Wann Bluthochdruck gegen das Tauchen spricht

Eine Tauchtauglichkeit besteht in der Regel nicht bei:

  • Organschäden durch Bluthochdruck (z. B. Herzvergrößerung oder Herzschwäche)
  • instabil eingestelltem Blutdruck
  • bestimmten Medikamenten wie Betablockern, die die Herzleistung unter Belastung beeinflussen können

In solchen Fällen muss individuell entschieden werden, ob Tauchen dauerhaft möglich ist.

Welche Blutdruckmedikamente beim Tauchen möglich sind

Die meisten Antihypertensiva (außer Betablocker) gelten bei stabiler Einstellung als tauchsporttauglich – solange keine Nebenwirkungen wie Schwindel oder Müdigkeit auftreten. Achtung: In der Einstellungsphase kann das Reaktionsvermögen eingeschränkt sein – auch dann ist vom Tauchen abzuraten.

Fazit

Tauchen mit Bluthochdruck ist grundsätzlich möglich – allerdings nur unter klaren medizinischen Voraussetzungen:

  • stabil eingestellter Blutdruck
  • keine Organschäden
  • positive tauchmedizinische Untersuchung

Wer unsicher ist, sollte sich immer durch einen tauchmedizinisch erfahrenen Arzt untersuchen lassen.

Dr. Dr. Philipp Stahl, MHW/aqua med

Bluthochdruck: Ursachen und Risikofaktoren

• Übergewicht (Body-Maß-Index: BMI > 25)
• Metabolisches Syndrom
• zu wenig körperliche Bewegung
• erhöhter Kochsalzkonsum
• erhöhter Alkoholkonsum
• Rauchen
• Stress über längere Zeit
• Schlafapnoe-Syndrom

Mehr zum Thema »Tauchtauchglichkeit« findest du hier bei Aquamed.

Weitere Teile der Serie

Dieser Beitrag gehört zur Serie
»Hey Doc, bin ich damit tauchtauglich?«

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Stichwort: »Hey Doc«

Häufige Fragen: Bluthochdruck und Tauchen

Darf man mit Bluthochdruck tauchen?
Ja, grundsätzlich ist Tauchen mit Bluthochdruck möglich. Voraussetzung ist, dass der Blutdruck stabil eingestellt ist und eine tauchmedizinische Untersuchung keine Risiken zeigt.

Ist Bluthochdruck ein Ausschlussgrund für die Tauchtauglichkeit?
Nicht grundsätzlich. Problematisch wird Bluthochdruck, wenn er schlecht eingestellt ist oder bereits Organschäden wie Herzvergrößerung oder Herzschwäche verursacht hat.

Welche Blutdruckwerte sind für Taucher akzeptabel?
Für die Tauchtauglichkeit muss der Blutdruck unter Therapie stabil eingestellt sein. Extreme Werte oder starke Schwankungen gelten als Risiko und müssen medizinisch abgeklärt werden.

Welche Blutdruckmedikamente sind beim Tauchen erlaubt?
Viele blutdrucksenkende Medikamente sind mit dem Tauchsport vereinbar. Entscheidend ist, dass keine Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder Leistungseinbußen auftreten.

Warum kann Bluthochdruck beim Tauchen gefährlich sein?
Tauchen belastet Herz und Kreislauf zusätzlich durch Kälte, körperliche Anstrengung und erhöhten Umgebungsdruck. Unkontrollierter Bluthochdruck kann dadurch zu schweren Komplikationen führen.

Kann man während der Einstellung von Blutdruckmedikamenten tauchen?
Nein. Während der Einstellungsphase neuer Medikamente sollte nicht getaucht werden, da Nebenwirkungen auftreten können und der Blutdruck noch nicht stabil ist.