Der Cressi Zen Pro wurde unter anspruchsvollen Kaltwasserbedingungen getestet – mit hoher Atemarbeit, simulierten Stresssituationen und einem Flaschendruck von 270 bar. Dabei überzeugte die Kombination aus MC11-Erststufe und Zen Pro durch eine gleichmäßige Luftlieferung und hohe Vereisungsreserven. Gleichzeitig zeigt der Test, wie wichtig ein vollständig kaltwassertaugliches Atemreglersystem inklusive Oktopus ist. Der Bericht richtet sich vor allem an Taucher, die regelmäßig in kaltem Wasser unterwegs sind.
Cressi Zen Pro im Kaltwasser-Test
Atemregler für kaltes Wasser müssen unter Bedingungen funktionieren, bei denen Standardregler schnell an ihre Grenzen kommen. Für diesen Praxistest wurde der Cressi Zen Pro gemeinsam mit der gekapselten und hyperkompensierten ersten Stufe MC11 unter realistischen Kaltwasserbedingungen geprüft. Ziel war kein Labortest, sondern ein möglichst praxisnahes Belastungsszenario.
Verarbeitung & Material
Der Zen Pro fällt zunächst durch seine kompakte Bauweise auf. Die zweite Stufe wirkt hochwertig verarbeitet und liegt angenehm im Mund. Die Kombination mit der umweltversiegelten ersten Stufe MC11 erfüllt die Anforderungen an einen nach EN250:2014 zertifizierten Kaltwasserregler.
Zur Ausstattung gehören unter anderem:
- gekapselte Membran-Erststufe
- hyperkompensiertes System
- Venturi-Hebel mit den Positionen »Pre-Dive« und »Dive«
- kompakte zweite Stufe
Der Pre-Dive-Hebel arbeitet deutlich spürbar. Zwischen beiden Positionen verändert sich das Atemverhalten klar nachvollziehbar.
Stellung »Pre-Dive«
- Der Venturi-Effekt wird weitgehend unterdrückt.
- Nach Beginn des Einatmens wird weniger Luft zusätzlich »mitgerissen«.
- Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Regler selbstständig offen hält und unkontrolliert abbläst.
- Diese Stellung ist vor allem an der Oberfläche sinnvoll, etwa beim Sprung ins Wasser oder wenn der Atemregler nicht im Mund steckt.
Stellung »Dive«
- Der Venturi-Effekt wird freigegeben.
- Der Luftstrom erzeugt hinter dem Ventil einen Unterdruck, der das Ventil während der Einatmung unterstützt.
- Dadurch fühlt sich das Atmen leichter an und die Atemarbeit sinkt etwas.
- Gleichzeitig steigt aber die Freeflow-Neigung, wenn der Regler ohne Belastung ins Wasser hängt oder direkt von vorne angeströmt wird.
Handhabung unter Wasser
Unter Wasser überzeugt der Zen Pro vor allem durch sein ausgewogenes Atemverhalten. Der Atemwiderstand bleibt angenehm niedrig, ohne zum unerwünschten Abblasen zu neigen. Gleichzeitig entsteht auch bei kräftiger Atmung kein Gefühl, gegen den Regler arbeiten zu müssen.
Selbst bei wechselnden Tiefen oder unterschiedlichen Atemrhythmen bleibt die Luftlieferung konstant.
Ab etwa 20 Metern Tiefe war bei aufmerksamem Hinhören ein leichtes, dumpfes Arbeitsgeräusch der ersten Stufe wahrnehmbar. Dieses beeinträchtigte die Funktion jedoch nicht und deutet auf das aktive Druckmanagement der hyperkompensierten Konstruktion hin.
Praxistest
Der Test fand im Blausteinsee bei Eschweiler statt.
Testbedingungen
- Wassertemperatur: 5 °C auf 27 Metern
- Atemgas: Druckluft, aus feuchtigkeitsüberwachtem BAUER-Kompressor
- 7-Liter-Kompositflasche mit 270 bar als Stage
- zusätzliches 7-Liter-Doppelgerät als Sicherheitsreserve auf dem Rücken des Testtauchers.
- werksneuer Atemregler
- Venturi direkt vor dem Abtauchen auf »Dive« gestellt
Während der beiden Tauchgänge wurden bewusst belastende Situationen auf maximaler Tiefe simuliert:
- normale Atmung
- schnelle Stressatmung
- tiefe Atemzüge
- gleichzeitige Inflatornutzung
- simuliertes Atmen über Hauptregler und Oktopus
Erster Test
Im ersten Versuch war neben dem Zen Pro ein nicht kaltwassertauglicher Zen-Oktopus montiert.
Unter maximaler Belastung begann nach weniger als zehn Sekunden auf maximaler Tiefe bei Stressatmung ausschließlich der Oktopus dauerhaft abzublasen. Er war nicht zu stoppen, ausser durch ein Schließen des Flaschenventils. Der Hauptregler arbeitete dagegen stabil weiter und zeigte keinerlei Freeflow.
Die Ursache lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Möglich sind sowohl Eisbildung am Ventil des Oktopus als auch ein durch eine teilweise vereisende erste Stufe ansteigender Mitteldruck. Ohne zusätzliche Messungen bleibt dies offen.
Zweiter Test
Im zweiten Durchgang wurde ausschließlich die Kombination aus MC11 und Zen Pro verwendet.
Unter nahezu identischen Bedingungen hielt das System neun Minuten und 53 Sekunden durch. Erst nachdem die Luftdusche etwa zehn Sekunden lang dauerhaft gedrückt wurde – eine Belastung, die im normalen Tauchbetrieb praktisch nicht vorkommt – setzte ein Freeflow ein.
Dieses Ergebnis spricht für eine hohe thermische Reserve des Kaltwassersystems.
Was einen Kaltwasserregler ausmacht
Kaltwasserregler sind für Wassertemperaturen unter 10 °C ausgelegt. Ziel ist es, Vereisungen innerhlab der ersten oder zweiten Stufe möglichst zu verhindern.
Typische Merkmale sind:
- gekapselte Membran-Erststufe
- Wärmetauscher an der zweiten Stufe
- großzügige Luftkanäle
- gute Wärmeleitfähigkeit der verwendeten Materialien
- EN250:2014-Zertifizierung
Warum Atemregler vereisen können
Beim Entspannen des Flaschendrucks von bis zu 300 bar auf Mitteldruck kühlt sich das Atemgas stark ab. Temperaturen bis etwa −30 °C innerhalb der ersten Stufe sind möglich.
Kommt zusätzlich kaltes Wasser hinzu, kann Feuchtigkeit an Bauteilen gefrieren. Je nach Vereisungsstelle entstehen unterschiedliche Probleme:
- steigender Mitteldruck und Freeflow
- verzögertes Öffnen oder Schließen von Ventilen
- Vereisung der zweiten Stufe
- im ungünstigsten Fall blockierte Luftlieferung
Begünstigt wird dies unter anderem durch:
- hohe Atemarbeit
- häufige Inflatorbetätigung
- feuchte Atemluft
- große Tauchtiefen
- ungünstige Flaschenkonstruktionen
Sinnvolle Gegenmaßnahmen sind:
- gekapselte Membran-Erststufen
- ruhige Atmung
- redundante Atemreglersysteme
- regelmäßiges Training von Freeflow- und Valve-Drills
Zielgruppe & Einsatzbereich
Der Zen Pro richtet sich vor allem an Taucher, die regelmäßig in kaltem Süß- oder Salzwasser unterwegs sind und Wert auf hohe Kältereserven legen.
Der Test zeigt zugleich, dass ein kaltwassertauglicher Hauptregler seine Vorteile nur dann vollständig ausspielen kann, wenn auch der Oktopus für denselben Einsatzbereich ausgelegt ist.
Fazit
Der Cressi Zen Pro hinterlässt im Praxistest einen überzeugenden Eindruck. Die Luftlieferung bleibt auch unter hoher Belastung konstant, das Atemverhalten angenehm kontrolliert und die Kombination mit der ersten Stufe MC11 zeigt eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Vereisung.
Ebenso deutlich wird jedoch eine zweite Erkenntnis: Die Sicherheit eines Atemreglersystems hängt immer vom Gesamtsystem ab. Ein nicht kaltwassertauglicher Oktopus kann den entscheidenden Schwachpunkt darstellen.
Unter den gewählten Extrembedingungen reagierte die Kombination aus MC11 und Zen Pro erst deutlich später als unter realistischen Belastungen zu erwarten wäre. Für Kaltwassertaucher ist das ein überzeugendes Ergebnis.
Transparenzhinweis: Der Test erfolgte unter realen Freiwasserbedingungen. Das Testgerät wurde ohne vorherige Atemleistungsmessung, sprich »out-of-the-box« eingesetzt.
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