Forschungsschiff bei der Entnahme von Sedimentproben zur Analyse von Süßwasser im Meeresboden
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Süßwasser unter dem Meeresboden nachgewiesen

Forscher belegen erstmals große Süßwasservorkommen unter dem Meeresboden vor Neuengland. Bedeutung für Küsten, Wasserkreislauf und Geologie im Überblick.

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Forscher haben erstmals umfangreiche Süßwasservorkommen unter dem Meeresboden nachgewiesen. Die Entdeckung stammt vom Neuengland-Schelf vor der US-Ostküste und basiert auf direkten Proben aus Sedimenten. Der Artikel erklärt, wie diese Reserven entstehen, warum sie für Küstenregionen relevant sind und welche Rolle sie im globalen Wasserkreislauf spielen. Besonders interessant ist das Thema für wissenschaftlich interessierte Taucher und alle, die sich mit Meeresgeologie beschäftigen.

Was wurde unter dem Meeresboden entdeckt?

Erstmals konnten Wissenschaftler große Mengen an Süßwasser direkt unter dem Meeresboden nachweisen und beproben. Die Untersuchung fand vor der Küste Neuenglands (USA) statt und ist Teil der IODP³-NSF-Expedition 501.
Dabei wurden Sedimentkerne und Porenwasserproben aus dem Ozeanboden gewonnen. Die Analysen erfolgen aktuell im MARUM – Center for Marine Environmental Sciences der Universität Bremen in Zusammenarbeit mit internationalen Forschungsteams.
Der entscheidende Fortschritt: Das Phänomen war seit den 1970er-Jahren bekannt, konnte bislang jedoch nicht direkt dokumentiert werden.

Wie entsteht Süßwasser unter dem Ozeanboden?

Süßwasser unter dem Meeresboden stammt in der Regel aus früheren geologischen Zeiträumen. Während Eiszeiten lag der Meeresspiegel deutlich niedriger, sodass heutige Schelfgebiete trocken waren.
Regenwasser konnte damals in den Untergrund einsickern und sich dort speichern. Mit steigendem Meeresspiegel wurde dieses Wasser von Sedimenten überdeckt und konserviert.
Die aktuellen Untersuchungen zeigen, dass diese Reserven bis heute erhalten geblieben sind.

Karte des Neuengland-Schelfs mit Bohrpunkten zur Untersuchung von Süßwasser unter dem Meeresboden
Karte des Neuengland-Schelfs vor der US-Ostküste mit den Bohrstellen der IODP³-NSF-Expedition 501 zur Erforschung von Süßwasser im Meeresboden.

Welche Rolle spielen Aquifere und Aquitarde?

Die Struktur des Meeresbodens ist entscheidend für Speicherung und Bewegung des Wassers:
Aquifere – Bedeutung – Praxisbezug
Sandige Sedimentschichten – hohe Durchlässigkeit – ermöglichen Speicherung und Transport von Wasser
Aquitarde – Bedeutung – Praxisbezug
Tonige Schichten – geringe Durchlässigkeit – wirken als Barriere und halten Wasser zurück
Die Expedition konnte Süßwasser sowohl in durchlässigen als auch in dichten Schichten nachweisen. Insgesamt wurde eine bis zu 200 Meter mächtige Süßwasserzone dokumentiert.

Warum ist die Entdeckung wissenschaftlich relevant?

Die Funde liefern neue Erkenntnisse zur Hydrogeologie von Küstenregionen und zum globalen Wasserkreislauf.
Wichtige Aspekte:
Verständnis unterseeischer Grundwassersysteme
Einfluss auf chemische Prozesse im Ozean
Bedeutung für Nährstoffflüsse zwischen Land und Meer
neue Modelle zur Entwicklung von Küstenlandschaften
Die Daten helfen zudem, langfristige Veränderungen von Meeresspiegel und Klima besser zu rekonstruieren.

Welche Bedeutung hat das für Küstenregionen?

Die Entdeckung könnte langfristig auch praktische Relevanz haben, etwa für wasserarme Küstengebiete.
Allerdings gilt:
Förderung ist technisch komplex
ökologische Auswirkungen sind noch unklar
wirtschaftliche Nutzung derzeit nicht absehbar
Im Fokus steht daher zunächst die Grundlagenforschung.

Ist Süßwasser unter dem Meer nutzbar?

Kurzantwort: Derzeit nicht in relevantem Maßstab.
Zwar handelt es sich um große Vorkommen, doch ihre Nutzung wäre mit erheblichen technischen und ökologischen Herausforderungen verbunden. Zudem sind viele Lagerstätten tief im Sediment eingeschlossen.
Langfristig könnte die Forschung jedoch neue Perspektiven eröffnen, insbesondere in Regionen mit zunehmendem Wassermangel.

Wie wurde das Süßwasser nachgewiesen?

Die Wissenschaftler nutzten Bohrkerne und Porenwasseranalysen aus dem Meeresboden.
Dabei wurden:
Sedimentschichten detailliert untersucht
chemische Eigenschaften des Wassers analysiert
geologische Strukturen kartiert
Diese Kombination ermöglicht erstmals einen direkten Nachweis statt indirekter Hinweise.

Ist das Phänomen weltweit verbreitet?

Kurzantwort: Wahrscheinlich ja.
Ähnliche geologische Bedingungen existieren auf vielen Kontinentalschelfen weltweit. Bisher fehlten jedoch direkte Untersuchungen in ausreichender Tiefe.
Die aktuelle Expedition liefert erstmals belastbare Daten, die als Referenz für weitere Studien dienen.

Externe Quellen

MARUM – Center for Marine Environmental Sciences, Universität Bremen
– International Ocean Discovery Program (IODP)
National Science Foundation (NSF)

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Unser Experte:
Dr. Florian Huber berichtet über die Neuigkeiten aus der wissenschaftlichen Unterwasser-Welt. Er selbst ist Unter­wasser-Archäologe und Forschungstaucher (florian-huber.info).

Dr. Florian Huber (© Uli Kunz)
Dr. Florian Huber (© Uli Kunz)