Krabben, Garnelen und andere Krebstiere bevölkern nahezu jedes Riff, jeden Sandboden und viele Küstenlebensräume. Wer ihre Merkmale kennt, entdeckt unter Wasser eine faszinierende Welt voller Tarnung, Symbiosen und überraschender Verhaltensweisen. Wir erklären Dir in diesem Beitrag, worauf du achten kannst für eine klare Bestimmung.
Gliederfüßer mit Panzer
Mit schnellen Zangen, schillernden Farben und oft verblüffender Tarnung gehören Krebstiere zu den spannenden Begegnungen unter Wasser. Manche reinigen Fische von Parasiten, andere lauern blitzschnell auf Beute oder verteidigen sich mit ungewöhnlichen Waffen.
Krustentiere gehören zur großen Gruppe der Gliederfüßer (Arthropoden). Ihr Körper wird von einem harten Außenskelett, dem sogenannten Carapax, geschützt, das regelmäßig abgestoßen und erneuert werden muss. Sie besitzen gegliederte Beine, Kiemen zur Atmung und meist zwei Paar Fühler.
Besonders häufig begegnen Taucherinnen und Taucher den Zehnfußkrebsen (Decapoda). Zu ihnen zählen Krabben, Garnelen, Einsiedlerkrebse und zahlreiche weitere Arten. Trotz ihrer Vielfalt lassen sie sich anhand weniger Merkmale unterscheiden: Körperform, Scherenbau, Augenstellung und Lebensweise geben oft entscheidende Hinweise.
Krabben – gepanzerte Läufer
Krabben erkennt man an ihrem kompakten Körperbau und dem breiten Panzer. Ihre Beine sind meist zum seitlichen Laufen angepasst, die Scheren dienen sowohl der Verteidigung als auch der Nahrungsaufnahme.
In Korallenriffen leben zahlreiche kleine Arten in enger Verbindung mit anderen Organismen. Porzellankrabben verstecken sich zwischen den Tentakeln von Anemonen, während Trapezkrabben dauerhaft in Korallenkolonien leben. Besonders auffällig sind Boxerkrabben, die kleine Seeanemonen in ihren Scheren tragen und diese wie lebende Waffen einsetzen.
Für die Bestimmung helfen vor allem die Form des Panzers, die Größe der Scheren und die Stellung der Augen.
Garnelen – flinke Feinarbeiter
Garnelen besitzen einen deutlich längeren Hinterleib und wirken insgesamt schlanker als Krabben. Viele Arten leben versteckt in Felsspalten, Korallen oder Anemonen.
Zu den bekanntesten Vertretern zählt die Putzergarnele (Lysmata amboinensis). Die rot-weiß gefärbten Tiere betreiben sogenannte Putzstationen, an denen sie Parasiten und abgestorbenes Gewebe von Fischen entfernen. Dieses Verhalten gehört zu den eindrucksvollsten Symbiosen im Riff.
Ebenfalls bemerkenswert sind Knallkrebse (Alpheus spp.). Eine ihrer Scheren ist stark vergrößert und erzeugt beim schnellen Zuschnappen einen lauten Knall sowie einen Druckstoß, der kleine Beutetiere betäuben kann.
Fangschreckenkrebse – die Schlagmeister
Zu den spektakulärsten Krebstieren gehören die Fangschreckenkrebse (Stomatopoda). Trotz ihres Namens sind sie keine echten Krabben oder Garnelen, sondern bilden eine eigene Tiergruppe.
Sie verfügen über hochentwickelte Augen und spezialisierte Fangarme. Dabei unterscheidet man zwei Grundtypen:
• Speerer, die mit dornenbesetzten Fangarmen Fische und andere Beutetiere aufspießen
• Schmetterer, die mit keulenartigen Fangwerkzeugen selbst harte Muschel- und Schneckenschalen aufbrechen können
Ihre Schlaggeschwindigkeit zählt zu den schnellsten Bewegungen im Tierreich. Gleichzeitig machen ihre Farbenpracht und ihr Verhalten sie zu beliebten Motiven der Unterwasserfotografie.
Tarnung, Symbiose und Verhalten
Viele Krebstiere sind hervorragend an ihre Umgebung angepasst. Zahlreiche Arten übernehmen die Farbe ihres Untergrunds oder imitieren Korallen, Schwämme oder Algen.
Partnergarnelen der Gattung Periclimenes leben häufig in enger Symbiose mit Seeanemonen, Seegurken oder Seeigeln. Andere Arten verbringen ihr gesamtes Leben in unmittelbarer Nähe ihres Wirtsorganismus.
Auch das Verhalten hilft bei der Bestimmung. Putzergarnelen bewegen ihre langen Fühler auffällig rhythmisch, um Fische anzulocken. Krabben zeigen bei Störungen häufig Drohgebärden mit erhobenen Scheren. Fangschreckenkrebse wiederum verharren oft regungslos vor ihren Wohnhöhlen und beobachten ihre Umgebung.
Bestimmung unter Wasser
Für die Identifizierung lohnt es sich, nicht nur auf die Farbe zu achten. Häufig sind Körperform, Scherenbau oder das Verhalten wesentlich aussagekräftiger.
Hilfreiche Fragen bei der Beobachtung:
• Lebt das Tier offen oder versteckt?
• Befindet es sich auf Sand, Korallen oder Schwämmen?
• Sind die Scheren gleich groß oder unterschiedlich entwickelt?
• Wie sind Augen und Fühler angeordnet?
Für Fotografen gilt: Ruhe bewahren und auf eine zurückhaltende Beleuchtung achten. Viele Krebstiere reagieren empfindlich auf starke Lichtquellen oder hektische Bewegungen. Seitliches Licht betont Strukturen und Oberflächen besonders gut. Bei Nachttauchgänge besser rotes Licht zu Fokussieren verwenden.
Verwechslungsgefahr
Nicht jedes Tier mit Scheren ist automatisch eine Krabbe.
Einsiedlerkrebse gehören ebenfalls zu den Zehnfußkrebsen, besitzen jedoch einen weichen, spiralig gedrehten Hinterleib. Zum Schutz bewohnen sie leere Schneckengehäuse. Oft sind ihre Scheren unterschiedlich groß ausgebildet.
Auch juvenile Entwicklungsstadien oder Larvenformen können die Bestimmung erschweren. Hier helfen vor allem die Körperproportionen und die Anordnung der Beine.
Häufige Arten und ihre Merkmale
Putzergarnele (Lysmata amboinensis)
Der Klassiker an vielen Putzstationen tropischer Riffe. Die auffälligen weißen Längsstreifen auf rotem Grund machen die Art leicht erkennbar. Sie entfernt Parasiten und abgestorbenes Gewebe von Fischen.
Knallkrebs (Synalpheus sp.)
Charakteristisch ist die stark vergrößerte Schere. Durch schnelles Zuschnappen erzeugt sie einen Druckstoß und einen deutlich hörbaren Knall.
Boxerkrabbe (Lybia tessellata)
Diese kleine Krabbe trägt Seeanemonen wie kleine Pompons in ihren Scheren. Die Anemonen dienen sowohl der Verteidigung als auch dem Nahrungserwerb.
Trapezkrabbe (Trapezia rufopunctata)
Sie lebt zwischen den Ästen von Steinkorallen, insbesondere der Gattungen Pocillopora und Stylophora. Dort verteidigt sie ihre Korallenwirte aktiv gegen Fressfeinde.
Fangschreckenkrebs (Odontodactylus scyllarus)
Einer der bekanntesten Fangschreckenkrebse. Die Art ist für ihre leuchtenden Farben, ihre außergewöhnlichen Augen und ihre enorme Schlagkraft bekannt. International wird sie häufig als »Mantis Shrimp« bezeichnet.
Vorschau Teil 7
Schwämme & sesshafte Tiere – Wer lebt da festgewachsen?
Im nächsten Teil der Serie geht es um Schwämme, Seescheiden und andere sessile Organismen. Sie bewegen sich nicht aktiv fort, prägen aber viele Lebensräume im Meer und zeigen eine erstaunliche Formen- und Artenvielfalt.
Bisher erschienen
▶ Teil 1: Korallen erkennen – Form schlägt Farbe
▶ Teil 2: Fische identifizieren und einordnen
▶ Teil 3: Pflanzen und Algen im Meer unterscheiden
▶ Teil 4: Meeresschildkröten – die 7 Arten sicher unterscheiden
▶ Teil 5: Nacktschnecken & Co. – Farben, Formen und Tarnkünstler
FAQ – Krabben und Garnelen bestimmen
Wie unterscheidet man Krabben und Garnelen unter Wasser?
Krabben besitzen einen breiten, kompakten Körper mit kurzem Hinterleib, der unter den Panzer eingeklappt ist. Garnelen sind deutlich schlanker gebaut und verfügen über einen langen, beweglichen Hinterleib mit fächerförmigem Schwanz. Auch die Fortbewegung unterscheidet sich: Krabben laufen meist über den Untergrund, während Garnelen häufig schwimmen oder ruckartig zurückschießen.
Was machen Putzergarnelen an einer Putzstation?
Putzergarnelen entfernen Parasiten, abgestorbene Haut und Schleim von Fischen. Mit ihren langen weißen Fühlern signalisieren sie ihre Bereitschaft zur Reinigung. Selbst große Raubfische dulden die kleinen Garnelen während dieser Arbeit und profitieren von der Parasitenentfernung.
Sind Fangschreckenkrebse echte Krabben?
Nein. Fangschreckenkrebse gehören zur Ordnung der Stomatopoda und sind keine echten Krabben. Sie bilden eine eigene Gruppe innerhalb der Krebstiere. Bekannt sind sie für ihre außergewöhnlichen Augen und ihre extrem schnellen Fangarme, mit denen sie Beute aufspießen oder hartschalige Tiere zerschlagen können.
Warum leben viele Krebstiere in Symbiose mit anderen Meerestieren?
Symbiosen bieten beiden Partnern Vorteile. Garnelen finden zwischen Anemonen, Korallen oder Seeigeln Schutz vor Fressfeinden. Im Gegenzug reinigen sie ihre Wirte, entfernen Parasiten oder verteidigen sie gegen Angreifer. Solche Partnerschaften gehören zu den häufigsten und spannendsten Beziehungen in tropischen Korallenriffen.
Externe Quellen:
Smithsonian Institution: Faszinierende Einblicke in die außergewöhnlichen Augen und die Biologie von Fangschreckenkrebsen.
Aquarium of the Pacific: Steckbrief zur Putzergarnele (Lysmata amboinensis) und ihrem Verhalten an Putzstationen.
Animal Diversity Web (University of Michigan): Wissenschaftliche Informationen zum Fangschreckenkrebs Odontodactylus scyllarus. The
Royal Society – Biology Letters: Studie zum Verhalten von Putzergarnelen gegenüber verschiedenen Fischarten.