Taucher mit frisch erlegtem Feuerfisch während eines Tauchgangs auf Curaçao
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Feuerfisch auf Curaçao: Warum Taucher ihn jagen dürfen

Auf Curaçao wird der invasive Feuerfisch gezielt bejagt. Wie Taucher damit Riffe schützen, den Fisch verwerten und sogar Schmuck daraus herstellen.

Judith Rietveld
Archivfotos
Tobias Friedrich

Der Feuerfisch gilt in der Karibik als invasive Art und bedroht Korallenriffe und heimische Fischbestände. Auf Curaçao zeigen lokale Initiativen, wie Taucher durch gezielte Jagd zum Schutz des Ökosystems beitragen können – und wie aus dem Fang Lebensmittel und Schmuck entstehen.

Feuerfisch-Jagd auf Curaçao: Tauchen mit Sinn

Der Rotfeuerfisch beziehungsweise Koraalduivel zählt in der Karibik zu den größten Problemen für viele Korallenriffe. Auf Curaçao engagieren sich Taucher und lokale Initiativen deshalb seit Jahren für die gezielte Bejagung der invasiven Art. Die niederländische Taucherin und Unternehmerin Lisette Keus verbindet den Kampf gegen den Feuerfisch mit Umweltbildung, Kulinarik und nachhaltiger Verwertung.

Gemeinsam mit ihrer Initiative »Lionfish Caribbean« organisiert sie Workshops, bei denen Taucher lernen, Feuerfische sicher zu jagen, zuzubereiten und sogar Schmuck aus den Flossen herzustellen.

Nahaufnahme eines Rotfeuerfischs im Korallenriff
Der Feuerfisch zählt in der Karibik zu den problematischsten invasiven Arten.

Warum der Feuerfisch in der Karibik ein Problem ist

Der Feuerfisch stammt ursprünglich aus dem Indopazifik und kommt natürlicherweise nicht in der Karibik vor. Vermutlich gelangte die Art über Aquarienhaltungen in den Atlantik und breitete sich dort rasant aus.

Das Problem: In der Karibik besitzt der Feuerfisch kaum natürliche Feinde. Gleichzeitig vermehrt er sich extrem schnell und frisst große Mengen kleiner Rifffische. Genau diese Fischarten sind jedoch wichtig für gesunde Korallenriffe, weil sie unter anderem Algenbewuchs kontrollieren.

Durch die massive Ausbreitung geraten ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht. Zusätzlich stehen viele größere Raubfische durch die Fischerei bereits unter Druck, wodurch natürliche Regulationsmechanismen fehlen (Quelle).

Taucherinnen mit Ausrüstung und Zookeeper am Strand auf Curaçao
Teilnehmer lernen auf Curaçao den sicheren Umgang mit Feuerfischen.

Speerfischen nur für Feuerfische erlaubt

Auf Curaçao ist Speerfischen grundsätzlich verboten. Für die Jagd auf Feuerfische gelten jedoch Ausnahmen beziehungsweise Duldungen, da die invasive Art aktiv bekämpft werden soll.

Die Tiere verstecken sich häufig tief in Korallenspalten oder kleinen Höhlen. Deshalb werden spezielle Speere verwendet, mit denen Taucher gezielt einzelne Tiere entnehmen können, ohne das Riff zu beschädigen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der sogenannte »Zookeeper«. Dabei handelt es sich um einen stabilen Sammelbehälter, in dem die erlegten Feuerfische während des Tauchgangs sicher transportiert werden. Entwickelt wurde das System ursprünglich von einer Gruppe engagierter Taucher auf Curaçao, zu der auch Lisette Keus gehörte.

Früher wurden die Fische teilweise in einfachen Säcken gesammelt. Die giftigen Rückenstacheln konnten das Material jedoch leicht durchdringen. Der geschlossene Behälter reduziert das Verletzungsrisiko deutlich.

Taucher bringt gejagten Feuerfisch auf Curaçao in einen Zookeeper
Taucher bringt gejagten Feuerfisch auf Curaçao in einen Zookeeper

Feuerfisch-Jagd unter Wasser

Vor dem Tauchgang erhalten Teilnehmer eine ausführliche Einweisung. Dabei geht es nicht nur um den sicheren Umgang mit dem Speer, sondern auch um Tarierung, Schusstechnik und den Schutz des Riffs.

Unter Wasser zeigt sich schnell, wie aufmerksam erfahrene Feuerfischjäger suchen müssen. Die Tiere sind trotz ihrer auffälligen Zeichnung oft hervorragend zwischen Korallen verborgen.

Wird ein Feuerfisch entdeckt, nähert sich der Taucher vorsichtig und versucht, den Fisch mit einem gezielten Schuss zu treffen. Anschließend landet der Fang direkt im Zookeeper.

Gerade für unerfahrene Taucher erfordert das Präzision und Ruhe. Gleichzeitig entsteht ein unmittelbares Verständnis dafür, wie aufwendig die Kontrolle invasiver Arten tatsächlich ist.

Relevant sind dennoch basis-taucherrisches Können, wie eine sicherer Tariereung, damit das Riff nicht durch unabsichtliche Berührungen Schaden nimmt.

Rotfeuerfische tragen Gift in Brust- und Rückenflossen.
Rotfeuerfische tragen Gift in Brust- und Rückenflossen. Foto: Tobias Friedrich

Vom Problemfisch zur Delikatesse

Lange Zeit wussten nur wenige Menschen in der Karibik, dass Feuerfische essbar sind. Heute stehen sie zunehmend auf den Speisekarten lokaler Restaurants.

Der weiße Fisch gilt als fest, mild und hochwertig. Auf Curaçao werden daraus unter anderem Ceviche, Sashimi, Dumplings oder frittierte Varianten zubereitet.

Auch die sogenannten »Lionwings«, Teile des Brustbereichs, werden serviert und erinnern optisch an Chicken Wings.

Die vollständige Verwertung spielt dabei eine wichtige Rolle. Nur etwa 20 Prozent des Tieres bestehen aus klassischem Filet. Andere Bestandteile werden weiterverarbeitet, während Reste teilweise als Tierfutter genutzt werden.

Durch die kulinarische Nutzung entsteht ein zusätzlicher wirtschaftlicher Anreiz, Feuerfische gezielt zu entnehmen.

Zubereitete Gerichte aus Feuerfisch auf einem Teller
Feuerfisch wird auf Curaçao unter anderem als Ceviche und Dumpling serviert.

Schmuck aus Feuerfisch-Flossen

Ein besonderer Teil des Konzepts von »Lionfish Caribbean« ist die Weiterverarbeitung der Flossen. Nach dem Entfernen werden diese mehrere Tage in der Sonne getrocknet.

Besucherinnen vor einer großen Feuerfisch-Figur auf Curaçao
Die Initiative verbindet Meeresschutz, Kulinarik und Umweltbildung.

Anschließend entstehen daraus Ohrringe, Anhänger oder Armbänder. Die Flossen zeigen dabei unterschiedliche Muster und Farbkombinationen – von schwarz-beige bis rosa-schwarz.

In Workshops können Teilnehmer aus den eigenen Fängen individuelle Schmuckstücke herstellen. Damit wird aus der Jagd auf eine invasive Art gleichzeitig ein sehr persönliches Erinnerungsstück.

Getrocknete Feuerfischflossen für die Schmuckherstellung
Aus den getrockneten Flossen entstehen Ohrringe und andere Schmuckstücke.

Umweltbildung und lokale Beteiligung

Neben den Workshops engagiert sich Lisette Keus auch in der Aufklärung von Fischern, Restaurants und Touristen. Ziel ist es, Wissen über den sicheren Umgang mit Feuerfischen zu vermitteln und gleichzeitig die lokale Wirtschaft einzubinden.

Die Initiative plant inzwischen eine Ausweitung des Konzepts auf weitere Karibikinseln wie Bonaire. Gleichzeitig sollen Mitarbeiter stärker beteiligt werden und langfristig Anteile am Unternehmen übernehmen können.

Getrocknete Feuerfischflossen für die Schmuckherstellung
Aus den getrockneten Flossen entstehen Ohrringe und andere Schmuckstücke.

Warum Taucher eine wichtige Rolle spielen

Die Bekämpfung invasiver Arten wie des Feuerfischs zeigt, dass Taucher aktiv zum Meeresschutz beitragen können. Zwar lässt sich die Art in der Karibik kaum vollständig zurückdrängen, lokale Jagdprogramme können jedoch helfen, sensible Riffbereiche zu entlasten.

Für viele Taucher entsteht dadurch eine besondere Verbindung zwischen Naturschutz, nachhaltiger Nutzung und direktem Erleben unter Wasser.

Taucher mit frisch erlegtem Feuerfisch während eines Tauchgangs auf Curaçao
Die gezielte Jagd auf Feuerfische erfolgt meist mit speziellen Speeren.

Trotz kritischer Stimmen zur Vermarktung invasiver Arten gilt die gezielte Entnahme des Feuerfischs in der Wissenschaft weiterhin als wichtige Maßnahme zum Schutz karibischer Korallenriffe. Entscheidend ist dabei, wie solche Programme umgesetzt werden.

Initiativen wie »Lionfish Caribbean« auf Curaçao setzen nicht auf reine Trophäenjagd, sondern verbinden Naturschutz, Umweltbildung und nachhaltige Nutzung. Teilnehmer lernen, die Tiere kontrolliert und riffschonend zu entnehmen, den Fang vollständig zu verwerten und gleichzeitig ein Bewusstsein für die empfindlichen Ökosysteme der Karibik zu entwickeln. Damit entsteht ein praxisnahes Beispiel dafür, wie Tauchtourismus und Meeresschutz sinnvoll miteinander kombiniert werden können.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei duiken.nl. Der Text wurde mit Unterstützung von KI aus dem Niederländischen übersetzt und redaktionell für die Veröffentlichung auf tauchen.de überarbeitet und angepasst.

Quellen

Duiken.nl
Lionfish Caribbean
NOAA Fisheries
Science Direct / Enviromental Research

Häufige Fragen zum Feuerfisch in der Karibik

Warum gilt der Feuerfisch in der Karibik als Problem?
Der Feuerfisch stammt ursprünglich aus dem Indopazifik und ist in der Karibik eine invasive Art. Da natürliche Feinde fehlen, kann er sich stark vermehren und große Mengen kleiner Rifffische fressen. Dadurch geraten Korallenriffe aus dem Gleichgewicht.

Ist die Jagd auf Feuerfische erlaubt?
Auf Curaçao ist Speerfischen grundsätzlich verboten. Für die gezielte Entnahme invasiver Feuerfische gelten jedoch Ausnahmen beziehungsweise Duldungen im Rahmen von Schutzmaßnahmen.

Ist der Feuerfisch giftig?
Die Rückenstacheln des Feuerfischs enthalten Gift und können schmerzhafte Verletzungen verursachen. Das Fleisch selbst ist nach fachgerechter Verarbeitung jedoch problemlos essbar.

Kann man Feuerfisch essen?
Ja. Der Fisch gilt sogar als Delikatesse. Auf Curaçao wird er unter anderem als Ceviche, Sashimi, Dumpling oder frittiert serviert.

Hilft die Jagd wirklich beim Schutz der Riffe?
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die gezielte Entnahme lokale Feuerfischbestände deutlich reduzieren kann. Vor allem an stark betauchten Riffen trägt dies zum Schutz heimischer Fischarten bei.

Warum werden aus den Flossen Schmuckstücke hergestellt?
Die Initiative auf Curaçao verfolgt einen nachhaltigen Ansatz, bei dem möglichst der gesamte Fisch verwertet wird. Aus den getrockneten Flossen entstehen unter anderem Ohrringe und Anhänger.

Können auch Urlaubstaucher an solchen Workshops teilnehmen?
Ja. Viele Programme richten sich ausdrücklich an Taucher ohne Jagderfahrung. Vor dem Tauchgang erhalten Teilnehmer eine ausführliche Einweisung zum sicheren und riffschonenden Umgang mit Speer und Feuerfisch.