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Seeigel im Mittelmeer

Seeigel im Mittelmeer

Meereslebewesen trotzen Bedrohungen durch Versauerung

Lange ist Darwins Evolutionstheorie in der Ozeanforschung vernachlässigt worden. Zu Unrecht, wie ein internationales Team von Wissenschaftlern jetzt herausgefunden hat. Die Forscher kommen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass die evolutionäre Anpassung von Lebewesen für die Zukunft mariner Ökosysteme eine wichtige Rolle spielt und zukünftig bei Prognosen besser berücksichtigt werden muss

Bedrohung für alle Meerestiere
Die Versauerung der Ozeane ist eine ernsthafte Bedrohung für alle Meereslebewesen. Bei der Versauerung sinkt der pH – Wert der Meere durch die Aufnahme von Kohlendioxid und die Umgebung verändert sich. Tiere und Pflanzen können sich durch Veränderungen in ihrem genetischen Code anpassen, was die Chance der Nachkommen erhöht, neue Lebensumstände zu verkraften. „Die Ozeanversauerung wird Meeresökosysteme definitiv verändern. Um die Entwicklung besser einschätzen zu können, müssen wir verstehen, wie sich Populationen im Laufe der Zeit an den Wandel anpassen“, erklärt Prof. Thorsten Reusch. „Obwohl Charles Darwin seine Theorie der evolutionären Anpassung vor mehr als 150 Jahren dargelegt hat, ist dieser Aspekt in der Erforschung des Ozeanwandels lange vernachlässigt worden.“
Organismen können sich durch natürliche Auslese anpassen

Beweise für evolutionäre Anpassung an die Ozeanversauerung haben die Forscher in Evolutionsexperimenten gefunden, in denen die Organismen über mehrere Generationen hinweg Bedingungen ausgesetzt waren, die für die Zukunft erwartet werden. So können sie testen, ob evolutionäre Reaktionen stattfinden. Weiterhin fasst die Studie neueste Erkenntnisse zusammen, nach denen eine große genetische Variation für die Toleranz eines zukünftigen Säuregehalts existiert und dass sich viele Fische und wirbellose Tierarten durch natürliche Auslese anpassen können. In Zukunft könnten weitere systematische Untersuchungen zeigen, welche Arten sich am schnellsten anpassen können und ob dies schnell genug funktioniert, um eine Art vor dem Aussterben zu bewahren.

Das Team von Wissenschaftlern stellte auch fest, dass Organismen verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen, in denen sie unterschiedlich auf eine sich verändernde Umwelt reagieren. Sie interagieren in komplexen Gemeinschaften und werden durch eine Kombination von Stressfaktoren beeinflusst. Dr. Sam Dupont von der Universität Göteborg fasst die Ergebnisse zusammen: „All dies ist keineswegs trivial. Aber wir haben gute Beispiele gefunden, die zeigen, dass die Anpassung nicht nur grundsätzlich möglich ist wir sind jetzt auch bereit, den Prozess tiefergehend zu analysieren.“ Ihre Studie erscheint diese Woche im internationalen Fachmagazin „Trends in Ecology and Evolution“ (TREE).

Weitere Infos:
www.geomar.de