Sie wollen unsere Meere retten – Sea Shepherd

Sie wollen unsere Meere retten – Sea Shepherd © Sea Shepherd

Im Einsatz fürs Meer – Zu Besuch bei Sea Shepherd

Francois van Sull – Als der Belgier von der Sea Shepherd Conservation Society zum Second Officer der „Sharpie“ ernannt wurde, ging ein Lebenstraum in Erfüllung. In der Sea of Cortez schützt er im Rahmen der Operation Milagro bedrohte Arten, bekämpft Wilderer und beseitigt deren illegale Netze.

Francois van Sull Foto: Sea Shepherd

Ich bin noch nicht lange auf dem Meer unterwegs, weil ich meine Kindheit und Jugend im Herzen Belgiens verbracht habe. Aber Plastik ist überall, und je näher man der Küste kommt, umso massiver wird das Problem. Das ganze Ausmaß wurde mir jedoch erst bewusst, als ich mich Sea Shepherd als Crewmitglied auf der „Sharpie“ anschloss. Auf See vergeht kein Tag, an dem wir nicht im Meer treibendes Plastik sehen. Es ist erschütternd. Als wir im Februar 2018 von Panama nach San Felipe in Mexiko fuhren, brach es mir das Herz zu sehen, dass es das Meer, wie wir es uns vorstellen (mit Fischen, Delfinen, Schildkröten, Walen und Rochen, die im klaren, blauen Wasser schwimmen) so nicht mehr gibt. Die Verschmutzung ist einfach überwältigend.

Eine der bekanntesten Initiativen, um dieses Problem zu bekämpfen, ist der Ruf nach einem Verbot von Einwegplastikprodukten wie Strohhalmen. Immer mehr Menschen werden sich des Problems bewusst, und das ist gut so, weil genau diese Produkte, auf die wir leicht verzichten können, eine riesige Bedrohung für die Meere darstellen. Aber wir können noch viel mehr tun! Eine aktuelle Studie von einer Gruppe von Wissenschaftlern in Zusammenarbeit mit dem Projekt The Ocean Cleanup hat gezeigt, dass Plastikstrohhalme gerade mal 0,03 Prozent des Plastiks im Meer ausmachen, verlorene Fischernetze (die meisten davon illegal) hingegen 46 Prozent. Auch darauf müssen wir unser Augenmerk richten. Jeder Einzelne kann einen großen Beitrag dazu leisten, die Verschmutzung der Meere durch Plastik zu reduzieren, indem er seinen Fischkonsum einschränkt oder idealerweise gar keinen Fisch mehr isst.

Ich habe mich dazu entschieden, beide Kämpfe auszufechten. Ich bin stolz darauf, ein Teil der Operation Milagro zu sein, eine Kampagne der Sea Shepherd Conservation Society in der Sea of Cortez vor der Küste Mexikos, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das dortige Meeresschutzgebiet der Vaquitas zu schützen. Wilderer legen illegale Netze aus, um die bedrohte Fischart Totoaba zu fangen, deren Schwimmblase auf dem Schwarzmarkt in China verkauft wird. Sea Shepherd arbeitet daran, diese Netze zu entfernen und zu recyceln, um alle Spezies, die in diesem pulsierenden, marinen Ökosystem leben, zu schützen. Auch die Vaquita, eines der am stärksten bedrohten Säugetiere der Welt.

Plastik bringt die Meere um. Und in Anbetracht der Menge an Plastik, die es weltweit gibt, ist die Behebung des Problems eine große Herausforderung. Obendrein ist Plastik gleich doppelt bedrohlich, weil es zu Mikroplastik zersetzt wird, das Auswirkungen auf das gesamte Leben im Meer hat und sogar in die menschliche Nahrungskette gelangt. Sea Shepherd hat sich an einer Studie zu Mikroplastik beteiligt, um herauszufinden, wie es das endokrine System der Finnwale durch Mikroplastik beeinflusst. Wir haben viel Arbeit vor uns, aber so lange es Menschen gibt, die kämpfen, gibt es auch Hoffnung. Ich werde weiterkämpfen, um die Meere sauberer und weniger gefährlich für ihre unglaubliche Artenvielfalt zu machen. Und um zu wissen, dass ich etwas unternommen habe. Dass ich etwas bewegt habe.

In aller Welt aktiv

Unermüdlich kämpft die 1977 von Paul Watson gegründete Sea Shepherd Conservation Society aktiv um den Erhalt der Meere und gegen deren Ausbeutung. Die Whale Defense Campaign etwa richtet sich gegen japanische Flotten, die nach wie vor in der Southern Ocean Whale Sanctuary wildern, obwohl Walfang in dem Schutzgebiet explizit von der International Whaling Commission (IWC) verboten ist. Mit der Operation Bloody Fjords kämpft die Organisation vor den Färöer-Inseln gegen das alljährliche Grindadráp, bei dem im Namen der Tradition Hunderte Grindwale gejagt und abgeschlachtet werden (Foto unten). Die Perkunas Campaign will die Ausrottung des vom Aussterben bedrohten Schweinswals in der Ostsee verhindern. Zwar sind die Tiere, von denen es nur noch rund 500 gibt, auf dem Papier geschützt, sterben aber als Beifang in riesigen Fischernetzen. 

Mit der Operation Bloody Fjords kämpft die Organisation gegen das traditionelle Abschlachten hunderter Grindwale vor den Färöer-Inseln. Foto: Sea Shepherd

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