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Tauchtauglichkeit bei Paukenröhrchen und Mittelohrentzündung – was ist erlaubt?

In unserer Serie beantworten wir medizinische Fragen rund um die Tauchtauglichkeit. In diesem Teil geht es um Paukenröhrchen und Mittelohrentzündung – zwei häufige Ursachen für Unsicherheit beim Druckausgleich.

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Kurzzusammenfassung:
Paukenröhrchen und Mittelohrentzündungen betreffen das empfindliche Druckausgleichssystem des Ohrs – und damit direkt die Tauchtauglichkeit. Wenn es um Tauchtauglichkeit Mittelohr geht, ist besonders zu beachten, dass mit noch liegenden Paukenröhrchen keine Tauchtauglichkeit besteht. Nach deren Entfernung oder nach einer überstandenen Mittelohrentzündung darf erst wieder getaucht werden, wenn das Trommelfell vollständig verheilt ist und der Druckausgleich auf beiden Ohren problemlos funktioniert. Entscheidend ist immer die ärztliche Kontrolle durch HNO-Arzt oder Tauchmediziner.

Hey Doc, bin ich damit tauchtauglich?
Tauchen mit Paukenröhrchen – ist das erlaubt?

Bei einer Myringotomie wird das Trommelfell vorsichtig eröffnet, um Druck im Mittelohr zu entlasten und gegebenenfalls ein Paukenröhrchen zur besseren Belüftung einzusetzen.

Die Fragen: »Ich hatte als Kind Paukenröhrchen und möchte im nächsten Urlaub einen Tauchschein machen. Kann ich das?«

Paukenröhrchen werden vor allem bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen eingesetzt, um chronische Mittelohrentzündungen oder Belüftungsstörungen der Ohrtrompete zu behandeln. Sie sorgen für eine dauerhafte Belüftung des Mittelohrs und verhindern einen Paukenerguss – also eine Flüssigkeitsansammlung hinter dem Trommelfell.

Solange Paukenröhrchen im Trommelfell liegen, besteht jedoch keine Tauchtauglichkeit. Der Grund: Durch die offene Verbindung kann beim Apnoe- oder Gerätetauchen Wasser direkt ins Mittelohr gelangen.

Risiken beim Tauchen mit Paukenröhrchen

  • Eindringen von Wasser ins Mittelohr
  • Reizung des Gleichgewichtsorgans
  • Schwindel und Orientierungslosigkeit unter Wasser
  • Infektionsrisiko bei verunreinigtem Wasser

Besonders problematisch ist die mögliche Beeinträchtigung des Gleichgewichtsorgans durch Temperaturunterschiede im Mittelohr. Unter Wasser kann das lebensgefährlich werden.
Ohrenstöpsel sind keine Lösung. Sie dichten nicht zuverlässig ab und können selbst Infektionsquellen sein.

Taucherin beim Druckausgleich nach Valsalva.

Wann ist man nach Paukenröhrchen wieder tauchtauglich?

Nach dem spontanen Herausfallen oder der Entfernung durch den HNO-Arzt muss:

  • das Trommelfell vollständig verheilt sein
  • die Mittelohrbelüftung normal funktionieren
  • der Druckausgleich auf beiden Ohren problemlos möglich sein

Erst dann kann im Rahmen einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung eine Freigabe erfolgen.

Bei Zustand nach Paukenröhrchen im Kindesalter gilt: Wenn heute keinerlei Beschwerden bestehen und der Druckausgleich sicher funktioniert, spricht aus medizinischer Sicht nichts gegen das Tauchen.

Tauchen nach Mittelohrentzündung – wann ist es wieder möglich?

Die Frage: »Ich hatte eine Mittelohrentzündung mit Flüssigkeitsaustritt. Das Trommelfell war perforiert. Kann ich noch tauchen gehen?«

Eine akute Mittelohrentzündung entsteht häufig im Rahmen einer Erkältung. Durch eine Schwellung der Ohrtrompete wird das Mittelohr nicht mehr ausreichend belüftet, es entsteht Unterdruck, und Bakterien oder Viren können eine Entzündung auslösen. Nicht selten kommt es im Verlauf zu einer Trommelfellperforation mit Flüssigkeitsaustritt.

Während einer akuten Mittelohrentzündung gilt:

Striktes Tauchverbot!
Nach Abklingen der Entzündung bleibt häufig noch ein Erguss zurück. Dieser muss vollständig abgeheilt sein.

Risiken bei zu frühem Wiedereinstieg

  • Schmerzen beim Druckausgleich
  • erneute Entzündung
  • erneute Trommelfellverletzung
  • dauerhafte Belüftungsstörung

Das Mittelohrgewebe ist nach einer Entzündung oft noch empfindlich gegenüber Druckschwankungen.

Wann ist man wieder tauchtauglich?

  • Trommelfell vollständig verheilt
  • keine Restflüssigkeit im Mittelohr
  • freie Ohrtrompete
  • problemloser Druckausgleich

Eine Trommelfellperforation heilt häufig folgenlos ab. Dennoch sollte das Mittelohr mindestens sechs Wochen nicht belastet werden.
Vor Wiederaufnahme des Tauchens ist eine Kontrolle durch Hausarzt, HNO-Arzt oder Tauchmediziner zwingend empfohlen.

Typische Symptome einer Mittelohrentzündung sind:

  • Ohrenschmerzen
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Ohrgeräusche (Rauschen, Piepsen)
  • weißlich-gelblicher Ausfluss
  • Abgeschlagenheit

Bei entsprechenden Beschwerden sollte nicht getaucht werden.

Häufige Fragen

Darf man mit Paukenröhrchen tauchen?
Nein. Solange Paukenröhrchen im Trommelfell liegen, besteht keine Tauchtauglichkeit.
Wann darf man nach Paukenröhrchen wieder tauchen?
Erst nach vollständiger Heilung des Trommelfells und bei sicher funktionierendem Druckausgleich.
Wie lange sollte man nach einer Mittelohrentzündung pausieren?
Mindestens sechs Wochen und bis zur vollständigen ärztlich bestätigten Ausheilung.
Ist eine verheilte Trommelfellperforation ein dauerhaftes Tauchverbot?
Nein. Wenn das Trommelfell stabil verheilt ist und der Druckausgleich funktioniert, kann wieder getaucht werden.

Über den Experten
Dr. Dr. Philipp Stahl
Facharzt für Innere Medizin, Notfallmedizin, Tauchmedizin und Reisemedizin
Stellvertretender ärztlicher Leiter bei aqua med / Medical Helpline Worldwide
aqua med ist der medizinische Notruf für Taucher und organisiert weltweit Notfallassistenz, Druckkammerbehandlungen und medizinische Beratung.
Fragen an die Redaktion: [email protected]
Stichwort: »Hey Doc«

Dr. Dr. Philipp Stahl, MHW/aqua med

Weitere Teile der Serie »Sprechstunde für Taucher«:

Druckausgleich – was tun bei Problemen?
Tauchen mit Asthma
Bluthochdruck und Tauchsport
Medikamente und Tauchtauglichkeit