Medizin Wissen

Tauchen & Fitness

Tauchen & Fitness – eine ideale Kombination. Allerdings passen körperliche Belastungen und das Tauchen nur unter gewissen Umständen gut zueinander.

Shutterstock

TEXT: Prof. Dr. med. Claus-Martin Muth und Prof. PD Dr. med. Tim Piepho

Es ist eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen, eine gute körperliche Belastbarkeit und ein guter Trainingszustand ist günstig für Taucher. Dafür gibt es gleich mehrere Begründungen. Eine gewisse Mindestfitness und körperliche Leistungsfähigkeit ist notwendig, um auch bei leichter bis mäßiger Strömung, Wind oder Wellengang noch sicher das Ufer oder das Tauchboot zu erreichen. Wichtig ist sie auch dann, wenn dem Tauchpartner Hilfe geleistet werden muss.

Außerdem hat der Fitnessgrad einen Einfluss auf den Luftverbrauch beim Tauchen, denn mit dem Training werden stärkere Belastungen problemloser bewältigt. Darüber hinaus gibt es eindeutige wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, jemand der gut ausdauertrainiert ist, produziert weniger dekompressionsbedingte Gasblasen. Er scheint insgesamt unempfindlicher gegen Dekompressionsstress zu sein, als jemand mit einem schlechten Trainingszustand.

Es ergibt für Taucher und Taucherinnen also durchaus sehr viel Sinn, dafür zu sorgen, dass eine gewisse Grundfitness vorhanden ist. Denn auf diese Weise ist nicht nur ein entspannteres Tauch-Erlebnis garantiert, sondern es ist auch der persönlichen Sicherheit gedient. Doch was ist mit körperlicher Belastung vor, während und nach des Tauchens?

Körperliche Belastung vor dem Tauchen

Eine Ausdauerbelastung mehrere Stunden vor dem Tauchen senkt offenbar das Dekompressionsrisiko. Doch es kommt auf die Art des Trainings an: Krafttraining erhöht das Risiko, insbesondere wenn es mit Muskelkater einhergeht. Muskelkater und Tauchen vertragen sich in keiner Weise. Bei Muskelkater sollte gar nicht getaucht werden. Doch Vorsicht! Positive Effekte werden komplett überdeckt, wenn es durch die Ausdauerbelastung und die dadurch vermehrte Schweißproduktion zu größeren Flüssigkeitsverlusten kommt, die vor dem Tauchen nicht vollständig ausgeglichen werden. Daher ist nach Ausdauersport vor dem Tauchen auf einen ausreichenden und adäquaten Flüssigkeitsausgleich zu achten.

Körperliche Belastung beim Tauchen

Körperliche Belastung beim Tauchen führt zu einem erhöhten Luftverbrauch. Dieser spürbare Effekt ist die Folge einer vermehrten Atmung und eines beschleunigten Pulsschlags, was beides nötig ist, um den gestiegenen Sauerstoffbedarf des Körpers zu decken. Gleichzeitig werden die Körpergewebe, und hier vor allem die arbeitende Muskulatur, deutlich vermehrt durchblutet. Dadurch ist aber auch die Stickstoffaufnahme in den Geweben beim Tauchen erhöht. Es wird also in der gleichen Zeit und der gleichen Tiefe mehr Stickstoff aufgenommen, so dass sich das Dekompressionsrisiko erhöht.

Körperliche Belastung während der Dekompression

Bislang galt, man soll sich während des Aufenthalts auf einer Dekompressionsstufe eher ruhig verhalten, um die Entsättigung des Stickstoffs nicht zu stören und ein zu rasches Ausgasen mit nachfolgender Blasenbildung zu vermeiden.

Neuere Studien zeigen nun, eine milde körperliche Belastung während des Aufenthalts auf einer Dekompressionsstufe führt offenbar dazu, dass nach dem Tauchen weniger Gasbläschen im Blut des Tauchers nachzuweisen sind, als wenn auf der Dekostufe absolute Untätigkeit eingehalten wurde. Das wird aktuell tauchmedizinisch zunächst einmal als positiv gewertet, da es einen Hinweis darauf gibt, dass Stickstoff vermehrt und rascher schon auf der Dekostufe abgegeben wurde.

Körperliche Belastung nach dem Tauchen

Nach einem Tauchgang befindet sich regelmäßig noch eine erhöhte Menge an Stickstoff in den Körpergeweben, der langsam und stetig abgegeben wird. Diese Menge ist unkritisch, wenn sie kontrolliert und langsam abgegeben werden kann. Durch körperliche Belastung kommt es jedoch zu drastischen Veränderungen der Durchblutung vor allem im Muskelgewebe. Plötzlich werden große Mengen an Stickstoff aus diesen Geweben freigesetzt, was zu einem Dekounfall führen kann.

Um eine solche Gefährdung zu vermeiden, sollte daher nach derzeitigem Wissensstand in den ersten Stunden nach dem Tauchen intensive körperliche Belastung vermieden werden. Daher sollten übrigens nach und/oder zwischen Tauchgängen mit Gerät auch keine Apnoe-Tauchgänge durchgeführt werden. Möchte ein Taucher oder eine Taucherin im Urlaub also Apnoetauchen wollen, so sollte er oder sie das vor dem Gerätetauchen tun – oder auch stattdessen.

WEITERLESEN: GEFAHREN BEIM TIEFTAUCHEN