Text und Fotos: Martin Schrack
Das Wichtigste in Kürze
- Die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis) stammt aus dem Schwarzmeerraum und ist in Mitteleuropa ein invasives Neozoon.
- In Österreich wurde sie erstmals 2016 im Bodensee nachgewiesen, inzwischen auch in Attersee, Traunsee, Mondsee, mehreren Kärntner Seen und der Alten Donau.
- Anders als die verwandte Wandermuschel besiedelt sie auch feines Sediment und große Tiefen.
- Sie verdrängt heimische Muscheln, verändert Nahrungsketten und verstopft Rohre und Filteranlagen.
- Eine vollständige Eindämmung gilt als kaum realistisch. Entscheidend ist, die Verschleppung in neue Gewässer zu verhindern: Ausrüstung kontrollieren, reinigen, trocknen.
Die Quagga-Muschel, wissenschaftlich meist als Dreissena rostriformis bugensis, seltener als Dreissena bugensis bezeichnet, ist eine im Schwarzmeerraum heimische Süßwassermuschel. Als Neozoon, also als vom Menschen eingeschleppte Tierart, verursacht sie in Mitteleuropa erhebliche ökologische und technische Probleme. In Österreich tritt sie zunehmend in Binnengewässern im Alpenraum auf und betrifft damit auch Taucher, insbesondere in Gewässern, die intensiv durch Freizeitnutzung beansprucht werden.
Was ist die Quagga-Muschel?
Die Quagga-Muschel ist eng mit der bekannteren Wandermuschel (Dreissena polymorpha, auch Zebramuschel) verwandt und gehört zur Familie der Dreikantmuscheln (Dreissenidae). Mithilfe von Byssus-Fäden, feinen Haftfäden, die die Muschel selbst bildet, haftet sie sehr gut an Hartsubstraten wie Steinen, Holz, Holzunterkonstruktionen und technischen Bauwerken. Im Gegensatz zur Wandermuschel kann sie zudem auch feinkörnige Sedimente besiedeln.
Durch das Filtern großer Mengen an Plankton und Schwebstoffen nimmt die Wassertransparenz zwar zu. Gleichzeitig werden jedoch bestehende Nahrungsketten nachhaltig beeinträchtigt. Ihre extrem erfolgreiche Ausbreitung und Vermehrung, kombiniert mit relativ breiten Umwelttoleranzen, etwa in größeren Tiefen oder bei geringerer Strömung, machen sie zu einem besonders wirkungsvollen invasiven Organismus. Laut einem Faktenblatt des Schweizer Wasserforschungsinstituts Eawag ↗ kommt sie bis in rund 240 Meter Tiefe vor und pflanzt sich ganzjährig fort, die Wandermuschel dagegen nur bis etwa 40 Meter und vor allem von Mai bis September.
Wo kommt die Quagga-Muschel in Österreich vor?
Der erste gesicherte Nachweis der Quagga-Muschel in Österreich erfolgte im Jahr 2016 im Bodensee. Seither wurde sie in zahlreichen weiteren österreichischen Seen nachgewiesen, darunter der Attersee, der Traunsee, der Mondsee, der Wörthersee, der Millstätter See, der Weißensee sowie die Alte Donau. In Oberösterreich ist seit dem Jahr 2022 eine deutlich zunehmende Verbreitung dokumentiert.
In vielen Seen beruht der Nachweis zunächst auf Umwelt-DNA (eDNA): Dabei werden Wasserproben auf genetische Spuren einer Art untersucht. So wiesen Salzburger Behörden die Muschel 2023 im Wolfgangsee und im Obertrumer See nach. In Kärnten ergab ein eDNA-Monitoring 2022 Hinweise in mehreren Seen; im Wörthersee wurden 2024 auch Jungmuscheln gefunden, wie das Neobiota-Portal des Umweltbundesamts ↗ berichtet. Einen Überblick über die betroffenen Gewässer gibt das österreichische Umweltministerium ↗.
Laut Angaben der ARGE Tauchen werden Gewässer in zwei Kategorien geführt: »Typ Rot« mit bestätigtem Quagga-Nachweis und »Typ Grün« ohne Nachweis.
Welche Folgen hat die Ausbreitung?
Ökologisch verdrängt die Quagga-Muschel heimische Muschel- und Weichtierarten, da sie Substrate, Nahrungsressourcen und Lebensraum dominiert und für sich beansprucht. Die damit verbundene Veränderung der Nährstoff- und Sedimentdynamik gilt nach aktuellen Studien als kaum noch reversibel, insbesondere in tiefen alpinen Seen, wie sie in Österreich häufig vorkommen.
Auch technisch und wirtschaftlich sind die Auswirkungen erheblich. Die Muscheln verstopfen Rohre, Filteranlagen sowie Entnahme- und Leitungssysteme für Trink- und Prozesswasser und verursachen dadurch hohe Kosten für Reinigung, Wartung und Instandsetzung.
Was bedeutet die Quagga-Muschel für Taucher?
Für Taucher ergeben sich daraus mehrere relevante Aspekte: Gewässer mit Quagga-Nachweis gelten als Risikogewässer und erfordern besondere Sorgfalt beim Wechsel zwischen verschiedenen Tauchplätzen. Zudem besteht in flachen Uferbereichen ein erhöhtes Schnitt- und Verletzungsrisiko durch die scharfkantigen Muschelschalen, sowohl für Badende als auch für Tauchende. In stark besiedelten Gewässern kann es durch dichten Muschelbewuchs außerdem zu veränderten Sediment- oder Lichtverhältnissen kommen, was Tauchgänge beeinflussen kann.
Wie stark der Bewuchs sein kann, zeigt der bekannte Tauchplatz »Hausboot« in Nussdorf am Attersee (Salzkammergut, Oberösterreich): Das dort versenkte Arbeitsboot ist ebenfalls sehr stark befallen.
Was hilft gegen die weitere Ausbreitung?
Die Ausbreitung der Quagga-Muschel in österreichischen Gewässern ist bereits weit fortgeschritten, eine vollständige Eindämmung erscheint kaum realistisch. Ziel zukünftiger Maßnahmen sollte daher vor allem die Verlangsamung der weiteren Ausbreitung und die Vermeidung zusätzlicher Einschleppungen sein, etwa durch konsequente Reinigung von Booten und Tauchausrüstung sowie durch Informations- und Sensibilisierungskampagnen.
Taucher spielen hierbei eine wichtige Rolle, da sie Veränderungen im Unterwasserbereich oft frühzeitig wahrnehmen und somit als aufmerksame Beobachter zur Dokumentation beitragen können.
»Wenn man als Taucher helfen will, reicht es meist schon, vor dem Wechsel in ein anderes Gewässer die Ausrüstung gründlich zu reinigen.«
Martin Schrack
Empfehlungen für Tauchende
- Ausrüstung kontrollieren: Vor dem Wechsel von einem Gewässer zum anderen gründlich reinigen, abtrocknen und gegebenenfalls desinfizieren, gemäß der Hinweise der ARGE Tauchen (Kontrollieren – Reinigen – Trocknen) bei Gewässern mit Quagga-Nachweis. Das Land Oberösterreich ↗ empfiehlt, mit möglichst mindestens 45 Grad heißem Wasser zu reinigen und Boot und Ausrüstung vor dem Einsatz in einem anderen Gewässer mindestens vier Tage trocknen zu lassen.
- Tauchgewässer bewusst wählen: Gewässer-Typen (Rot/Grün) bei der ARGE Tauchen beachten und bei Gewässern mit nachgewiesener Quagga-Besiedlung Umsicht walten lassen.
- Unterwasserbedingungen beachten: Dichter Muschelbewuchs kann Sediment- und Lichtverhältnisse verändern.
Fazit
Die Quagga-Muschel wird aus Österreichs Seen nicht mehr verschwinden. Ob sie weitere Gewässer erreicht, hängt aber auch davon ab, wie sorgfältig Wassersportler und Taucher ihre Ausrüstung beim Wechsel des Gewässers behandeln. Jeder Einzelne kann durch umsichtiges Verhalten einen Beitrag leisten.
Häufige Fragen zur Quagga-Muschel
Was ist die Quagga-Muschel?
Eine aus dem Schwarzmeerraum stammende Süßwassermuschel (Dreissena rostriformis bugensis) aus der Familie der Dreikantmuscheln. In Mitteleuropa gilt sie als invasive, also eingeschleppte und schädliche Art.
Wie unterscheidet sich die Quagga-Muschel von der Wandermuschel?
Beide sind eng verwandt. Die Quagga-Muschel kann aber auch feines Sediment besiedeln, kommt in deutlich größeren Tiefen vor und pflanzt sich laut Eawag ganzjährig fort.
In welchen Seen in Österreich gibt es die Quagga-Muschel?
Nachgewiesen ist sie unter anderem im Bodensee (seit 2016), im Attersee, Traunsee und Mondsee, im Wörthersee, Millstätter See und Weißensee sowie in der Alten Donau. Im Wolfgangsee und im Obertrumer See gab es 2023 eDNA-Nachweise.
Warum ist die Quagga-Muschel ein Problem?
Sie verdrängt heimische Muscheln und Weichtiere, verändert Nahrungsketten sowie Nährstoff- und Sedimentdynamik und verstopft Rohre und Filteranlagen für Trink- und Prozesswasser.
Kann man sich an Quagga-Muscheln verletzen?
Ja. In flachen Uferbereichen besteht durch die scharfkantigen Schalen ein erhöhtes Schnitt- und Verletzungsrisiko, für Badende wie für Tauchende.
Wie reinige ich meine Tauchausrüstung richtig?
Nach dem Prinzip Kontrollieren – Reinigen – Trocknen: Ausrüstung auf Schlamm, Pflanzenreste und Tiere prüfen, gründlich reinigen, laut Land Oberösterreich möglichst mit mindestens 45 Grad heißem Wasser, und vor dem nächsten Gewässer mindestens vier Tage trocknen lassen.
Kann man die Quagga-Muschel wieder loswerden?
Nach heutigem Stand nicht. Eine vollständige Eindämmung gilt als kaum realistisch. Ziel ist, die weitere Ausbreitung zu verlangsamen und neue Einschleppungen zu verhindern.
Quellen und weiterführende Informationen
- Die Quaggamuschel – eine gebietsfremde Art verbreitet sich in Österreichs Seen (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft) ↗
- Quagga-Muschel wird seit 2022 in oö. Seen nachgewiesen (Land Oberösterreich) ↗
- Quaggamuschel – in Kärnten angekommen (Neobiota Austria, Umweltbundesamt) ↗
- SeeWandel-Faktenblatt: Die gebietsfremde Quaggamuschel erobert den Bodensee (Eawag, 2021) ↗
- Invasoren: Wie eingewanderte Tierarten unsere heimischen Seen und Flüsse erobern
- Was bedroht Europas Muscheln?
- Perlen der Alpen – die zwölf schönsten Bergseen für Taucher
Dieser Artikel von Martin Schrack erschien in TAUCHEN-Ausgabe 04/2026 und wurde für die Webfassung redaktionell angepasst.