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Nicolas Entrup bloggt von der IWC-Tagung

Niki Entrup vom WDCS berichtet im tauchen-Blog von der IWC-Tagung

Nicolas Entrup, Geschäftsführer von der WDCS Deutschland

Vom 21. bis zum 25. Juni 2010 findet in Agadir/Marokko die Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) statt. Nicolas Entrup von der internationalen Wal- und Delphinschutzorganisation (WDCS) berichtet in seinem Blog von den Geschehnissen.
blog  25.06.2010 10:06

Offene Worte

Der heutige - vierte Tag der IWC-Tagung - steht (noch immer) ganz im Zeichen der Diskussion über Walfangquoten für Indigene Gemeinden. So genannter Indigener Walfang ist die dritte Walfangkategorie innerhalb der IWC (kommerzieller, wissenschaftlicher und indigener Walfang) und betrifft von der IWC anerkannte indigene Gemeinden, die eine kulturelle und subsistenzielle Notwendigkeit für die Durchführung von Walfangaktivitäten haben.
Nicolas Entrup von der WDCS in einem Streitgespräch für den arabischen Nachrichtensender Al Jazeera
Nicolas Entrup von der WDCS in einem Streitgespräch mit zwei Vertretern der Walfang-Seite für den arabischen Nachrichtensender "Al Jazeera"
Es tut mir leid, wenn ich an dieser Stelle nicht weiter auf die Details eingehe, dazu fehlt mir in diesem Moment einfach die Kraft und Zeit, weil die Arbeit hier vor Ort ungeheuer anstrengend ist. Das über einige Wochen aufgebaute Schlafdefizit hat halt doch seine Auswirkungen. Unsere Kritik richtet sich nicht an das Prinzip der Waljagd durch indigene Völker, sondern die Tatsache, dass die Waljagd in Grönland einer Kommerzialisierung unterläuft und keine Notwendigkeit für eine Ausweitung besteht. Eine Zusammenfassung der Kritik bietet unser aktuelles Video über die Waljagd in Grönland. Grönland beantragt neben der bereits stattfindenden Bejagung von 212 Zwergwalen, zwei Grönlandwalen und 19 Finnwalen (und bis zu 4000 Kleinwalen jährlich) nun auch die Bejagung von zehn Buckelwalen pro Jahr. Walprodukte werden zunehmend hochpreisig in Supermärkten veräußert und auch in Hotels angeboten. Hier könnt ihr das Video ansehen, in dem WDCS-Mitarbeiter mit versteckter Kamera diesen Schwindel in Grönland beweisen. Die Diskussion ist kompliziert, die Entscheidung auf Freitag vertagt. Zahlreiche Gerüchte über einen (Wal-)-Kuhhandel kursieren und wieder sieht es nicht gut aus, aus Sicht des Walschutzes.

Streitgespräch
Zusätzlich stand ich in einem Streitgespräch für den arabischen Nachrichtensender "Al Jazeera" mit zwei Vertretern der Walfang-Seite vor der Kamera: Ole Samsing, Delegierter von Dänemark, der hier Grönland vertritt und Glenn Inwood, PR-Experte und Sprecher der japanischen Regierung. Endlich gab es die Gelegenheit in der Öffentlichkeit, mit zwei Vertretern der Walfangseite zu diskutieren. Ihr könnt euch aber auch selbst ein Bild machen. Hier die Sendetermine des Interviews:

Die Sendung Inside Story läuft Sonntag, den 27. Juni um 17.32 und 22.32 Uhr sowie am Montag, den 28. Juni um 04.32 und 10.32 Uhr auf dem Sender "Al Jazeera". Übrigens könnt ihr die Sendung auch online empfangen über: http://www.livestation.com/channels/3-al_jazeera_english

Liebe Grüße Niki
blog  23.06.2010 14:02

Großer Erfolg für den Walschutz!

Am dritten Tag der Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC), nach eineinhalb Tagen Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, informierte der Vorsitzende das Gremium, dass sich die Regierungen einigen konnten, den Kompromissvorschlag zur Legalisierung des kommerziellen Walfangs abzulehnen. Nach einer "cool off"-Periode sollen die Verhandlungen wieder aufgenommen werden.

Ich bin sehr erleichtert, dass dieser gefährliche Kompromissvorschlag keine Zustimmung fand. Ein Aufschub der Verhandlungen ist jedoch fragwürdig, ein Neuanfang wäre effizienter. Zweifellos müssen sich die Walschutzstaaten aber umgehend auf eine gemeinsame Vision des Walschutzes im 21. Jahrhundert einigen. In einer solchen Vision hat kommerzieller Walfang keinen Platz. Deutlicher konnte in den vergangenen Wochen die Öffentlichkeit den Wunsch nach einem Ende des Walfangs nicht kommunizieren.

Ich berichten weiter, denn die Jahrestagung ist noch nicht beendet und wichtige Punkte stehen noch aus.
blog  22.06.2010 09:44

Skandale, Korruption und Geheimniskrämerei

Der erster Tag der IWC-Tagung in Agadir endet für uns NGOs vor verschlossenen Türen. Kurz nach der offiziellen Eröffnung der 62. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im marokkanischen Agadir wurde die Öffentlichkeit, alle NGOs und die Medien bereits wieder ausgeschlossen. Die Mitgliedsstaaten verhandeln somit nun offiziell bis Mittwochmorgen hinter verschlossenen Türen, über den höchst umstrittenen Kompromiss-Vorschlag, der den kommerziellen Walfang nach 24 Jahren wieder zulassen soll. Der heutige Vorgang ist absolut untypisch und lässt uns an der Glaubwürdigkeit der IWC stark zweifeln. Nachdem man nun nahezu zwei Jahre größtenteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt hat, soll erneut die Öffentlichkeit nicht erfahren, wie Regierungen unter gymnastischen Verrenkungen versuchen, aus einem schlechten Vorschlag noch irgendetwas herauszuwürgen.
Nicolas Entrup vom WDCS im Gespräch mit Regierungsvertretern auf der IWC-Tagung
Nicolas Entrup vom WDCS spricht auf der Tagung mit Regierungsvertretern aus verschiedenen Ländern
Warum diese Geheimniskrämerei?
Ich habe zwei Vermutungen:
1. die Kritik am Kompromissvorschlag war in den vorbereitenden Sitzungen der vergangenen Woche vernichtend. Die USA und Neuseeland versuchten krampfhaft mit verblendender Rhetorik - aus deren Sicht - zu retten, was zu retten ist. Die vergangenen Freitag beschlossene gemeinsame Position der EU, hat nach der klaren Positionierung der Lateinamerikaner und Australiens dazu geführt, dass nun selbst die USA und Neuseeland erkannten, dass der vorliegende Vorschlag nicht zu machen ist (siehe Kommentar unten).
2. die Sunday Times hatte in einem zweiten Artikel die von Japan ausgehende Korruption innerhalb der IWC aufgedeckt. Involviert soll auch der Vize-Vorsitzende der IWC sein, der nach dem Fernbleiben des Vorsitzenden Anthony Liverpool aus Antigua und Barbuda die Diskussionen leiten soll. Die IWC befindet sich als Gremium in Erklärungsnotstand!

Wo steht die EU?
Betrachtet man diese Entwicklung, bedarf es nun umso mehr einer starken Position der EU. Doch kaum hat man eine Position entschieden, beginnen die EU-Staaten auch über diese wieder, intern neu zu verhandeln. Wir warnen die Regierungen der Europäischen Union davor, auch nur im Ansatz an ein Abweichen der Position zu denken und haben bereits unsere Rechtsberater beauftragt alle möglichen juristischen Schritte zu prüfen, die den NGOs obliegen, sollten Regierungen der EU von ihrer Position abweichen.

Die Diskussionen innerhalb der IWC werden zum Prüfstein demokratischer Grundprinzipien auf internationaler Ebene! Wenn die Mitgliedsregierungen das Vertrauen ihrer Bevölkerung wiedergewinnen wollen, müssen sie nun die Notbremse ziehen, diese gescheiterten Verhandlungen sofort stoppen und das Moratorium unangetastet lassen.
Eindrücke von der IWC-Tagung
Der Kompromissvorschlag, der vorsah das Walfangmoratorium zu beenden, ist auf der IWC-Tagung abgelehnt worden Die Delegierten aus Japan bei der IWC-Konferenz Vertreter von Greenpeace und WWF auf der IWC-Tagung
Klickt auf ein Bild, um die Bildergalerie zu starten (5 Bilder)
blog  21.06.2010 10:37

Die Welt schaut auf Agadir

Montag, 21. Juni. Die Sonne brennt. Beim 50minütigen Fußmarsch von unserer Unterkunft bis zum Konferenzzentrum kommen wir ganz schön ins Schwitzen, trotz der leichten Brise, die vom Meer zu uns herüberweht. Mit Laptop, Kamera, Telefon und einer großen Portion Überzeugung "bewaffnet", werden wir hier vor Ort alles dafür tun, um einen der wichtigsten Meilensteine der internationalen Artenschutzbewegung zu verteidigen: das kommerzielle Walfang-Verbot.

Konferenz-Zentrum, Agadir, Marokko
Sollen Wale kommerziell gejagt werden dürfen oder nicht? Über diese Frage entscheiden Vertreter von 88 Regierungen zwischen dem 21. und 25. Juni 2010 anlässlich der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC). Der zur Entscheidung vorliegende und von zwölf Staaten ausgearbeitete Vorschlag sieht eine Legalisierung aller Walfangaktivitäten Islands, Norwegens und Japans - auch im Walschutzgebiet der Antarktis - vor. Befürworter argumentieren, dass im Gegenzug die Anzahl getöteter Wale reduziert wird. Eine Angabe, die so jedoch nicht haltbar ist und von Walschützern zurückgewiesen wird. Betrachtet man den Vorschlag im Detail wären Island und Norwegen sogar in der Lage, mehr Wale zu töten, als durchschnittlich in den vergangenen fünf oder zehn Jahren in den jeweiligen Staaten.

Bazar-Stimmung
Geht die Weltöffentlichkeit davon aus, dass die Walfangstaaten die treibenden Kräfte für diesen Vorschlag sind, so lehnen diese sich eher zurück und genießen die Zerstrittenheit der vormaligen Walschutzseite. Allen voran drängen die USA und Neuseeland auf einen Durchbruch, der die Frage zulässt, ob Walschutz hier eine Bühne für Handelsinteressen und etwaige geopolitische Fragen ist, frei nach dem Motto: "Geb’ ich dir, gibst du mir." 
Die IWC-Tagung 2010 in Agadir beginnt
Heute, am 21. Juni, beginnt die einwöchige Tagung der IWC in Marokko
Meeresfrucht "Wal"
Die eigentliche Frage thematisiert jedoch die Grundwerte. Führen wir Walschutz, mit all dem Wissen über die Komplexität dieser Tiere, ein ins 21. Jahrhundert oder werden Wale auch nur als "zu erntende Meeresfrüchte" betrachtet? Australien und der Block der lateinamerikanischen Staaten positionieren sich klar und sehen Walfang heute nicht mehr gerechtfertigt. Nehmen wir das Beispiel Brasiliens: Mit dem Entscheid des Moratoriums 1982 beendete Brasilien Walfang und akzeptierte somit die internationale Entscheidung. In den vergangenen 20 Jahren entwickelte sich eine florierende Walbeobachtungsindustrie. Wer erklärt den brasilianischen Bürgern, dass nun gerade jene Länder, die sich nicht an den internationalen Beschluss halten, für diese Ignoranz belohnt werden sollen?

EU findet endlich eine Position
Und welche Rolle spielt die Europäische Union? Es dauerte bis zum 18. Juni, bis die 25 EU-Staaten, die gleichzeitig auch IWC-Mitglieder sind, sich zu einer gemeinsamen Position durchgerungen haben. Der Vorschlag wird in seiner jetzigen Form abgelehnt, jedoch weiter verhandelt. Wir werden den Regierungen auf die Finger schauen und die Öffentlichkeit über die Entwicklungen und Entscheidungen vor Ort informieren. Denn letztendlich vertreten Regierungen ihre Bürger und diese wollen mit Sicherheit keine Wiederkehr des kommerziellen Walfangs sehen!
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