TAUCHER Sprechstunde Tauchen nach COPD-Diagnose
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COPD und Tauchen: Wann Tauchuntauglichkeit vorliegt

COPD erhöht beim Tauchen das Risiko für Barotrauma und Gasembolien. Wann Tauchen medizinisch nicht mehr vertretbar ist und welche Ausnahmen gelten. In dieser Serie beantwortet der Tauchmediziner Dr. Dr. Philipp Stahl, MHW/aqua med Medical Board, Fragen rund um die Tauchtauglichkeit.

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COPD ist eine chronische Lungenerkrankung, die meist durch Rauchen verursacht wird und die Atemwege dauerhaft schädigt. Für Taucher kann die Erkrankung gefährlich werden, weil eingeschlossene Luft in der Lunge beim Auftauchen zu schweren Barotraumata führen kann. Internationale tauchmedizinische Leitlinien bewerten COPD mit Atemwegsobstruktion oder Lungenemphysem deshalb als klare Kontraindikation für den Tauchsport. Entscheidend für die Beurteilung sind Lungenfunktionstests. Im Einzelfall kann eine eingeschränkte Tauchtauglichkeit diskutiert werden. Die Entscheidung sollte immer durch einen tauchmedizinisch erfahrenen Arzt erfolgen.

Hey Doc, bin ich damit tauchtauglich? COPD und Tauchen

Die Leserfrage: »Hey Doc, ich klagte in den vergangenen sechs Monaten über zunehmenden Husten. Nun hat der Lungenarzt eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) festgestellt. Bis zu der Diagnose habe ich sehr viel geraucht. Das möchte ich nun versuchen aufzugeben. Kann ich weiterhin dem Tauchsport nachgehen? Wo kann ich eine Tauchtauglichkeit bekommen?«

Chronische Lungenerkrankungen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen älterer Taucher. Besonders relevant ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), die meist durch langjähriges Rauchen entsteht. Die Erkrankung verändert dauerhaft die Atemwege und kann beim Tauchen gefährliche Komplikationen verursachen. Entscheidend sind dabei nicht nur Beschwerden, sondern vor allem die Lungenfunktion und das Risiko eines pulmonalen Barotraumas. Internationale tauchmedizinische Leitlinien bewerten COPD mit Atemwegsobstruktion oder Lungenemphysem deshalb als klare Kontraindikation für den Tauchsport. In Einzelfällen kann lediglich eine chronische Bronchitis ohne nachweisbare Obstruktion unter engmaschiger Kontrolle beurteilt werden.

Rauchen und COPD
Langjähriges, intensives Rauchen ist für einen Großteil aller COPD-Erkrankungen verantwortlich.

Ursachen & Hintergründe

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD, ist eine fortschreitende Erkrankung der Atemwege. Hauptursache ist das Rauchen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind weltweit mehr als 210 Millionen Menschen betroffen. COPD zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt.

Charakteristisch ist eine dauerhafte Entzündung der Bronchien. Dadurch verengen sich die Atemwege, die Schleimproduktion nimmt zu und die Atmung wird erschwert. Zusätzlich kann ein sogenanntes Lungenemphysem entstehen. Dabei werden die Lungenbläschen überdehnt und verlieren ihre Elastizität. Die Folge ist ein schlechterer Gasaustausch und eine eingeschränkte Sauerstoffaufnahme.

Im Unterschied zum Asthma bronchiale sind die Veränderungen bei COPD in der Regel nicht vollständig rückbildungsfähig. Die Erkrankung schreitet häufig langsam fort.

Symptome

Typische Beschwerden sind:

  • chronischer Husten
  • vermehrter Auswurf
  • Belastungsluftnot
  • eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit

Im weiteren Verlauf kann es zu Sauerstoffmangel kommen. In schweren Stadien steigt zusätzlich der Kohlendioxidgehalt im Blut an.

Viele Betroffene bemerken erste Einschränkungen zunächst nur bei körperlicher Belastung. Gerade Taucher interpretieren Luftnot oder reduzierte Leistungsfähigkeit deshalb oft lange als mangelnde Fitness oder Alterserscheinung.

3D-Darstellung einer durch COPD geschädigten Lunge mit verengten Atemwegen und Emphysem-Veränderungen
3D-Visualisierung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) mit typischen Veränderungen der Atemwege und Lungenbläschen.

Risiken beim Tauchen

Für den Tauchsport ist COPD besonders problematisch, weil die Erkrankung die normale Luftzirkulation in der Lunge beeinträchtigt. Dadurch kann es beim Auftauchen zu sogenanntem Air Trapping kommen: Eingeschlossene Luft kann nicht mehr vollständig entweichen und dehnt sich während des Aufstiegs aus.

Dadurch steigt das Risiko für:

  • pulmonales Barotrauma
  • Pneumothorax (Lungenriss)
  • arterielle Gasembolie (AGE)

Gelangen Gasblasen in den arteriellen Kreislauf, können lebensbedrohliche Komplikationen auftreten, etwa Schlaganfälle oder Herz-Kreislauf-Störungen.

Zusätzlich besteht unter Belastung ein erhöhtes Risiko für Sauerstoffmangel unter Wasser. Bereits moderate körperliche Anstrengung kann dann zu akuter Luftnot, Kontrollverlust oder Panik führen.

Darfst du tauchen?

Internationale Fachgesellschaften wie UHMS, SPUMS, EUBS und GTÜM bewerten COPD weitgehend übereinstimmend.

Eine COPD mit:

  • nachgewiesener Atemwegsobstruktion
  • Lungenemphysem
  • deutlicher Überblähung der Lunge

gilt als absolute Kontraindikation für den Tauchsport.

Entscheidend ist dabei die Lungenfunktionsdiagnostik. Zur Beurteilung gehören insbesondere:

  • Spirometrie
  • gegebenenfalls Bodyplethysmographie

Eine reduzierte Einsekundenkapazität (FEV1 unter 80 Prozent) oder Hinweise auf Überblähung schließen eine Tauchtauglichkeit in der Regel aus.

Auch eine frühere Pneumothorax-Erkrankung gilt unabhängig vom aktuellen Zustand als absolute Kontraindikation.

Anders kann die Situation bei einer chronischen Bronchitis ohne nachweisbare Obstruktion aussehen. Wenn die Lungenfunktion unauffällig ist, kann im Einzelfall eine relative Tauchtauglichkeit diskutiert werden. Voraussetzung ist jedoch eine regelmäßige Kontrolle durch einen tauchmedizinisch erfahrenen Arzt.

Was du beachten solltest

Wenn bei dir COPD diagnostiziert wurde, solltest du nicht eigenständig entscheiden, ob weiteres Tauchen möglich ist. Maßgeblich sind nicht nur deine Beschwerden, sondern vor allem die objektiven Befunde der Lungenfunktion.

Wichtig sind:

  • vollständige tauchmedizinische Untersuchung
  • aktuelle Lungenfunktionsprüfung
  • Bewertung möglicher Begleiterkrankungen
  • konsequenter Rauchstopp

Gerade Begleiterkrankungen wie koronare Herzkrankheit oder Diabetes mellitus erhöhen das Risiko beim Tauchen zusätzlich.

Symbolbild für gesundheitsbewusstes und verantwortungsvolles Tauchen
Verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Gesundheit ist eine wichtige Grundlage für sicheres Tauchen.

Wann ärztlicher Rat nötig ist

Eine tauchmedizinische Untersuchung ist notwendig:

  • bei neu diagnostizierter COPD
  • bei chronischem Husten oder Luftnot
  • bei Leistungsknick unter Belastung
  • nach auffälligen Lungenfunktionswerten
  • vor einer geplanten Rückkehr zum Tauchsport

Die Beurteilung sollte möglichst durch einen tauchmedizinisch qualifizierten Arzt erfolgen.

Fazit

COPD gehört zu den wichtigsten chronischen Erkrankungen mit Relevanz für den Tauchsport. Die krankheitsbedingten Veränderungen der Lunge erhöhen das Risiko schwerer Tauchunfälle deutlich. Insbesondere Emphysem und Atemwegsobstruktion gelten nach internationalen Leitlinien als klare Kontraindikationen.

Im Fall der Leserfrage ist eine Fortführung des Tauchsports medizinisch nicht vertretbar. Nur bei einer chronischen Bronchitis ohne nachweisbare Einschränkung der Lungenfunktion kann in Einzelfällen eine eingeschränkte Tauchtauglichkeit diskutiert werden – immer unter enger fachärztlicher Kontrolle.

Weitere Teile der Serie

– Tauchen mit Diabetis Mellitus – was möglich ist
– Tauchtauglichkeit – Ablauf, Nutzen und Kritik
– Tauchen mit Paukenröhrchen und Mittelohrentzündung
– Tauchen mit Bluthochdruck – wann ist man tauchtauglich
– Tauchen mit Asthma – ist ein Tauchkurs möglich?
– Tauchen mit PFO – was bedeutet das für Taucher
– Angststörung und Tauchen – geht das?

Externe Quellen

Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM)
Undersea and Hyperbaric Medical Society (UHMS)
European Underwater and Baromedical Society (EUBS)
World Health Organization (WHO)

Du hast auch eine Frage zur Tauchtauglichkeit? Schreib uns an redaktion@tauchen.de mit dem Stichwort »Sprechstunde« und wir leiten deine Frage an unseren Experten Dr. Dr. Philipp Stahl von aqua med weiter.

FAQ zum Thema Tauchen und COPD

Ist COPD beim Tauchen gefährlich?
Ja. COPD kann das Risiko für schwere Komplikationen beim Tauchen deutlich erhöhen. Besonders problematisch sind Luftüberblähungen der Lunge, weil eingeschlossene Luft beim Auftauchen zu einem Barotrauma oder einer arteriellen Gasembolie führen kann.

Darf man mit COPD noch tauchen?
In den meisten Fällen nein. Eine COPD mit nachgewiesener Atemwegsobstruktion oder Lungenemphysem gilt nach internationalen tauchmedizinischen Leitlinien als Kontraindikation für den Tauchsport.

Gibt es Ausnahmen?
Nur eingeschränkt. Liegt lediglich eine chronische Bronchitis ohne messbare Einschränkung der Lungenfunktion vor, kann im Einzelfall eine relative Tauchtauglichkeit diskutiert werden. Voraussetzung ist eine Untersuchung durch einen tauchmedizinisch erfahrenen Arzt.

Welche Untersuchungen sind notwendig?
Zur Beurteilung gehören insbesondere:
– Spirometrie
– gegebenenfalls Bodyplethysmographie
– Belastungsuntersuchungen
– tauchmedizinische Untersuchung
Entscheidend sind die objektiven Lungenfunktionswerte.

Kann sich die Lungenfunktion nach Rauchstopp verbessern?
Ein Rauchstopp kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und Beschwerden verbessern. Bereits entstandene strukturelle Schäden der Lunge bilden sich jedoch meist nicht vollständig zurück.

Wo bekomme ich eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung?
Tauchtauglichkeitsuntersuchungen werden von tauchmedizinisch qualifizierten Ärzten durchgeführt, etwa nach den Empfehlungen der GTÜM. Wichtig ist, dass dabei eine vollständige Lungenfunktionsdiagnostik erfolgt.

Dieser Artikel erschien in der TAUCHEN-Ausgabe 12/25 und wurde redaktionell für die Webfassung angepasst.