Der Mares Abyss 22 Navy II und der Abyss 26 Classic stammen aus derselben Reglerfamilie, richten sich aber an unterschiedliche Einsatzbereiche. Im Praxistest überzeugten beide mit stabilem Atemkomfort. Der Navy II ist konsequent für sehr kaltes Wasser und hohe Belastung ausgelegt, während der 26 Classic als vielseitiger Allrounder für das Sporttauchen punktet. Für die meisten Taucher bietet der günstigere 26 Classic die sinnvollere Kombination aus Komfort, Ausstattung und Reserven.
Die zwei Regler
Zwei Atemregler aus derselben Produktfamilie, ein deutlicher Preisunterschied und eine zentrale Frage: Wie viel Reserve brauchst du tatsächlich?
Wir haben den Mares Abyss 22 Navy II und den Mares Abyss 26 Classic über mehrere Wochen unter unterschiedlichen Bedingungen getaucht. Vier Tauchgänge pro Regler führten uns im Geiseltalsee und Kulkwitzer See ebenso ins Wasser wie in die Bandasee vor Südsulawesi. Die Wassertemperaturen lagen zwischen 6 und 31 Grad Celsius, die maximale Testtiefe bei 40 Metern. Damit reichte das Spektrum vom kühlen mitteleuropäischen See bis zum tropischen Salzwasser.
Beide Regler wurden uns von Mares als komplette Sets mit Oktopus, Finimeter und weiterem Zubehör für den Test zur Verfügung gestellt.
Verarbeitung & Material
Schon beim Aufbau unterscheiden sich beide Sets deutlich.
Der Abyss 22 Navy II wirkt mit seiner MR22-Erststufe technisch und funktional. Die sandgestrahlte Oberfläche und die vergleichsweise offene Konstruktion sollen einen möglichst guten Wärmeaustausch ermöglichen. Die DIN-Version der ersten Stufe wiegt laut Mares 685 Gramm. Die zweite Stufe Abyss Navy II bringt ohne Schlauch 269 Gramm auf die Waage; mit dem im Test verwendeten Gummi-Mitteldruckschlauch sind es rund 429 Gramm.
Eine Besonderheit betrifft die Anschlüsse: Neben den üblichen 3/8-Zoll-Ports besitzt die MR22 für die Haupt-Zweitstufe einen 1/2-Zoll-Anschluss. Dieser dient zugleich als DFC-Abgang. Die zweite Stufe basiert auf der bekannten Abyss-Konstruktion, erhält beim Navy II jedoch zusätzlich eine Fluorpolymer-Beschichtung. Sie soll verhindern, dass sich Eiskristalle festsetzen, und gehört damit zum besonderen Kaltwasserkonzept dieses Reglers.
Der Abyss 26 Classic wirkt konventioneller. Seine 26X-Erststufe wiegt rund 589 Gramm und besitzt vier gut sichtbare Mitteldruck- sowie zwei Hochdruckanschlüsse. Ein fünfter Mitteldruck-Port sitzt etwas versteckt an der Unterseite. Im Set kommt die Abyss-Zweitstufe mit MiFlex-Schlauch zum Einsatz, ergänzt durch einen Mares DUAL als Oktopus.
Auch beim Gesamtgewicht bleibt der Unterschied überschaubar: Im Printtest lagen die Komplettsets ohne Tasche bei rund 2,0 Kilogramm für den Navy II und 1,8 Kilogramm für den 26 Classic.
Handhabung unter Wasser
Beim Abyss 22 Navy II fällt unmittelbar die sehr gleichmäßige Luftlieferung auf. Auch bei erhöhtem Atemvolumen blieb das Atemgefühl im Test ruhig und stabil.
Mares hat den Regler für besonders anspruchsvolle Kaltwasserbedingungen ausgelegt. Nach Herstellerangabe ist er für Einsätze bis minus 2 Grad Celsius sowie bis 60 Meter Tiefe zertifiziert. Das Mesh-Grid der zweiten Stufe reduziert den direkten Wasserstrom auf die Membran und soll damit das unerwünschte Abblasen beispielsweise in Strömung oder bei ungünstiger Kopfhaltung reduzieren. Hinzu kommen das CWD-System und die Fluorpolymer-Beschichtung als Maßnahmen gegen Vereisung.
Unter Wasser vermittelt diese Konstruktion tatsächlich viel Reserve. Gerade bei kräftiger Atmung blieb der Regler in unserem Test sehr unauffällig und berechenbar.
Der Abyss 26 Classic fühlt sich im direkten Vergleich etwas leichter und entspannter an. Die 26X-Erststufe arbeitet ebenfalls mit DFC, um den Mitteldruckabfall beim Einatmen gering zu halten. Die Abyss-Zweitstufe nutzt Mares‘ VAD-System. In der Praxis entsteht daraus ein sehr natürliches Atemgefühl: Der Regler drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern liefert unauffällig und gleichmäßig Luft.
Praxistest: Atemwiderstand und Belastung
Die größten Unterschiede werden sichtbar, wenn die Atemleistung steigt.
Der Navy II blieb bei erhöhter Ventilation ausgesprochen konstant. Auch beim kräftigen Atmen gegen Strömung änderte sich der subjektive Einatemwiderstand nur wenig. Die Metallkonstruktion der zweiten Stufe unterstützt zugleich den Wärmeaustausch und damit die thermische Stabilität des Systems.
Auch der Abyss 26 Classic bot im gesamten Sporttauchbereich einen angenehmen und gleichmäßigen Einatemwiderstand. Im direkten Vergleich besitzt der Navy II jedoch größere konstruktive Reserven für sehr kaltes Wasser und hohe Dauerbelastung. Im normalen Sporttauchbetrieb spielt dieser Unterschied kaum eine Rolle.
Wichtig ist dabei die Einordnung unserer Testbedingungen: Die niedrigste tatsächlich getestete Wassertemperatur betrug 6 Grad Celsius. Die vom Hersteller genannte Freigabe des Navy II bis minus 2 Grad Celsius haben wir daher nicht selbst praktisch überprüft.
Gewicht und Mundstückgefühl
Die massive Metall-Zweitstufe gehört zum Charakter des Abyss. Beim Navy II wirkt sie im Mund entsprechend präsent. Schwer oder störend empfanden wir sie während der Tauchgänge nicht, doch mit besonders leichten Reise-Atemreglern lässt sich das System konstruktionsbedingt nicht vergleichen.
Der 26 Classic wirkt etwas beweglicher. Einen wesentlichen Anteil daran dürfte der MiFlex-Schlauch haben, der im Vergleich zum Gummischlauch des Navy II weniger Zug auf die zweite Stufe ausübt. Gerade während langer Tauchgänge oder bei mehreren Tauchgängen pro Tag empfanden wir diese Kombination als angenehm.
Bei beiden Zweitstufen hätten wir uns ein Mundstück mit Gaumensegel gewünscht. Das bleibt allerdings eine individuelle Frage der Anatomie und des persönlichen Komforts.
Zwei unterschiedliche Kaltwasser-Konzepte
Der Unterschied zwischen beiden Reglern lässt sich nicht allein am Atemkomfort festmachen. Beide arbeiten im Sporttauchbereich auf hohem Niveau. Der Navy II investiert einen erheblichen Teil seiner Konstruktion vielmehr in zusätzliche Reserven.
Der Abyss 22 Navy II kombiniert die MR22-Erststufe mit CWD-Kaltwasserschutz, einer beschichteten Abyss-Zweitstufe und einem zweiten Abyss Navy II als Oktopus. Damit stehen im Ernstfall zwei technisch gleichwertige Zweitstufen zur Verfügung. Das ist besonders bei anspruchsvollen Kaltwasser-Konfigurationen interessant.
Beim Abyss 26 Classic ist der mitgelieferte DUAL-Oktopus einfacher ausgelegt als der primäre Abyss-Lungenautomat. Dafür ist das gesamte Set leichter und universeller aufgestellt. Die Printübersicht ordnet den Navy II entsprechend dem Bereich »Kaltwasser/Extremtauchen« und den 26 Classic dem »Allround/Sporttauchen« zu.
Zielgruppe & Einsatzbereich
Für die meisten Sporttaucher ist der Abyss 26 Classic die ausgewogenere Lösung. Er eignet sich für heimische Seen ebenso wie für Tauchreisen und bietet auch für anspruchsvolleres Sporttauchen ausreichende Leistungsreserven.
Der Abyss 22 Navy II wird interessant, wenn kaltes Wasser nicht die Ausnahme, sondern ein wesentlicher Bestandteil deiner Tauchgänge ist. Das betrifft beispielsweise regelmäßige Trockentauchgänge in nordischen Gewässern, sehr kalte Seen oder andere Einsatzbereiche, bei denen Vereisungsschutz und hohe Luftlieferleistung besondere Bedeutung haben.
Auch Höhlentaucher oder andere Taucher mit erhöhten Anforderungen an Redundanz und Kaltwasserreserven können von der konsequenteren Konstruktion profitieren.
Für tropische Reisen oder überwiegend moderates Sporttauchen trägst du dagegen Technik und Gewicht mit dir, deren Reserven du wahrscheinlich nicht benötigst. Genau das zeigte sich auch im direkten Vergleich der beiden Sets.
Preise und Ausstattung
Zum Zeitpunkt des Printtests lag die unverbindliche Preisempfehlung des Mares Abyss 26X Classic Sets bei 829 Euro. Für das Abyss 22 Navy II Set wurden 1.299 Euro angegeben. Beide Sets enthalten erste und zweite Stufe, Oktopus, Finimeter, Inflatorschlauch und Tasche. Beim Navy II kommt als Oktopus eine zweite Abyss-Navy-II-Stufe zum Einsatz, beim 26 Classic ein Mares DUAL.
Damit beträgt die Differenz 470 Euro. Für diese Summe bekommst du beim Navy II vor allem eine konsequentere Kaltwasserauslegung, eine gleichwertige zweite Abyss-Stufe als Oktopus und zusätzliche Reserven für ungewöhnlich belastende Einsatzbedingungen.
Fazit
Der Mares Abyss 26 Classic ist für die meisten Sporttaucher die sinnvollere Wahl. Er bietet sehr guten Atemkomfort, eine praxisgerechte Ausstattung und genügend Reserven für den normalen Einsatz in heimischen Gewässern und auf Reisen.
Der Abyss 22 Navy II ist dagegen ein Spezialist. Seine zusätzlichen konstruktiven Maßnahmen gegen Vereisung, die robuste Metallausführung und die zweite vollwertige Abyss-Navy-II-Stufe machen ihn insbesondere für Taucher interessant, die regelmäßig in sehr kaltem Wasser unterwegs sind.
Der Aufpreis ist deshalb weder grundsätzlich gerechtfertigt noch grundsätzlich überzogen. Entscheidend ist dein Einsatzprofil: Brauchst du die zusätzlichen Kaltwasserreserven tatsächlich, bietet der Navy II einen nachvollziehbaren Mehrwert. Bleiben extreme Bedingungen die Ausnahme, liefert der 26 Classic das ausgewogenere Gesamtpaket. Der ursprüngliche Printtest kam zu derselben grundsätzlichen Einordnung.
Transparenzhinweis: Mares stellte der Redaktion beide getesteten Atemregler-Sets inklusive Zubehör für den Praxistest zur Verfügung. Auf die redaktionelle Bewertung hatte dies keinen Einfluss.
Dieser Artikel erschien in TAUCHEN-Ausgabe 07/26 und wurde für die Webfassung redaktionell angepasst.
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Externe Links
Hersteller: Mares
https://www.mares.com
Häufige Fragen zu Mares Abyss 22 Navy II und 26 Classic
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Mares Abyss 22 Navy II und Abyss 26 Classic?
Der Abyss 22 Navy II ist konsequenter auf sehr kaltes Wasser und hohe Belastung ausgelegt. Der Abyss 26 Classic ist der vielseitigere Allrounder für normales und anspruchsvolles Sporttauchen.
Welcher Mares-Abyss-Regler ist besser für Kaltwasser geeignet?
Der Abyss 22 Navy II bietet die größeren Kaltwasserreserven. Mares gibt ihn für Einsätze bis minus 2 Grad Celsius und bis 60 Meter Tiefe frei. Im Test selbst lag die niedrigste Wassertemperatur allerdings bei 6 Grad Celsius.
Ist der Abyss 26 Classic ebenfalls kaltwassertauglich?
Ja. Laut technischer Datentabelle ist auch der Abyss 26 Classic kaltwassertauglich. Im direkten Vergleich besitzt der Navy II jedoch zusätzliche konstruktive Reserven für sehr kalte und belastende Einsatzbedingungen.
Welcher Atemregler eignet sich besser für Reisen?
Für Reisen ist der Abyss 26 Classic meist die praktischere Wahl. Das Set ist leichter und wirkt durch die MiFlex-Schläuche etwas beweglicher und komfortabler. Der Navy II ist schwerer und stärker auf Kaltwasser- und Extremeinsätze ausgelegt.
Wie unterscheiden sich die Oktopusse der beiden Sets?
Beim Abyss 22 Navy II wird ein zweiter Abyss Navy II als Oktopus mitgeliefert. Damit sind Hauptregler und Oktopus technisch gleichwertig. Beim Abyss 26 Classic kommt ein Mares DUAL als Oktopus zum Einsatz.
Wie hoch ist der Preisunterschied?
Zum Zeitpunkt des Tests lag die UVP des Abyss 22 Navy II Sets bei 1.299 Euro, die des Abyss 26X Classic Sets bei 829 Euro. Der Preisunterschied beträgt damit 470 Euro.
Welcher Regler bietet den angenehmeren Atemkomfort?
Beide Regler überzeugten im Test mit sehr gutem Atemkomfort. Der Navy II wirkte besonders stabil bei höherer Ventilation und Belastung. Der 26 Classic vermittelte dagegen ein etwas leichteres und entspannteres Atemgefühl.
Für wen lohnt sich der Abyss 22 Navy II?
Vor allem für Taucher, die regelmäßig in sehr kaltem Wasser unterwegs sind und zusätzliche Reserven gegen Vereisung sowie eine besonders robuste Auslegung benötigen. Für überwiegend normales Sporttauchen sind diese Reserven meist nicht notwendig.
Welcher Mares Abyss ist für die meisten Sporttaucher sinnvoller?
Für die meisten Sporttaucher ist der Abyss 26 Classic die ausgewogenere Wahl. Er deckt den typischen Einsatz in heimischen Gewässern und auf Tauchreisen ab, ohne die zusätzlichen Kaltwasserreserven und das höhere Gewicht des Navy II mitzuführen.