Arm im schwarzen Neoprenärmel unter Wasser, am Handgelenk der gelb-schwarze Cressi DaVinci mit Anzeige 3,4 Meter Tiefe, Nullzeit 9:58 und Tauchzeit 21 Minuten, dahinter Fische über einer versunkenen Struktur
Computer Technik

Cressi DaVinci im Test: Kaufempfehlung für alle ohne Trimix-Pläne

Wenn ein Produkt bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart die Bestell-Listen sprengt, soll das etwas heißen. Wir sind mit dem neuen Verkaufsschlager von Cressi abgetaucht: acht Tauchgänge lang, mit Farbdisplay, digitalem Kompass und bis zu vier Nitrox-Gasen. Das Urteil: eine Kaufempfehlung für alle Sporttaucher, die nicht gleich im nächsten Jahr mit Trimix auf Tiefenjagd gehen wollen.

Alexander Kaßler, Cressi, ChatGPT (KI-Illustration)

Geeignet für

  • ambitionierte Sporttaucher, Tauchlehrer und Vieltaucher, die moderne Funktionen wünschen, ohne in die Preisregion hochspezialisierter Technical-Diving-Computer vorzudringen
  • Kaltwasser- und Trockentaucher, die das serienmäßige Bungee-Kit freuen dürfte
  • weniger für alle, die gleich im nächsten Jahr mit Trimix auf Tiefenjagd gehen wollen

Mit dem DaVinci erweitert Cressi sein Portfolio um einen modernen Tauchcomputer, der die Lücke zwischen einfachen Einsteigermodellen und komplexen Technical-Diving-Rechnern schließen soll. Farbdisplay, Bluetooth-Konnektivität, Bühlmann-Algorithmus und Multi-Gas-Funktionalität gehören inzwischen zum Pflichtprogramm vieler aktueller Geräte. Entscheidend ist daher nicht allein die Ausstattung, sondern wie alltagstauglich und intuitiv diese umgesetzt wurde. Genau hier setzt der DaVinci an. Alexander Kaßler hat ihn für TAUCHEN acht Tauchgänge lang getestet.

KI-generierte Illustration im Stil von Leonardo-da-Vinci-Skizzen: Zwei gezeichnete Hände zeigen auf einen stilisierten Cressi DaVinci, dahinter Konstruktionsskizzen auf altem Papier; kein reales Foto
KI-generierte Illustration, keine Aufnahme eines realen Geräts: das Aufmachermotiv aus TAUCHEN 08/26. Illustration: ChatGPT

Optik und Konzept

Der DaVinci präsentiert sich als klassischer Armbandcomputer mit einem Gehäuse von 56 x 60 Millimetern. Mit knapp 29 Millimetern Bauhöhe fällt er zwar deutlich größer aus als eine Taucheruhr, bleibt aber kompakter als viele technische Großdisplays. Im Praxiseinsatz erweist sich das als Kompromiss zwischen guter Ablesbarkeit und Tragekomfort. Das gummierte Gehäuse wirkt robust und schützt den Computer zuverlässig vor den Belastungen des Tauchalltags. Positiv fällt auf, dass Cressi bereits ab Werk einen Displayschutz montiert. Erhältlich ist der DaVinci in den Farben Blau, Gelb und Grau.

Cressi DaVinci in Gelb-Schwarz von vorn auf weißem Grund, mit zwei geriffelten Bedientasten und aufgesetztem transparentem Displayschutz
Zwei griffige Tasten und ein bereits installierter Kunststoff-Displayschutz. Foto: Alexander Kaßler

Kenner des Marktes werden beim ersten Blick auf den DaVinci unweigerlich an den Aqua Lung i330R erinnert. Der Eindruck täuscht jedoch teilweise. Cressi verwendet im DaVinci den heute weit verbreiteten Bühlmann ZHL-16C-Algorithmus inklusive individuell einstellbarer Gradientenfaktoren. Hinzu kommen ein integrierter digitaler Kompass und das serienmäßig mitgelieferte Bungee-Kit. Damit positioniert sich der DaVinci trotz der offensichtlichen optischen Ähnlichkeiten als moderne Alternative. Ob beide Modelle auf einer ähnlichen Hardware-Plattform basieren, lässt sich anhand öffentlich verfügbarer Informationen nicht eindeutig belegen. Fest steht, dass der DaVinci bei Software und Funktionsumfang eigene Akzente setzt.

Drei Cressi DaVinci nebeneinander in den Farbvarianten Grau, Blau und Gelb, alle mit Tauchanzeige
Den DaVinci gibt es in drei verschiedenen Farbvarianten. Foto: Cressi

Herzstück des Computers ist das 1,54 Zoll große TFT-LCD-Farbdisplay. Die Darstellung nutzt bis zu 15 Farben und setzt auf eine klare visuelle Hierarchie. Tiefe, Nullzeit und weitere sicherheitsrelevante Informationen werden groß und kontrastreich dargestellt, während Farbcodierungen die Orientierung erleichtern. Dadurch lassen sich die wichtigsten Daten auch unter Wasser schnell erfassen.

Modi und Gase

Bei der Dekompressionsberechnung setzt Cressi auf den weit verbreiteten Bühlmann ZHL-16C-Algorithmus. Damit orientiert sich der Hersteller an einem Standard, der heute von zahlreichen namhaften Herstellern genutzt wird. Für viele Taucher ist dies ein Vorteil, da sich die Berechnungen innerhalb eines Buddy-Teams besser vergleichen lassen. Der Konservatismus des Algorithmus lässt sich individuell anpassen. Zudem stehen Gradientenfaktoren zur Verfügung, wodurch erfahrene Taucher die Dekompressionsberechnung auf ihre persönlichen Bedürfnisse abstimmen können. Auch Sicherheits- und Tiefenstopps können aktiviert oder deaktiviert werden.

Hand hält den Cressi DaVinci vor eine Wiese an einem See, das Display zeigt Datum, Uhrzeit, Höhenstufe SEA, 24 Grad, maximalen PPO2 von 1,40 und OXTOX 0 Prozent
Über Wasser zeigt der DaVinci unter anderem Datum, Uhrzeit, Höhenstufe, Temperatur und den eingestellten maximalen Sauerstoff-Partialdruck. Foto: Alexander Kaßler

Der DaVinci bietet die drei klassischen Betriebsarten: Air, Nitrox und Gauge. Im Nitrox-Modus lassen sich Sauerstoffanteile zwischen 22 und 99 Prozent einstellen. Insgesamt können bis zu vier verschiedene Gasgemische bei einem Tauchgang verwaltet werden, was dem Computer zusätzliche Flexibilität für anspruchsvollere Sporttauchgänge verleiht. Damit bewegt sich der DaVinci bereits deutlich über dem Niveau eines typischen Einsteigergeräts, bleibt aber klar im Bereich des ambitionierten Sporttauchens.

Digitaler Kompass

Ein weiteres Ausstattungsmerkmal ist der integrierte digitale Kompass. Er unterstützt sowohl die Anzeige von Kursen als auch Gegenkursen und erleichtert damit klassische »Hin-und-Zurück«-Navigation. Besonders gelungen ist die Möglichkeit, die Kompassinformationen direkt in die Hauptansicht einzublenden. Dadurch bleiben Tiefe, Nullzeit und Kurs gleichzeitig sichtbar, ohne zwischen verschiedenen Bildschirmen wechseln zu müssen.

Hand hält den Cressi DaVinci unter Wasser vor grünen Wasserpflanzen, das Display zeigt die Kompassrose mit Kurs 355 Grad sowie Stoppuhr 15:29 und Tiefe 2,0 Meter
Die rechte Taste lang gedrückt – und schon ist man im Kompass-Modus. Foto: Alexander Kaßler

Bluetooth und DiveSync-App

Die Bluetooth-Schnittstelle verbindet den DaVinci mit der kostenlosen Cressi DiveSync-App für Android und iOS. Hier zeigt sich einer der größten Praxisvorteile des Systems. Einstellungen lassen sich deutlich komfortabler am Smartphone vornehmen als über die beiden Bedientasten am Gerät. Darüber hinaus können Tauchgänge übertragen, detailliert ausgewertet und langfristig archiviert werden. Während der interne Speicher etwa 60 Tauchgänge aufzeichnet, bietet die App praktisch unbegrenzten Platz für die persönliche Tauchhistorie.

Vier Screenshots der DiveSync-App: Geräteübersicht mit Log-Statistiken, Tiefenprofil, Tauchgangsdaten und Gasdetails mit Flaschensymbol
Mit der DiveSync-App können Computerparameter geändert und Tauchgangsdaten detailliert ausgelesen werden. Der Reiter »Gasdetails« zeigt, dass die App noch mehr kann. Laut Cressi ist aber keine Luftintegration vorgesehen. Screenshots: Alexander Kaßler

Akku statt Batteriewechsel

Cressi verzichtet beim DaVinci auf eine Wechselbatterie und setzt stattdessen auf einen integrierten Akku, der über USB-C (Adapter inklusive, Ladekabel nicht im Lieferumfang) geladen wird. Laut Hersteller sind bei maximaler Displayhelligkeit rund 30 Tauchstunden pro Ladung möglich. Für typische Urlaubswochen oder Clubtauchgänge ist dies mehr als ausreichend. Ein erfreuliches Detail ist die Anzeige des Ladezustands in Prozent. Diese liefert deutlich präzisere Informationen als die oft üblichen Balkenanzeigen.

Finger halten den aufsteckbaren Ladeadapter mit vier Kontakten neben die Rückseite des Cressi DaVinci mit Bungee-Schnur
Geladen wird per USB-C-Adapter. Das Ladekabel muss man selbst mitbringen. Foto: Alexander Kaßler

Details und Sicherheit

Ein Ausstattungsmerkmal, das man in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich erwarten darf, ist das serienmäßige Bungee-Kit. Neben dem langen Silikonarmband liefert Cressi elastische Bungees inklusive passender Inbusschlüssel mit. Gerade bei Trockentauchanzügen oder dicken Nassanzügen spielen Bungees ihre Vorteile aus. So entfällt das eventuelle Nachjustieren unterschiedlicher Armbandlängen für verschiedene Kälteschutzsysteme.

Cressi DaVinci mit montiertem Bungee neben dem abgenommenen langen Silikonarmband und einem Beutel mit Inbusschlüsseln auf hellem Grund
Wir haben umgebaut: Im Lieferumfang ist ein Bungee-Armband enthalten. Die Montage ist einfach und schnell selbst gemacht. Foto: Alexander Kaßler

Der DaVinci verfügt über akustische Warnsignale für alle wichtigen Situationen während des Tauchgangs. Dazu gehören Hinweise bei zu hoher Aufstiegsgeschwindigkeit, beim Erreichen voreingestellter Tiefengrenzen, bei Dekompressionspflichten sowie bei Überschreitung eingestellter Sauerstoff-Partialdrücke. Die Alarme ergänzen die optischen Anzeigen und erhöhen die Wahrnehmbarkeit wichtiger Informationen.

Fazit

Mit dem DaVinci ist Cressi ein ausgewogenes Gesamtpaket gelungen. Der Computer kombiniert ein modernes Farbdisplay mit dem bewährten Bühlmann-ZHL-16C-Algorithmus, Bluetooth-Konnektivität und Multi-Gas-Funktionalität. Die App-Anbindung erhöht den Bedienkomfort deutlich, während das serienmäßige Bungee-Kit vor allem Kaltwasser- und Trockentaucher freuen dürfte. Der DaVinci richtet sich klar an ambitionierte Sporttaucher, Tauchlehrer und Vieltaucher, die moderne Funktionen wünschen, ohne in die Preisregion hochspezialisierter Technical-Diving-Computer vorzudringen. Mit den Gradientenfaktoren und integriertem Kompass setzt Cressi eigene starke Akzente in dieser Preisklasse. Der einzige echte Verzicht betrifft die fehlende Luftintegration. Im Protokoll (Logbuchdaten) der App wurde allerdings schon an diese Option gedacht. Vielleicht kommt da ja noch etwas?!

»Mein ganz persönlicher Eindruck«

Acht Tauchgänge lang durfte mich der DaVinci begleiten. Kleine Randnotizen: Ich würde das Bungee nutzen, da sich der Rechner im Kompass-Einsatz so auch auf dem Handrücken positionieren lässt. Der bereits montierte Display-Schutz tut, was er soll, neigt aber zu Reflexionen.

Cressi DaVinci unter Wasser in türkisgrünem See, von oben fällt helles Sonnenlicht ein, das Display spiegelt und ist kaum zu erkennen
Der ab Werk montierte Displayschutz neigt zu Reflexionen. Foto: Alexander Kaßler

Seit meiner Frischlingszeit im Tauchbetrieb bin ich Fan unkomplizierter Gerätschaften, die das tun, wofür sie gemacht sind. Vor 20 Jahren spielte Farbe noch keine Rolle. Da ging es darum, einfach bedienbare und gut ablesbare Rechner am Arm zu haben. Sicher, zuverlässig, solide und kompatibel. Und das ist heute noch so. Und damit trifft der DaVinci genau mein Beuteschema. Im Vergleich zu damals ist er mit den vier berechenbaren Gasen, dem digitalen Kompass und der Bluetooth-Anbindung natürlich ein Quantensprung. Ganz zu schweigen von der Auflösung der Anzeige. Und so ist er im Feld seiner heutigen Mitbewerber ein grundsolides Einstiegsmodell zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Klar, mehr Funktionen und Größe geht immer. Es kostet dann aber auch umso mehr. Daher: Daumen hoch und eine Kaufempfehlung meinerseits für alle Sporttaucher, die nicht gleich im nächsten Jahr mit Trimix auf Tiefenjagd gehen wollen.

Plus und Minus

Plus:

  • sehr gut aufgeteiltes TFT-Farbdisplay
  • Bühlmann ZHL-16C-Algorithmus mit einstellbaren Gradientenfaktoren
  • Verwaltung von bis zu vier Nitrox-Gasen
  • Bluetooth-Anbindung und komfortable App-Steuerung
  • digitaler Kompass
  • Bungee-Kit bereits im Lieferumfang

Minus:

  • keine drahtlose Luftintegration

Technische Daten

HerstellerCressi
ModellDaVinci
TypArmbandcomputer
Gehäuse56 x 60 Millimeter, knapp 29 Millimeter Bauhöhe
FarbenBlau, Gelb, Grau
Display1,54 Zoll TFT-LCD-Farbdisplay
AlgorithmusBühlmann ZHL-16C mit einstellbaren Gradientenfaktoren
ModiAir, Nitrox, Gauge
Gasebis zu vier Nitrox-Gemische (22–99 % O2)
Sauerstoff-Partialdruckeinstellbar von 1,0 bis 1,6 (laut Cressi)
Kompassdigital integriert
Akkuwiederaufladbar via USB-C
Laufzeitca. 30 Tauchstunden (laut Hersteller bei maximaler Displayhelligkeit)
KonnektivitätBluetooth, DiveSync-App
Speicherca. 60 Tauchgänge
Luftintegrationnein
LieferumfangSilikonarmband, Bungee-Kit mit Inbusschlüsseln, Displayschutz, USB-C-Ladeadapter; kein Ladekabel
VertriebCressi-Tauchsport-Fachhandel
Preis (UVP)329 Euro (Stand: TAUCHEN 08/26)
Webcressi.com

Häufige Fragen

Was kostet der Cressi DaVinci?

Die unverbindliche Preisempfehlung lag laut TAUCHEN-Ausgabe 08/26 bei 329 Euro. Vertrieben wird er über den Cressi-Tauchsport-Fachhandel.

Welchen Algorithmus nutzt der DaVinci?

Bühlmann ZHL-16C. Der Konservatismus lässt sich anpassen, außerdem stehen Gradientenfaktoren zur Verfügung.

Wie viele Gase kann der DaVinci verwalten?

Bis zu vier Gasgemische pro Tauchgang. Im Nitrox-Modus lassen sich Sauerstoffanteile zwischen 22 und 99 Prozent einstellen. Trimix gehört nicht zum Funktionsumfang.

Hat der DaVinci eine Luftintegration?

Nein. Laut Cressi ist auch keine vorgesehen, im Logbuch der App wurde die Option allerdings schon angelegt.

Wie lange hält der Akku?

Laut Hersteller sind bei maximaler Displayhelligkeit rund 30 Tauchstunden pro Ladung möglich. Geladen wird per USB-C, der Adapter liegt bei, ein Ladekabel nicht.

Ist das Bungee im Lieferumfang?

Ja. Neben dem langen Silikonarmband liefert Cressi elastische Bungees inklusive passender Inbusschlüssel mit.

Dieser Artikel erschien in TAUCHEN-Ausgabe 08/26 und wurde für die Webfassung redaktionell angepasst.

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