12_2018_tauchen

TIA

Mein Freund hatte vor ein paar Tagen eine transitorische 
ischämische Attacke (TIA; eine vorübergehende neurologische Ausfallerscheinung, Anm. d. Red.). Bleibende Schäden hat er keine davongetragen. Im April möchten wir nach Ägypten zum Tauchen fahren. Meine Frage ist, ob er weiterhin Tauchen darf oder nicht? Gibt es eine maximale Tiefenempfehlung für ihn? Leider konnte uns die behandelnde Ärztin im Krankenhaus auf diese Fragen keine Antwort geben. Verordnet wurden ihm die nachfolgenden Medikamente: "ASS cadio" (100 mg; eine Tablette morgens), "Lisopril" (5 mg; eine halbe Tablette morgens) und "Simvasin" (40 mg; eine Tablette abends).

Leider muss ich Ihrem Freund derzeit gemäß den aktuellen Empfehlungen der deutschsprachigen Fachgesellschaften GTÜM (Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin) und ÖGTH (Österreichische Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin) vom Tauchen abraten. Es ist zwar grundsätzlich möglich, dass nach einem längeren symptomfreien Zeitraum das Tauchen wieder unkritisch gesehen werden kann, der Zeitraum bis April ist jedoch zu kurz. In den Empfehlungen (Stand 2009) steht: "Nach kürzlich stattgehabtem Schlaganfall oder einer TIA gilt auch bei Sporttauchern ein absolutes Tauchverbot. Liegt das Ereignis viele Jahre zurück, kann die Tauchtauglichkeit wieder gegeben sein."

Zunächst müsste zudem eine gründliche neurologische und internistische Abklärung erfolgen, um die Rezidivgefahr abzuschätzen. Eine Tiefenbegrenzung ist in diesem Fall übrigens nicht sinnvoll, weil die Erhöhung des Umgebungsdrucks ja keine Kompression des menschlichen Körpers nach sich zieht und auch keinen Einfluss auf das Schlaganfallrisiko hat. Es ist vielmehr anders herum: Eine wiederholte TIA beim Tauchen kann mit einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit zu einem auch tödlichen Unfall unter Wasser führen. Daher ist die empfohlene Wartezeit so lang wie oben dargestellt, und deshalb wird ein Zeitraum von knapp sechs Monaten als zu kurz angesehen. 

Es tut mir leid, nichts Erfreulicheres mitteilen zu können, möchte aber auch noch einmal auf die gründliche Ursachenabklärung hinweisen, die ich Ihrem Freund (wenn nicht schon geschehen) dringend ans Herz legen möchte.