Sie sind glibberig, oft durchsichtig und für Nichttaucher am Strand nur ein Haufen Schleim. Schwimmer fürchten sie, denn der Kontakt mit den Tentakeln kommt meist überraschend und endet oft mit einer schmerzhaften Vernesselung. Taucher sehen dagegen die Formen und Farben vieler Quallenarten und ihre schwebende, fast hypnotische Bewegung. Fünf Arten solltest du aber kennen, weil ihr Gift ernsthaft gefährlich werden kann.
Stand: November 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Am gefährlichsten sind zwei Würfelquallen aus Australien und Südostasien: Seewespe und Irukandji.
- Die Portugiesische Galeere ist streng genommen keine Qualle, sondern eine Kolonie aus vielen Einzeltieren.
- In Nord- und Ostsee kommen Feuer- und Kompassqualle vor. Ihre Stiche sind schmerzhaft, aber selten gefährlich.
- Erste Hilfe hängt von der Art ab: Essig hilft bei Würfelquallen, kann bei der Portugiesischen Galeere aber schaden.
Was passiert, wenn du mit einem Tentakel in Kontakt kommst?
Die Tentakel sind bei nahezu allen Arten mit Nesselzellen besetzt. In jeder Zelle steckt eine Nesselkapsel, die unter hohem Druck steht – Messungen an Nesseltieren ergaben rund 150 bar. Bei Berührung platzt die Kapsel in Bruchteilen einer Mikrosekunde auf, ein Nesselfaden schnellt heraus und gibt das lähmende Gift ab. Es handelt sich also um einen Stich. Auf der Haut folgen Rötung, brennender oder juckender Schmerz, manchmal Blasen und Schwellungen. Verbrauchte Nesselkapseln werden abgestoßen und neu gebildet.
Warum sind Quallen giftig?
Quallen nutzen ihr Gift zum Jagen und zur Verteidigung. Die meisten fressen Plankton, einige auch kleine Fische. Weil sie im offenen Wasser treiben, müssen sie Beute schnell lähmen. Je stärker das Gift, desto größer die Chance auf Jagderfolg.
Sind alle Quallen giftig?
Ja, alle Quallen besitzen Nesselzellen – Biologen zählen sie zu den Nesseltieren, wie Polypen und Seeanemonen. Gefährlich für Menschen sind aber nur wenige Arten. Für Taucher wichtig sind vor allem zwei Gruppen: Schirmquallen wie Feuer- und Kompassqualle, deren Stiche schmerzen, aber selten gefährlich sind, und Würfelquallen, zu denen die giftigsten Arten der Welt gehören. Die Portugiesische Galeere gehört zu den Staatsquallen und ist eine Kolonie aus vielen spezialisierten Einzeltieren.
Die fünf giftigsten Quallenarten
Seewespe
Die Seewespe (Chironex fleckeri) gilt als giftigste Qualle der Welt. Die Würfelqualle lebt in Küstengewässern von Nordaustralien über Papua-Neuguinea bis Indonesien und die Philippinen. Ihr Schirm misst meist rund 16 Zentimeter, selten bis etwa 35 Zentimeter. An jeder der vier Ecken hängen bis zu 15 Tentakel, ausgestreckt rund drei Meter lang.
Ihr Gift wirkt auf Herz und Kreislauf und kann innerhalb weniger Minuten zum Herzstillstand führen. In Australien sind seit Beginn der Aufzeichnungen 1883/84 rund 64 Todesfälle dokumentiert – über alle Jahre zusammen, nicht pro Jahr. In der Saison werden deshalb Strände in Nordaustralien gesperrt oder mit Netzen geschützt. Weit häufiger als tödliche Unfälle sind schmerzhafte Vernesselungen mit Narben.
Irukandji
Die Irukandji (Carukia barnesi) ist ebenfalls eine Würfelqualle aus Nordaustralien, vor allem vor Queensland und dem Northern Territory. Sie ist winzig: Ihr Schirm misst höchstens etwa 2,5 Zentimeter.
Den Stich bemerkt man oft kaum. Erst 20 bis 30 Minuten später setzt das nach ihr benannte Irukandji-Syndrom ein: starke Schmerzen in Rücken, Bauch, Brust und Gliedern, Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche, Herzrasen und hoher Blutdruck. In seltenen Fällen kommt es zu Herzschäden oder einem Lungenödem.
Portugiesische Galeere
Die Portugiesische Galeere (Physalia physalis) ist streng genommen keine Qualle. Sie ist eine Staatsqualle, eine Kolonie aus vielen spezialisierten Einzeltieren. Eine gasgefüllte Blase treibt an der Oberfläche, Wind und Strömung tragen sie durch tropische und subtropische Meere. Sie wurde aber auch schon vor Portugal und Mallorca gesichtet.
Ihre Tentakel werden im Schnitt etwa zehn Meter lang, maximal rund 30 Meter. Das Gift verursacht sehr starke Schmerzen, selten einen allergischen Schock. Auch gestrandete Tiere solltest du nicht anfassen: Die Nesselzellen bleiben aktiv.
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Gelbe Haarqualle (Feuerqualle)
Die Gelbe Haarqualle (Cyanea capillata) lebt im Atlantik, im Ärmelkanal, in der Nordsee und in der westlichen Ostsee, besonders häufig im Sommer. An der Küste heißt sie meist Feuerqualle, auch der Name Löwenmähne ist verbreitet.
Ihr Schirm erreicht bis zu einen Meter Durchmesser, ihre Tentakel bis zu 30 Meter Länge. Sie frisst vor allem Plankton und kleine Krebstiere. Eine Vernesselung brennt stark und wird wie eine Verbrennung behandelt. Lebensgefährlich ist sie selten, kann bei Allergikern aber einen Schock auslösen.
Kompassqualle
Die Kompassqualle (Chrysaora hysoscella) verdankt ihren Namen der Zeichnung auf dem Schirm, die an eine Kompassrose erinnert. Der Schirm misst meist 25 bis 30 Zentimeter, selten bis 35. Sie kommt im Atlantik, in der Nordsee, im Kattegat und im Mittelmeer vor, im Sommer häufig auch vor der niederländischen Küste.
Ihr Gift reizt die Haut stark. Für eine Schirmqualle ist das eher ungewöhnlich – und bestätigt die wichtigste Regel: Hände weg von allen Quallen.
Was tun bei einer Vernesselung?
Die richtige Erste Hilfe hängt von der Art ab. Die Empfehlungen stammen aus der australischen Notfallmedizin, die mit den gefährlichsten Arten am meisten Erfahrung hat.
- Raus aus dem Wasser. Bei plötzlichem, heftigem Schmerz sofort an Land oder ins Boot – starke Schmerzen erhöhen die Gefahr zu ertrinken. Betroffenen sofort helfen.
- Bei Bewusstlosigkeit Notruf und Wiederbelebung. Nach einem Seewespen-Stich kann der Kreislauf innerhalb von Minuten zusammenbrechen.
- Tentakel entfernen, ohne sie mit bloßen Händen zu berühren, etwa mit Handschuhen oder einer Karte.
- Mit Meerwasser spülen, nicht mit Süßwasser. Süßwasser kann noch nicht ausgelöste Nesselkapseln zum Platzen bringen. Nicht reiben, kein Alkohol, kein Urin.
- Essig nur bei Würfelquallen (Seewespe, Irukandji): reichlich auftragen, er stoppt noch aktive Nesselzellen.
- Bei der Portugiesischen Galeere kein Essig, er kann den Schmerz verstärken. Stattdessen die Stelle 20 Minuten in heißes Wasser von etwa 45 °C halten; Temperatur vorher prüfen, damit es keine Verbrühung gibt.
- Nach Stichen der hier beschriebenen Arten immer ärztliche Hilfe suchen, bei Würfelquallen sofort.
Weißt du nicht, welche Qualle es war, verzichte auf Essig und halte dich an Meerwasser, Tentakel entfernen, Wärme und ärztliche Hilfe.
Häufige Fragen
Die Seewespe (Chironex fleckeri), eine Würfelqualle aus Nordaustralien und Südostasien. Ihr Gift kann innerhalb von Minuten zum Herzstillstand führen.
Ja, vor allem die Gelbe Haarqualle (Feuerqualle) und die Kompassqualle. Ihre Stiche sind schmerzhaft, aber nur selten gefährlich, etwa bei Allergikern.
Nur bei Würfelquallen wie Seewespe und Irukandji. Bei der Portugiesischen Galeere kann Essig den Schmerz verstärken; dort hilft heißes Wasser.
Nein. Süßwasser kann noch intakte Nesselkapseln auslösen. Spüle mit Meerwasser.
Nein. Sie ist eine Staatsqualle, eine Kolonie aus vielen Einzeltieren, die gemeinsam wie ein Organismus funktionieren.
Ja. Die Nesselzellen bleiben auch an toten oder gestrandeten Tieren aktiv. Fass sie nicht an.
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Quellen
- Australian Family Physician (RACGP): Marine envenomations, 2015
- Medical Journal of Australia: Worldwide deaths and severe envenomation from jellyfish stings, 1996
- NOAA Ocean Service: What is a Portuguese man o‘ war?
- Nüchter et al.: Nanosecond-scale kinetics of nematocyst discharge, Current Biology 16 (2006), doi:10.1016/j.cub.2006.03.089
- Wikipedia: Chironex fleckeri, Gelbe Haarqualle, Kompassqualle