Titel der 10/18
T. Christ

T. Christ © Eine Thrombose verursacht Schmerzen

Kopfschmerzen durch Thrombose

Meine Frau hat seit Jahren recht oft starke Kopfschmerzen, und nun wurde beim Augenarzt eine Thrombose im linken Auge festgestellt. Nach 14-tägigem Spritzen beim Hausarzt mit Heparin ist das Auge zwar immer noch nicht ausgeheilt, wird aber besser. Die Aussage der Augenärztin von gestern: Tauchen ganz bleiben lassen. Die erste Aussage der Augenärztin war: Nach Ausheilen kann wieder getaucht werden. Eine Untersuchung bei einem Venenspezialisten steht noch aus. Wie schätzen Sie die Tauchtauglichkeit ein?

Ich muss Ihnen leider eindringlich vom Tauchen abraten. Die Gefährdung resultiert dabei aber nicht aus der Druckzu- oder -abnahme, da es sich beim Auge um ein flüssigkeitsgefülltes Organ handelt und Flüssigkeiten nicht den druckbedingten Volumenschwankungen unterliegen (Gesetz von Boyle und Mariotte). Das Problem ist ein ganz anderes: Beim Tauchen kann es durch Mikrobläschen, wie sie bei der Dekompression entstehen, zu vorübergehenden Durchblutungsstörungen des Auges kommen. Solche Vorgänge wurden bereits mehrfach durch Augenhintergrundspiegelungen beschrieben. Das mag dem gesunden Auge mit normaler Durchblutung egal sein, die Augen Ihrer Frau fänden das allerdings alles andere als lustig. Außerdem kommt es durch den Einfluss erhöhter Sauerstoffpartialdrücke, wie sie beim Tauchen auch bei der Atmung von Luft auftreten (Gesetz von Dalton), zu einer Vasokonstriktion (Gefäßverengung) der Netzhautgefäße. Auch das ist beim gesunden Auge egal, bei Ihrer Frau jedoch nicht. Wegen dieses Effekts nützt es Ihrer Frau auch gar nichts, zur Reduktion der möglichen Gasbläschen auf Nitrox umzusteigen, denn hier ist der Sauerstoffpartialdruck beim Tauchen noch höher. Zudem kommt es beim Tauchen  zu einer überschießenden Harnproduktion mit einer relativen Bluteindickung. Also auch etwas, was Ihre Frau nicht brauchen kann. Daher: Tauchen? Derzeit eindeutig nein, sorry!