Nach dem schweren Tauchunfall im Höhlensystem von Dhekunu Kandu beziehungsweise »Alimathà Cave« auf den Malediven im Vaavu-Atoll laufen die Untersuchungen weiter. Fünf italienische Taucher kamen am 14. Mai ums Leben, später starb ein Angehöriger der maledivischen Streitkräfte während der Recovery-Operation. TAUCHEN arbeitet derzeit an einem ausführlichen Hintergrundbericht zur technischen, organisatorischen und regulatorischen Einordnung des Falls.
Warum wir bislang bewusst zurückhaltend berichtet haben
Der schwere Tauchunfall im Höhlensystem von Dhekunu Kandu beziehungsweise »Alimathà Cave« auf den Malediven beschäftigt seit Tagen die internationale Tauchszene. Fünf italienische Taucher kamen bei dem Vorfall am 14. Mai ums Leben, später starb zudem ein Angehöriger der maledivischen Streitkräfte während der Recovery-Operation.
TAUCHEN hat sich bislang bewusst dagegen entschieden, die teils stark emotionalisierte und spekulative Berichterstattung vieler internationaler Medien zu übernehmen.
Kein gewöhnlicher Deep Dive
Bei dem Tauchplatz handelt es sich nicht um einen klassischen Sporttauchspot, sondern um ein technisch anspruchsvolles Höhlensystem mit Eingangstiefen um 55 bis 60 Meter und einem etwa 260 Meter langem Höhlenverlauf. Innerhalb der Höhle gibt es einige Tiefenveränderungen mit Tiefen von über 60 Metern. Die Höhle kann in drei Kammern unterteilt werden, wobei man den Ausgang nicht mehr sieht, wenn man sich tief darin befindet. Auch gibt es einige enge Passagen innerhalb des Höhlensystems. Der Höhlengrund besteht hauptsächlich aus sandigem Untergrund.
Der maledivische Tech-Taucher und frühere Militärtaucher Shafraz Naeem (»Shaff«), der die Höhle nach eigenen Angaben selbst dutzende Male betaucht hat, beschreibt die Umgebung als hochkomplexes Overhead-Environment mit Tunnelstrukturen, Restriktionen und erheblichem Risiko für Kaskadenprobleme unter Stressbedingungen.
Gleichzeitig scheint die Höhle innerhalb der lokalen Szene seit Jahren bekannt gewesen zu sein — ein Umstand, der nun auch Fragen zur Wahrnehmung solcher Spots zwischen Deep-Recreational- und Technical-Diving aufwirft.
Erfahrene Taucher und Wissenschaftler
Bei den Opfern handelte es sich nicht um unerfahrene Urlaubstaucher. Mehrere Mitglieder der Gruppe waren wissenschaftlich im marinen Bereich tätig und verfügten über umfangreiche Taucherfahrung. Medienberichten zufolge konnten einige der Opfer auf Taucherfahrung aus mehreren tausend Tauchgänge zurück blicken.
Internationale Recovery-Operation
Die anschließende Bergung entwickelte sich zu einer hochkomplexen technischen Recovery-Operation.
Zum Einsatz kamen unter anderem:
- Closed-Circuit-Rebreather,
- Unterwasser-Scooter (DPVs),
- spezialisierte Cave- und Deep-Recovery-Taucher,
- sowie internationale Support-Teams.
Die Einsätze erfolgten in enger Zusammenarbeit zwischen lokalen Behörden, der Maldives National Defence Force (MNDF) und internationalen Spezialisten von DAN Europe.
Viele Fragen weiterhin offen
Bislang gibt es keine offiziellen Angaben zur konkreten Unfallursache. Alle verunfallten Personen konnte geborgen werden.
Innerhalb der internationalen Tauchszene werden derzeit verschiedene Faktoren diskutiert, darunter:
- Tiefenrausch,
- Stress- und Kaskadeneffekte,
- Strömung,
- Sichtverlust,
- Gasmanagement,
- sowie mögliche Probleme mit verunreinigten Atemgasen.
Welche Rolle einzelne Faktoren tatsächlich gespielt haben, ist derzeit jedoch völlig offen und noch Gegenstand der Untersuchungen.
Beileid
Bei aller technischen Diskussion darf nicht vergessen werden, dass sechs Menschen ihr Leben verloren haben — fünf Taucher und ein Angehöriger der maledivischen Streitkräfte. Unsere Gedanken sind bei den Familien, Freunden und Kollegen der Verstorbenen.
Hintergrundbericht in TAUCHEN 08/26
Der Fall wirft zahlreiche Fragen auf, die weit über einen einzelnen Tauchunfall hinausgehen:
- Wie wird technisches Tauchen auf den Malediven tatsächlich gehandhabt?
- Wo verlaufen die Grenzen zwischen Deep-Recreational- und Technical-Diving?
- Welche Rolle spielten Gaswahl, Ausüstung und fehlende Höhlentauch-Erfahrung?
- Und wo liegen die Schwierigkeiten von komplexen Recovery-Einsätze in tiefen Overhead-Umgebungen?
TAUCHEN arbeitet derzeit an einem ausführlichen Hintergrundbericht mit zusätzlichen Recherchen, technischen Einordnungen und Stimmen aus der internationalen Tauchszene.
Der Beitrag erscheint in TAUCHEN 08/26.
Quellen: DAN Europe, ANSA und eigene Recherchen.