Titel TAUCHEN 02/2019
K. Amsler

K. Amsler © Barotrauma: Zu selten durchgeführte Druckausgleiche strapazieren die Ohren

Empfindliches Mittelohr

Leider habe ich jetzt schon im zweiten Jahr nacheinander eine Mittelohrentzündung im Tauchurlaub bekommen. Meine Ohrprobleme treten immer nach circa einer Woche auf, bei einem Tauchgang pro Tag. Sowohl im Roten als auch im Mittelmeer betrug die Durchschnittstiefe 18 Meter. Ab dem vierten Tauchgang hatte ich leichte Probleme beim Druckausgleich und ein Knacken im Ohr. Die Ärzte im Urlaub sprachen beide Male von Liquor hinterm Trommelfell. Eine Gehörgangsentzündung lag nicht vor. Mit Ibuprofen dauerte es jeweils rund drei Wochen, bis die Beschwerden verschwanden. Mein HNO-Arzt meint nun, dass ich tauchuntauglich sei. Er vermutet, dass der häufige Druckausgleich die Media Otitis auslöst. Können Sie mir einen Rat geben?

Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist die Diagnose korrekt, denn sowohl das Gefühl, Wasser oder Watte im Ohr zu haben, als auch die Diagnose „Flüssigkeit hinter dem Trommelfell“ ist charakteristisch für eine Barootitis – auf deutsch: „Mittelohrentzündung, hervorgerufen durch Druckunterschiede“.
Aber: Das, was da gesehen wurde, war hoffentlich nicht Liquor, denn das würde bedeuten, dass Sie einen Knochendefekt des Schädelknochens hätten, durch den das Nervenwasser des Gehirns (Liquor) austreten kann. Das, was die Ärzte dagegen mit sehr großer Sicherheit gesehen ha­ben, war eine ganz andere Flüssigkeit. Diese Flüssigkeit ist, wenn sie klar ist, „serös“, und wenn sie rötlich oder gar dunkelrot ist: Blut. Diese Flüssigkeit sammelt sich als Folge auf den Unterdruck in der Paukenhöhle (im Mittelohr). Sehr vereinfacht dargestellt ist das die Reaktion des Körpers auf den Unterdruck, wenn dieser sich anders nicht ausgleicht: Von den Zellen der Umgebung wird Flüssigkeit abgepresst (seröser Erguss). Ist der Unterdruck sehr stark, zerreißen auch kleine Blutgefäße und es blutet hinein.
Nun zum Tauchen: Die wahrscheinlichste Ursache für Ihr Problem sind viele kleine Barotraumen, die sich aufsummieren. Daher fürchte ich, dass Sie bei Ihrem HNO-Arzt etwas nicht richtig verstanden haben: nicht zu viele Druckausgleiche sind schuld, sondern eher zu wenige! Daher die Frage: Wie und wann machen Sie den Druckausgleich beim Tauchen? Dann, wenn Sie deutlich spüren, dass Sie den Druckausgleich machen müssen? Das ist eigentlich schon viel zu spät. Das, was Sie beschreiben, ist also am ehesten eine Art „Summationsbarotrauma“ oder eben eine Barootitis – eigentlich also ein Druckausgleichsproblem. Obwohl das die allerwahrscheinlichste Erklärung ist, lässt sich das auf die Entfernung nicht beweisen. Daher kann ich zu Ihrer Tauchtauglichkeit auch nichts sagen. Hier rate ich Ihnen, sich bei einem tauchmedizinisch sehr versierten HNO-Arzt ergänzend untersuchen zu lassen. Manche Universitäts-HNO-Kliniken haben zu diesem Zweck Spezialsprechstunden für Taucher eingerichtet.
Die derzeit zweifelsfrei führende Adresse ist die HNO-Klinik der Universität Heidelberg mit der vom Oberarzt Dr. Klingmann betreuten Heidelberger Tauchersprechstunde (Terminvereinbarung Tel. 06221/56 67 52). Weitere Infos und Erklärungen finden Sie auch auf der Hompage www.tauchersprechstunde.de