Fünf Wochen auf einem Segelschiff, die Drake-Passage, Eisberge und Begegnungen mit Buckelwalen, Seeleoparden und Pinguinen: Diese Expedition zeigt die Antarktis aus der Perspektive von Schnorchlern – in einer der extremsten Unterwasserwelten unseres Planeten.
Antarktis: Schnorcheln im ewigen Eis
Die Antarktis liegt rund um den Südpol und ist vom Südlichen Ozean umgeben. Für viele gilt sie als letzter großer Naturraum der Erde. Eine fünfwöchige Expedition führte eine internationale Crew mit dem Segelschiff »Vinson of Antarctica« von Puerto Williams in Chile über die Drake-Passage bis an die eisige Küste des antarktischen Kontinents. Dort wartete keine klassische Tauchreise, sondern eine außergewöhnliche Schnorchelexpedition in einer Landschaft aus Eis, Stille und faszinierenden Tierbegegnungen.
Eine Crew auf dem Weg ans Ende der Welt
Zwölf Menschen aus sieben Nationen teilten sich für fünf Wochen ein Segelschiff. Fotografen, Segler, Abenteurer und Naturliebhaber wurden unterwegs zu einer eingespielten Crew. Das Schiff wurde dabei weit mehr als nur Transportmittel – es war Zuhause, Werkstatt und Ausgangspunkt für Erlebnisse, die sich kaum in Worte fassen lassen.
Das eigentliche Ziel der Reise lag jedoch nicht an Deck, sondern unter der Wasseroberfläche.
Statt klassischer Gerätetauchgänge stand Schnorcheln im Mittelpunkt. Mit Trockenanzügen und spezieller Kälteschutzausrüstung tauchten die Teilnehmer in eine Unterwasserwelt ein, die nur wenige Menschen jemals erleben.
Selbst erfahrene Taucher vermissten dabei keine Druckluftflasche. Oft genügte es, lautlos an der Oberfläche zu treiben und Teil dieser außergewöhnlichen Umgebung zu werden.
Durch die Drake-Passage in eine andere Welt
Der Startpunkt der Expedition war Puerto Williams im Süden Chiles. Von dort führte der Kurs zunächst nach Kap Hoorn und anschließend durch die berüchtigte Drake-Passage.
Drei Tage lang bestimmten hohe Wellen, starker Wind und Schiffsbewegungen den Alltag. Das Bordleben folgte einem festen Rhythmus aus Wachzeiten und kurzen Ruhephasen. Schlaf wurde zur Nebensache.
Am vierten Morgen änderte sich alles. Der Wind ließ nach, das Meer beruhigte sich und am Horizont erschien der erste Eisberg. Auf seiner weißen Oberfläche standen drei Pinguine. Niemand sagte etwas. Die Antarktis begrüßte ihre Besucher auf ihre ganz eigene Weise.
Schnorcheln in der Antarktis
Schnorcheln in der Antarktis ist keine spontane Aktivität. Das Wasser erreicht Temperaturen bis etwa minus 1,5 Grad Celsius und verlangt sorgfältige Vorbereitung.
Vor jedem Einstieg werden Wetter, Wind, Wellengang und Sichtverhältnisse geprüft. Anschließend folgt die Kontrolle der Ausrüstung. Trockenanzüge, Manschetten, Handschuhe und mehrere isolierende Kleidungsschichten bilden den einzigen Schutz gegen die extreme Kälte.
Der Einstieg erfolgt langsam und kontrolliert. Nach dem ersten Kälteschock rückt die Umgebung in den Mittelpunkt. Unter den Eisschollen entstehen faszinierende Lichtspiele, während das Eis knackt und sich die Geräusche der antarktischen Landschaft unter Wasser fortsetzen.
Begegnung mit Buckelwalen
Eine der eindrucksvollsten Begegnungen ereignete sich mit zwei Buckelwalen (Megaptera novaeangliae).
Fast lautlos glitten die mehrere Meter langen Meeressäuger unter einer Schnorchlerin hindurch. Die Tiere bewegten sich ruhig und ohne Hast. Einer der Wale drehte sich leicht zur Seite und blickte die Beobachterin direkt an.
Der Moment dauerte nur wenige Sekunden, hinterließ jedoch einen bleibenden Eindruck. Die Begegnung wirkte weder spektakulär noch dramatisch, sondern erstaunlich ruhig und respektvoll.
Wenn Pinguine durchs Wasser fliegen
Regelmäßig kreuzten Eselspinguine (Pygoscelis papua) den Weg der Schnorchler. Unter Wasser wirken die Tiere nahezu schwerelos. Mit hoher Geschwindigkeit schießen sie durch das Meer, wechseln blitzschnell die Richtung und springen immer wieder elegant durch die Wasseroberfläche.
Für Fotografen stellen sie eine besondere Herausforderung dar. Kaum erscheint ein Motiv im Sucher, ist es bereits wieder verschwunden.
Auge in Auge mit einem Seeleoparden
Zu den eindrucksvollsten Erlebnissen gehörte die Begegnung mit einem Seeleoparden (Hydrurga leptonyx). Das große Raubtier tauchte lautlos aus der Tiefe auf und näherte sich neugierig einer Schnorchlerin. Statt hektischer Bewegungen entwickelte sich eine ruhige Begegnung. Der Seeleopard umrundete den Menschen mehrfach und bestimmte jederzeit selbst den Abstand.
Obwohl Seeleoparden zu den Spitzenprädatoren der Antarktis zählen und unter anderem Pinguine sowie junge Robben jagen, wirkte die Situation nicht bedrohlich. Entscheidend war der respektvolle Abstand und das ruhige Verhalten der Gruppe.
Leben zwischen Eis, Sturm und Polarhimmel
Das Leben an Bord war geprägt von engem Zusammenleben und wechselnden Wetterbedingungen. Eisfelder, Wind und technische Herausforderungen gehörten zum Alltag.
Gleichzeitig entstanden Momente, die den Charakter der Expedition ausmachten: Gespräche bei heißem Tee, lange Abende unter dem Polarhimmel und das Knacken des Eises am Schiffsrumpf.
Für den Fotografen der Expedition stand dabei nicht allein das perfekte Bild im Vordergrund. Seine Aufnahmen dokumentieren Begegnungen mit Walen, Pinguinen und Robben ebenso wie die besondere Atmosphäre eines Ortes, an dem sich Natur und Mensch auf ungewöhnliche Weise begegnen.
Fazit
Die Antarktis beeindruckt nicht durch spektakuläre Attraktionen, sondern durch ihre Ursprünglichkeit. Wer hier schnorchelt oder taucht, erlebt eine Landschaft, in der Eis, Meer und Tierwelt den Rhythmus bestimmen.
Begegnungen mit Buckelwalen, Seeleoparden und Pinguinen gehören zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen, die der Südliche Ozean bieten kann. Die Expedition zeigt zugleich, dass Abenteuer nicht zwangsläufig in großer Tiefe stattfinden müssen – manchmal genügt es, an der Wasseroberfläche zu treiben und Teil dieser außergewöhnlichen Welt zu werden.
Hinweis: Dieser Beitrag erschien erstmals in TAUCHEN 02/2026.
Autor: Lars von Ritter Zahony. Für die Veröffentlichung auf tauchen.de wurde der Text redaktionell überarbeitet und an das Webformat angepasst.
Externe Quellen
- Antarctic Treaty Secretariat: https://www.ats.aq/
- IAATO – International Association of Antarctica Tour Operators: https://iaato.org/
- British Antarctic Survey: https://www.bas.ac.uk/
- National Geographic – Antarctica: https://www.nationalgeographic.com/environment/topic/antarctica
Häufige Fragen zum Schnorcheln in der Antarktis
Kann man in der Antarktis schnorcheln?
Ja. Spezialisierte Expeditionsanbieter bieten Schnorchelausflüge in der Antarktis an. Voraussetzung sind Trockenanzug, geeignete Kälteschutzausrüstung und eine intensive Einweisung. Die Aktivitäten finden nur bei sicheren Wetter- und Eisbedingungen statt.
Wie kalt ist das Wasser in der Antarktis?
Die Wassertemperatur liegt je nach Region und Jahreszeit zwischen etwa -1,8 und +2 °C. Durch den Salzgehalt des Meerwassers gefriert es erst unterhalb von 0 °C.
Braucht man Taucherfahrung zum Schnorcheln in der Antarktis?
Nicht zwingend. Viele Expeditionen richten sich an geübte Schnorchler. Erfahrung mit Trockenanzügen und gute Kondition sind jedoch von Vorteil. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Veranstalter.
Welche Tiere kann man in der Antarktis beobachten?
Mit etwas Glück begegnen Besucher Buckelwalen, Zwergwalen, Eselspinguinen, Adeliepinguinen, Seeleoparden, Weddellrobben, Krabbenfresserrobben sowie zahlreichen Seevögeln und Krill.
Wann ist die beste Reisezeit für die Antarktis?
Die Expeditionssaison dauert in der Regel von November bis März. In dieser Zeit herrscht antarktischer Sommer mit vergleichsweise milden Temperaturen, langen Tagen und guten Bedingungen für Tierbeobachtungen.
Wo starten Antarktis-Expeditionen?
Die meisten Reisen beginnen in Ushuaia (Argentinien) oder Puerto Williams (Chile). Von dort führt die Route über die Drake-Passage zur Antarktischen Halbinsel.
Ist Schnorcheln in der Antarktis sicher?
Ja, wenn die Aktivitäten von erfahrenen Expeditionsleitern begleitet werden. Wetter, Eisverhältnisse und Strömungen werden ständig bewertet, und alle Teilnehmer erhalten eine ausführliche Sicherheitseinweisung.
Warum lohnt sich Schnorcheln statt Gerätetauchen?
Schnorcheln ermöglicht intensive Begegnungen mit Walen, Pinguinen und Robben direkt an der Wasseroberfläche. Gleichzeitig entfällt der logistische Aufwand des Gerätetauchens, was bei Expeditionen in der Antarktis häufig von Vorteil ist.
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