Aus Fehlern lernen Praxis Wissen

Aus Fehlern lernen: Mitgenommen

Alexander Kassler

T Michael Lange 

Seit nunmehr neun Jahren fliege ich nach Ägypten zum Sonne tanken und Tauchen. Da meine Ehefrau nicht taucht und wir uns dort mit meinen Eltern treffen, stehen »nur« Hausriff-Tauchgänge (etwa 30 Stück) im Logbuch. Es gibt die Lagune, das Nord- und das Südriff, alle habe ich regelmäßig betaucht. Auch allein im Buddy-Team. Ich bin AOWDler mit insgesamt 198 TG. 

Ende März in diesem Jahr war es bei der Anreise sehr stürmisch, das Meer sehr aufgewühlt und es herrschte Tauchverbot. Nach zwei Tagen ging es dann endlich endlich ins Wasser. Zunächst nur in die Lagune. Einen Tag später war ein begleiteter Tauchgang am Nordriff angesetzt. Der Guide hatte zwei OWDler bei sich, ich tauchte mit einer jungen Frau, Cindy (AOWD mit 51 TG) aus den Niederlanden im Buddy-Team. Alles passte; die Verständigung unter Wasser, das Fotografieren, der Luftverbrauch. Die OWDler hatten einen hohen Luftverbrauch, sodass wir alles zusammen relativ früh das Wasser verließen. 

Am nächsten Tag sollte wieder ein begleiteter Tauchgang am Nordriff stattfinden. Diesmal mit Discover-Scuba-Divern auf maximal acht Metern. Nach Absprache mit dem Guide, klinkten Cindy und ich uns aus und beschlossen allein zu tauchen. Wir wollten beide, sofern es die Strömung und Sicht zuließen, ans Südriff tauchen. Unter Wasser gaben wir uns das OK-Zeichen für das Südriff. Anfangs blieben wir auf etwa 12 Meter, Riff rechte Schulter. Die Sicht war mit fünf Metern halbwegs akzeptabel. Nach 15 Metern geht es über das Plateau und dann nach rechts in die Bucht. Als Cindy 110 bar anzeigte, kehrten wir um. Die 

Sicht wurde schlagartig schlechter, nur noch zwei, drei Meter. Wir beschlossen aufgrund fehlender Orientierung den Safety-Stop, tauchten auf und staunten nicht schlecht. Der Steg ist mindestens 400 Meter entfernt, das Meer wellig. So schwammen wir in Rücklage mit aufgeblasenem Jacket zurück. Dabei drückte uns die Oberflächenströmung gefährlich nah an das Hausriff. Ein Abtauchen wollte nicht mehr klappen. So schwimmen wir Hand in Hand zum Steg, völlig außer Atem. Dort wurden wir dann mit erstauntem Blick von den Boys empfangen und von unserem Gerödel erleichtert. 

Mein Fazit: Alles ist noch einmal gut ausgegangen. Bei schlechter Sicht wäre ein Kompass eine große Hilfe gewesen. Aus Fehlern lernt man. An der Basis sagte man uns, dass das schon mal passieren kann. Für Cindy war »es eine Erfahrung« (ihr O-Ton). Mir saß der Schreck noch in den Gliedern. Tags darauf tauchte ich wieder mit einem Guide, Cindy entschied sich für einen Land-Tauchgang. Alles in allem Glück gehabt! 

Fehleranalyse 

Wie dieses Beispiel zeigt, können Strömung und Sichtweiten von einer auf die andere Sekunde variieren. Gerade wenn man einen Tauchgang in eine Richtung unternimmt, deren Rückweg im Normalfall immer mit Gegenströmung verbunden ist, sollte man genau das mit in die Tauchgangsplanung einbeziehen. So war es scheinbar auch hier der Fall. Zu Beginn des Tauchgangs war von Strömung keine Spur. Zum Ende hin scheint die Ebbe, den Sand aus der Lagune ins Meer getragen zu haben, was die schlechte Sicht erklären könnte. Daher sollte man sich nicht nur nach der Strömung erkundigen sondern auch die Gezeiten mit in die Planung einbeziehen. In diesem Fall wäre es wichtig gewesen, zu wissen, wo die Riffkante verläuft, um den Weg zurück zum Steg linker Schulter antreten zu können. Und wie Michael schon richtig bemerkte, hätte ein Kompass die Orientierung unter Wasser erleichtert. Des Weiteren wäre es ratsam gewesen ein Boje dabei zu haben, diese als Signalmittel einzusetzen, was unter Umständen (je nach Vorhandensein) zu einer »Abholung« mit dem Zodiak, zumindest aber zu erhöhter Aufmerksamkeit geführt hätte. Warum wäre das wichtig? Wie die beiden gemerkt hatten, kann eine starke Dünung dazu führen, dass sich die Taucher am oder im Riffdach verletzen könnten. In solche Fällen »unter Beobachtung« zu stehen, kann nur von Vorteil sein.     

Kommentar vom Profi 

Tauchgänge im Meer unterscheiden sich stark von denen in heimischen Gewässern. Die Besonderheiten zeigt dieses Beispiel doch sehr deutlich. Tauchen ohne Guide ist für qualifizierte Taucher immer reizvoll. Entscheidend ist auch hier die Vorbereitung. So ist es unerlässlich, sich in einem gründlichen Briefing über die Gegebenheiten unter Wasser zu informieren und klare Absprachen zu treffen, insbesondere zum Verhalten in möglichen Notsituationen. Gerade im Meer ist die Betrachtung von Strömung und Gezeiten ein wesentlicher Faktor. Der Tauchgang sollte nach Möglichkeit immer entgegen der Oberflächenströmung beginnen. Und es ist etwas völlig anderes, einen Tauchgang selbst zu führen, auch wenn man diesen schon zig Mal mit einem Guide absolviert hat. Plötzlich muss alles neu »ertaucht« werden. Auch Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit der Tauchausrüstung sind mitentscheidend. Dazu gehören immer Kompass und Boje. Eine gute Lampe ist sehr hilfreich, können doch so Signale über weitere Distanzen gegeben werden. Im VDST wurde die Handhabung der Boje schon in die Einstern-Ausbildung integriert – gerade, um im Urlaub damit umzugehen. Auch empfehlen wir einen Spezialkurs Strömungstauchen, bei dem auf die Besonderheiten im Meer eingegangen wird.