Biologie Wissen

Korallen retten auf Curaçao: Taucher pflanzen Hoffnung

Auf Curaçao kämpft die BRANCH Coral Foundation gegen das Korallensterben – mit Korallengärten, Tauchern und viel Hoffnung für bedrohte Riffe.

Judith Rietveld

Korallenriffe weltweit stehen unter massivem Druck. Auf Curaçao versucht die BRANCH Coral Foundation, beschädigte Riffe aktiv zu restaurieren. Gründer Max van Aalst setzt dabei auf Korallengärten, Wissenschaft, Taucher und die lokale Gemeinschaft.

Korallen retten auf Curaçao: Taucher pflanzen Hoffnung

Korallenriffe gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde – und gleichzeitig zu den am stärksten bedrohten. Auch rund um Curaçao sind die Folgen von Klimawandel, steigenden Wassertemperaturen, Krankheiten und menschlichen Eingriffen längst sichtbar. Mit der BRANCH Coral Foundation versucht der Meeresbiologe und Tauchlehrer Max van Aalst deshalb, beschädigte Riffe aktiv wieder aufzubauen.

Die Stiftung kombiniert wissenschaftlich begleitetes Korallen-Restoration, Umweltbildung und Community-Arbeit. Taucher und Freiwillige helfen dabei, neue Korallen anzuziehen, auszupflanzen und langfristig stabile Riffstrukturen entstehen zu lassen.

Taucher arbeiten an Korallenbäumen in einer Unterwasser-Nursery
In speziellen Unterwasser-Nurseries wachsen junge Korallenfragmente heran.

Vom faszinierenden »Stein« zur Lebensaufgabe

Max van Aalst lebt seit seiner Kindheit auf Curaçao. Schon früh verbrachte er viel Zeit im Meer und war fasziniert von den vermeintlich bunten »Steinen« am Meeresboden. Später erkannte er, dass es sich dabei um lebende Korallen handelte – ein Moment, der seine berufliche Richtung prägen sollte.

Nach einem Studium der Meeresbiologie in den Niederlanden kehrte er nach Curaçao zurück. Dort musste er beobachten, wie die Riffe, mit denen er aufgewachsen war, zunehmend geschädigt wurden.

Aus diesem Eindruck entstand 2022 die BRANCH Coral Foundation. Der Name steht für »Building Reefs and Nurseries for Coral Habitats«.

Portrait von Meeresbiologe und BRANCH-Gründer Max van Aalst
Der Meeresbiologe Max van Aalst gründete die Stiftung 2022 auf Curaçao.

Warum Korallenriffe so wichtig sind

Korallenriffe bedecken nur einen kleinen Teil der Ozeane, gehören aber zu den wichtigsten Ökosystemen überhaupt. Schätzungen zufolge bieten sie Lebensraum für rund ein Viertel aller marinen Arten.

Gleichzeitig schützen sie Küsten vor Erosion und Wellenenergie, stabilisieren lokale Fischbestände und sind wirtschaftlich enorm bedeutend – etwa für Fischerei und Tauchtourismus.

Doch weltweit stehen Korallen unter Druck:

  • steigende Meerestemperaturen,
  • Korallenbleiche,
  • Krankheiten,
  • Überfischung,
  • Küstenbebauung,
  • Verschmutzung.

Auch in der Karibik sind viele Riffe stark geschädigt.

Wie Korallen-Restoration auf Curaçao funktioniert

Die Projekte der BRANCH Coral Foundation basieren vor allem auf sogenanntem »Coral Gardening«. Dabei werden gesunde Korallenfragmente gesammelt und zunächst in Unterwasser-Nurseries weitergezüchtet.

Die Fragmente hängen an speziellen »Korallenbäumen« aus PVC und Aluminium. Dort wachsen sie geschützt weiter, bis sie groß genug sind, um wieder ins Riff eingesetzt zu werden.

Nach etwa sechs Monaten werden die jungen Korallen ausgepflanzt. Dafür werden Gestelle im Meeresboden verankert und mit den Korallenfragmenten bestückt. Mit der Zeit wachsen die einzelnen Fragmente zusammen und bilden neue stabile Strukturen.

Nach Angaben der Stiftung entstehen pro Korallenbaum jährlich etwa 160 neue Korallen. Die Überlebensrate der ausgepflanzten Korallen liegt laut BRANCH bei über 90 Prozent.

Mit Coral Gardening sollen geschädigte Riffe stabilisiert werden.

Taucher als Teil der Lösung

Ein zentraler Bestandteil der Arbeit ist die Einbindung von Tauchern und Freiwilligen. Ohne sie wären viele Projekte kaum umsetzbar.

Die Helfer unterstützen unter anderem bei:

  • der Reinigung der Korallen-Nurseries,
  • der Entfernung von Algen,
  • der Pflege der Korallenbäume,
  • dem Auspflanzen neuer Fragmente,
  • dem Aufbau zusätzlicher Restaurationsflächen.

Viele Taucher erleben dabei erstmals direkt, wie aufwendig Korallenrestauration tatsächlich ist – und wie empfindlich die Ökosysteme reagieren.

Schüler und Praktikanten bei einem Workshop der BRANCH Coral Foundation
Praktikanten und Schüler unterstützen die wissenschaftliche Arbeit der Stiftung.

Wissenschaft, Bildung und lokale Beteiligung

Neben praktischer Restaurationsarbeit setzt BRANCH stark auf Umweltbildung. Schulen, Freiwillige, Praktikanten und internationale Partner werden bewusst eingebunden.

Praktikanten aus wissenschaftlichen Einrichtungen helfen dabei, die Projekte datenbasiert zu überwachen. Digitale Monitoring-Systeme dokumentieren Wachstum, Gesundheit und Entwicklung der Korallen.

Langfristig möchte die Stiftung nicht nur neue Korallenflächen schaffen, sondern auch das Bewusstsein für den Schutz der Riffe stärken.

Hoffnung trotz Klimakrise

Weltweit zeigen viele Studien, dass Korallenriffe durch die Erwärmung der Ozeane massiv bedroht sind. Restaurationsprojekte allein können diese Entwicklung nicht stoppen.

Dennoch sehen viele Wissenschaftler in lokalen Schutzmaßnahmen einen wichtigen Beitrag:

  • geschädigte Bereiche können stabilisiert werden,
  • Biodiversität kann lokal erhalten bleiben,
  • Widerstandsfähigkeit einzelner Riffe steigt,
  • Bewusstsein in Bevölkerung und Tourismus wächst.

Auch Max van Aalst bleibt trotz der Herausforderungen vorsichtig optimistisch. Für ihn zeigt die Arbeit auf Curaçao vor allem eines: Dass aktive Restaurierung messbare Erfolge erzielen kann.

Warum das auch für Taucher relevant ist

Für viele Taucher verändert sich der Blick auf Korallenriffe, sobald sie Restaurationsprojekte aus nächster Nähe erleben. Statt das Riff nur als Kulisse wahrzunehmen, wird sichtbar, wie komplex und verletzlich diese Ökosysteme sind.

Gleichzeitig zeigen Projekte wie BRANCH, dass Taucher nicht nur Beobachter sein müssen. Sie können aktiv dazu beitragen, beschädigte Lebensräume zu erhalten und Wissen über Meeresschutz weiterzugeben.

Kritische Stimmen zur Korallen-Restauration

Trotz vieler positiver Entwicklungen sehen einige Wissenschaftler Korallen-Restoration auch kritisch. Restaurationsprojekte könnten zwar lokal helfen, lösen aber nicht die eigentlichen Ursachen des weltweiten Korallensterbens – insbesondere die Erwärmung der Meere.

Kritiker warnen deshalb davor, Korallenpflanzungen als alleinige Lösung darzustellen. Gleichzeitig gilt in der Forschung jedoch als weitgehend unstrittig, dass lokale Restaurationsmaßnahmen geschädigte Riffe stabilisieren und wichtige Rückzugsräume für marine Arten schaffen können.

Initiativen wie die BRANCH Coral Foundation verfolgen deshalb bewusst einen breiteren Ansatz: Neben der Wiederansiedlung von Korallen stehen Umweltbildung, wissenschaftliche Begleitung und die Einbindung der lokalen Gemeinschaft im Mittelpunkt.

Weitere Meeresschutzprojekte auf Curaçao findest du hier.

FAQ – Häufige Fragen zum Coral Gardening

Was ist Coral Gardening?
Beim Coral Gardening werden gesunde Korallenfragmente in speziellen Unterwasser-Nurseries gezüchtet und später wieder in geschädigte Riffe eingesetzt.

Warum sterben Korallenriffe weltweit?
Zu den wichtigsten Ursachen gehören steigende Meerestemperaturen, Korallenbleiche, Krankheiten, Verschmutzung, Überfischung und Küstenbebauung.

Können restaurierte Korallenriffe dauerhaft überleben?
Das hängt stark von den Umweltbedingungen ab. Lokale Restaurationsprojekte können Riffe stabilisieren, langfristig bleibt jedoch der Klimawandel die größte Herausforderung.

Können Urlaubstaucher bei solchen Projekten mithelfen?
Ja. Viele Organisationen auf Curaçao bieten Programme an, bei denen Taucher bei Pflege, Reinigung oder Auspflanzung unterstützen können.

Wie erfolgreich sind Korallen-Restaurationsprojekte?
Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Region und Methode. BRANCH gibt für die eigenen Projekte eine Überlebensrate von über 90 Prozent an.

Warum sind Korallenriffe für Taucher so wichtig?
Korallenriffe zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde und gehören zu den wichtigsten Tauchgebieten weltweit.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei duiken.nl. Der Text wurde mit Unterstützung von KI aus dem Niederländischen übersetzt und redaktionell für die Veröffentlichung auf tauchen.de überarbeitet und angepasst.

Quellen

Duiken.nl
BRANCH Coral Foundation
UNEP Coral Reef Unit