Titel der 10/18

Pneumothorax

Im Februar 2006 spendete ich meiner Frau eine Niere. Bei der Operation ist es zu einer Verletzung des Gewebes rund um die Lunge (der Pleura?) gekommen, wodurch der linke Lungenflügel leicht zusammenviel. Daher wurde mir eine Thoraxdrainage gelegt und das Vakuum wider hergestellt. Auf den Rötgenaufnahmen, die nach der Behandlung gemacht wurden, ist zu sehen, dass die Lunge wieder voll entfaltet ist. Nun war ich gestern bei meiner Tauchtauglichleitsuntersuchung, die ich vor unserem Urlaub erneuern wollte. Der Internist und Tauchsportmediziner teilte mit mit, das zwar die Lunge kein Problem sei, wohl aber die Narbe der Thoraxdrainage. Da es nicht auszuschließen sei, dass sich an der Narbe Lufteinschlüße gebildet hätten, bestünde ein höheres Risiko, eine Ruptur und daraus resultierend einer Verletzung der Lunge bis hin zum Lungenriss zu erleiden.

Ich kann das Gespräch hier nur Laienhaft wieder geben, da mir natürlich die medizinische Ausbildung fehlt. Allerdings hatte man mir nach der Operation versichert, das ich absolut tauchtauglich wäre und ich nichts zu befürchten hätte. Was würden Sie mir raten?

Ihre Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten:
Grundsätzlich gilt, dass nach offizieller Ansicht ein Zustand nach traumatischem Pneumothorax (im Gegensatz zum Zustand nach sogenanntem Spontanpneu) bei guter Ausheilung und genügend langer Wartezeit (mindestens 3 Monate) keinen Ausschlussgrund vom Tauchen darstellt, weil die Ursache für den Pneu ja eben nicht die Lunge, beziheungsweise eine angeborene oder erworbene Schwachstelle der Lunge war. Somit ist die Gefahr eines erneuten Pneus eher gering. Und damit ist eigentlich schon geantwortet: Es war traumatisch, es ist länger als drei Monate her, und der Allgemeinzustand ist gut.

Meine persönliche Meinung ist da etwas verhaltener und geht mit der Sicht Ihres Arztes konform, weil es im Rahmen des Geschehens sicher zu Vernarbungen im Bereich des Lungengewebes, unter Umständen auch im Bereich der Pleura gekommen sein wird. Narbengewebe hat eine gewisse Schrumpfungstendenz, so dass Zug auf umliegendes Gewebe ausgeübt wird, was unter Umständen zu einer Schwächung dieses Gewebes führen kann. Dies kann nun theoretisch dazu führen, dass in diesen Bereichen geringere Druckdifferenzen ausreichen, um zu einem pulmonalen Barotrauma zu führen.
Sei es wie es sei, prinzipiell dürfen Sie bei unauffälligen Befunden tauchen, haben aber möglicherweise ein leicht erhöhtes Risiko für ein pulmonales Barotrauma. Daher sollten Sie Ihr Tauchverhalten entsprechend anpassen und insbesondere auf die Aufstiegsgeschwindigkeit achten.
Außerdem ist empfohlen, vor Aufnahme des Tauchsports zumindest eine umfassende Lungenfunktionsprüfung vornehmen zu lassen und idealerweise möglichst auch ein hochauflösendes Spiral-CT der Lunge, um offensichtliche Befunde auszuschließen.