Leuchtturm auf einer Riffplattform mit langem Steg mitten im Roten Meer, im Hintergrund zwei Tauchsafarischiffe
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Per Red Sea Explorer zu Brother Islands & Daedalus

Mit der Red Sea Explorer zu den Brother Islands und zum Daedalus Reef: Tauchsafari im Roten Meer zwischen Numidia-Wrack, Strömung und Korallengärten.

Martin Strmiska

REDAKTION · REISE · ROTES MEER

Text und Fotos: Martin Strmiska
Erschienen in TAUCHEN 10/2026 · Reportage über eine Tauchsafari mit der Red Sea Explorer

Ägypten bleibt das Revier, in das Europas Taucher immer wieder zurückkehren. Kaum ein anderes Ziel macht spektakuläre Großfischbegegnungen so schnell, unkompliziert und bezahlbar möglich. Wir waren mit der Red Sea Explorer, dem Safarischiff der Extra Divers, vor den Brother Islands und Daedalus unterwegs.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schiff: Red Sea Explorer, Tauchsafarischiff der gehobenen Mittelklasse (Management: Extra Divers), Heimathafen Port Ghalib
  • Ziele: Brother Islands (Big Brother mit Numidia-Wrack), Daedalus Reef, Marsa Shouna
  • Highlights: Fuchshaie, Hammerhaie, Longimanus, Mantas, Weichkorallen, Wrack der Numidia
  • Geeignet für: fortgeschrittene Taucher und erfahrene Strömungstaucher
  • Preis: eine Woche ab 1.400 Euro pro Person (Unterdeckkabine, Vollpension, Nitrox und Tauchen inklusive)

Tauchsafari im Roten Meer: Abenteuer ohne Jetlag

Wer morgens in Europa den Koffer packt, kann schon am Abend auf einem Tauchsafarischiff im Roten Meer sitzen. Kein Jetlag, keine Inlandsflüge, keine tagelangen Anreisen – nur wenige Stunden liegen zwischen Alltag und Abenteuer. Genau das macht Ägypten bis heute zu einem der attraktivsten Tauchziele Europas.

Während Reisen an Fernziele wie Indonesien, die Malediven oder nach Mexiko lange geplant werden müssen, ist das Rote Meer jederzeit erreichbar. Gerade deshalb kehren viele Taucher immer wieder dorthin zurück. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil hier Begegnungen möglich sind, für die man andernorts um die halbe Welt reist: mit Fuchshaien, Hammerhaien, Longimanus oder Dugongs. Garantien gibt es keine. Doch kaum irgendwo sonst kommt man ihnen so unkompliziert nahe.

An Bord der Red Sea Explorer beginnt der Urlaub sofort. Die Crew kümmert sich um Gepäck und Ausrüstung. Zwölf Kabinen sorgen für eine angenehm familiäre Atmosphäre. Mit nur 15 Tauchern an Bord bleibt genügend Platz für eine entspannte Woche auf See. Der erste Tauchtag dient lediglich dem Eingewöhnen. Checkdive, ein weiterer Tauchgang – mehr braucht es nicht. Das eigentliche Ziel liegt noch viele Seemeilen entfernt: die Brother Islands.

Das Tauchsafarischiff Red Sea Explorer liegt mit Beibooten am Pier
Die Red Sea Explorer am Liegeplatz: Mit nur 15 Tauchern an Bord beginnt der Urlaub sofort.

Der Leuchtturm

Die nächtliche Überfahrt macht schnell klar, dass das Rote Meer trotz seiner Nähe zu Europa ein echtes Meer ist. Wind und Wellen sorgen für eine unruhige Nacht. Umso angenehmer sind ein solides Schiff und eine ruhige Kabine. Am Morgen erscheint Big Brother am Horizont – ein schroffer Felsen mit seinem markanten Leuchtturm. Sofort kehren Erinnerungen zurück: Fuchshaie am Südplateau, neugierige Longimanus, Hammerhaie an der Steilwand, Mantas über dem Riff und natürlich die legendäre Numidia. An diesem Morgen liegen deutlich weniger Boote vor der Insel als gewohnt. Alles wirkt ruhiger, ursprünglicher. Kaum schließt sich die Wasseroberfläche über mir, beginnt das Meer bereits, neue Geschichten zu schreiben.

Auf der Suche nach dem Fuchshai

Schon beim Abtauchen entscheidet die Strömung über den Verlauf des Tauchgangs. Normalerweise steuere ich direkt das schmale Südplateau an, wo Fuchshaie regelmäßig ihre Bahnen ziehen. Heute bleibe ich zunächst auf rund 20 Metern Tiefe, um die Bedingungen einzuschätzen – eine Entscheidung, die ich wenig später bereue. Plötzlich gleitet ein Manta aus dem Blau auf mich zu. Wäre ich wie gewohnt tiefer abgestiegen, hätten sich unsere Wege vermutlich perfekt gekreuzt. Stattdessen versuche ich, ihn einzuholen. Vergeblich. Der Moment ist vorbei, bevor er richtig beginnt.

Vier Taucher gleiten im tiefen Blau über einem Riffhang im Roten Meer
Schon beim Abtauchen entscheidet die Strömung über den Verlauf des Tauchgangs. Foto: Martin Strmiska

Je weiter ich dem Grat folge, desto stärker wird die Strömung. Fahnenbarsche suchen Schutz zwischen den Korallen, meine Nullzeit schmilzt dahin – vom Fuchshai fehlt jede Spur. Erst auf dem Rückweg sehe ich aus dem Augenwinkel seine charakteristische Schwanzflosse. Zu spät. Der Hai verschwindet im Blau, ich muss auftauchen. An Bord berichten andere Taucher von ihrer Begegnung. Ich war zu ehrgeizig – und genau deshalb am falschen Ort.

Der Garten der Numidia

Der zweite Tauchgang führt zur Numidia, einem der berühmtesten Wracks des Roten Meeres. Der britische Frachter lief im Jahr 1901 auf das Riff und lehnt heute nahezu senkrecht an der Steilwand. Nach mehr als hundert Jahren hat das Meer das Wrack vollständig zurückerobert. Weichkorallen in Rot-, Rosa- und Lilatönen überziehen den Stahl, dazwischen schweben Abertausende Fahnenbarsche. Bei dem Anblick versteht man, warum das Rote Meer so viele Taucher in seinen Bann zieht.

Die Strömung versorgt die Korallen mit Nährstoffen und lässt den gesamten Bewuchs wie einen riesigen Unterwassergarten im Rhythmus der Wellen schwingen. Während die Fische scheinbar mühelos im Wasser stehen, suche ich hinter Stahlträgern Schutz. Jeder Meter kostet Kraft. Draußen im Blauwasser jagen Blauflossenmakrelen vorbei, kurz erscheint ein Grauer Riffhai. An anderen Tagen patrouillieren hier Hammerhaie oder Longimanus. Heute bleibt mir nur die Zuschauerrolle. Ich sehe das Leben dort draußen, doch erreichen kann ich es nicht.

Keine zweite Chance

Seit einigen Jahren dürfen Tauchsafarischiffe an den Brother Islands nicht mehr ankern. Jeder Tauchgang ist deshalb einmalig. Der Manta kehrt nicht zurück, weil ich auf zu moderater Tiefe geblieben bin. Der Fuchshai wartet nicht, bis meine Nullzeit wieder länger wird. Und die Strömung an der Numidia wird nicht schwächer, nur weil ich gern noch ein paar Minuten geblieben wäre. Die Brother Islands kennen keine zweite Chance. Als der Leuchtturm am Abend langsam hinter dem Schiffsheck verschwindet, liegen zehn Stunden Überfahrt zum Daedalus Reef vor uns.

Mit der Strömung am Daedalus Reef

Am folgenden Morgen erreichen wir das Daedalus Reef. Der markante Leuchtturm dort kündigt eines der berühmtesten Offshore-Riffe des Roten Meeres an. Doch der erste Eindruck ist ernüchternd. Die ungewöhnlich warmen Sommer der vergangenen Jahre haben vor allem der Ostseite sichtbar zugesetzt. Wo einst dichte Korallengärten wuchsen, finden sich jetzt vielerorts nur noch einzelne intakte Bereiche. Der erste Tauchgang verläuft ruhig. Kaum Strömung, glasklares Wasser – aber keine Spur von Hammerhaien. Wenige Stunden später zeigt Daedalus sein anderes Gesicht. Die Strömung nimmt deutlich zu und zwingt uns, permanent in Bewegung zu bleiben. Wieder suchen wir das Blauwasser ab, und wieder bleiben die Haie aus.

Blick vom Heck der Red Sea Explorer auf den Leuchtturm am Riff, rechts die Flagge von Extra Divers Worldwide
Der markante Leuchtturm kündigt das Daedalus Reef schon von Weitem an.

Erst beim letzten Tauchgang ändere ich meine Strategie. Ich höre auf zu suchen. Ich lasse mich von der Strömung treiben, bleibe dicht über Grund und nutze Korallenblöcke als Schutz. Plötzlich verändert sich der gesamte Tauchgang. Schnapperschwärme stehen über dem Plateau, Einhornfische ziehen gemächlich vorbei, Barrakudas verharren regungslos im Wasser. Hammerhaie erscheinen auch diesmal nicht. Trotzdem wird genau dieser Tauchgang zum schönsten der gesamten Reise. Manchmal entstehen die größten Momente genau dann, wenn man aufhört, sie erzwingen zu wollen.

Taucher schweben über einem Riffhang mit roten und gelben Weichkorallen im Roten Meer
Wer sich von der Strömung treiben lässt und dicht über Grund bleibt, findet Schutz und Motive. Foto: Martin Strmiska

Langsamkeit ist Trumpf

Nach einer Woche voller Strömungstauchgänge fühlt sich Marsa Shouna beinahe unwirklich an. Das Wasser dort ist ruhig, fast spiegelglatt. Zum ersten Mal seit Tagen liegen die Motive nicht irgendwo draußen im Blau, sondern direkt vor mir. Mehrere Grüne Meeresschildkröten schweben schwerelos über das Riff. Eine weitere ruht auf zehn Metern Tiefe im Sand und lässt mich neugierig bis auf wenige Zentimeter herankommen. Keine Strömung, kein Zeitdruck, keine Hektik. Während ich ihr in die Augen sehe, wird mir klar, was diese Tauchsafari eigentlich ausgemacht hat.

Grüne Meeresschildkröte ruht auf hellem Sandboden und blickt direkt in die Kamera
Eine Grüne Meeresschildkröte ruht auf zehn Metern Tiefe im Sand und lässt den Fotografen bis auf wenige Zentimeter heran. Foto: Martin Strmiska

Nicht jeder Tauchgang endet mit Hammerhaien oder Fuchshaien. Nicht jede Hoffnung erfüllt sich. Doch genau das macht den Reiz des Roten Meeres aus. Jeder Sprung ins Wasser ist eine neue Chance. Manchmal wird man reich belohnt, manchmal nimmt man nur Erinnerungen mit. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis Ägyptens. Das Rote Meer ist nur wenige Flugstunden entfernt – und überrascht selbst jene Taucher immer wieder, die glauben, es längst zu kennen.

Reiseinfo: Red Sea Explorer

HeimathafenPort Ghalib, Ägypten
SchiffDie Red Sea Explorer ist ein komfortables Tauchsafarischiff der gehobenen Mittelklasse unter dem Management von Extra Divers. Mit ihrer überschaubaren Größe verbindet sie ausreichend Platz an Bord mit einer persönlichen Atmosphäre. Dank des robusten Stahlrumpfs liegt sie auch bei längeren Überfahrten angenehm ruhig im Wasser.
Kabinen12 klimatisierte Doppelkabinen, Unter- und Oberdeck, eigenes Bad mit Dusche/WC, Klimaanlage
TauchbetriebGroßzügiges Tauchdeck, separate Kameraplätze, zwei Beiboote (Zodiacs) für die Tauchgänge, Nitrox verfügbar, bis zu vier Tauchgänge täglich, abhängig von Route und Wetter. Nitrox ist an Bord gratis verfügbar.
AusstattungSonnendeck mit Liegen, klimatisierter Salon, Restaurant, großzügige Außendecks, WLAN im Hafen (eingeschränkt). Umfangreiche Sicherheitsausstattung, darunter ENOS, Brandmeldeanlage, CO-Melder und Kameramonitoring
KücheInternationale und ägyptische Küche in Buffetform. Zwischen den Tauchgängen stehen Snacks, Obst, warme und kalte Getränke bereit.
RoutenBrothers – Daedalus – Elphinstone
Daedalus – Zabargad – Rocky
St. John’s
Fury Shoals
Nordtour: Straße von Tiran & Wracks & Riffe
Geeignet fürFortgeschrittene Taucher und erfahrene Strömungstaucher. Viele der angefahrenen Plätze setzen sicheres Tauchen im Freiwasser sowie Erfahrung mit Strömung voraus.
Infosextradivers-worldwide.com/tauchsafari/aegypten
PreisbeispielEine Woche pro Person ab 1.400 Euro, Unterdeckkabine inklusive Tauchen, Nitrox, WLAN, Vollpension, Snacks, Wasser, Tee, Kaffee und Softdrinks, Transfers zum nächstgelegenen Flughafen, ENOS für jeden Taucher. Extras: Flüge, Visum, Leihausrüstung, alkoholische Getränke, lokale Gebühren: 280 Euro.
Buchbar überReisecenter Federsee, www.rcf-tauchreisen.de

Häufige Fragen zur Tauchsafari mit der Red Sea Explorer

Wo startet die Red Sea Explorer?

Der Heimathafen der Red Sea Explorer ist Port Ghalib in Ägypten.

Wie viele Taucher passen an Bord der Red Sea Explorer?

Das Schiff hat zwölf klimatisierte Doppelkabinen auf Unter- und Oberdeck, jeweils mit eigenem Bad mit Dusche und WC. Auf der beschriebenen Reise waren nur 15 Taucher an Bord.

Was kostet eine Tauchsafari mit der Red Sea Explorer?

Eine Woche kostet pro Person ab 1.400 Euro in der Unterdeckkabine, inklusive Tauchen, Nitrox, WLAN, Vollpension, Snacks, Wasser, Tee, Kaffee und Softdrinks, Transfers zum nächstgelegenen Flughafen sowie ENOS für jeden Taucher. Extra kommen Flüge, Visum, Leihausrüstung, alkoholische Getränke und lokale Gebühren von 280 Euro hinzu (Preisbeispiel, Stand TAUCHEN 10/2026).

Für welche Taucher ist die Tour geeignet?

Die Routen richten sich an fortgeschrittene Taucher und erfahrene Strömungstaucher. Viele der angefahrenen Plätze setzen sicheres Tauchen im Freiwasser sowie Erfahrung mit Strömung voraus.

Welche Routen fährt die Red Sea Explorer?

Im Programm stehen Brothers – Daedalus – Elphinstone, Daedalus – Zabargad – Rocky, St. John’s, Fury Shoals sowie eine Nordtour mit Straße von Tiran, Wracks und Riffen.

Wie viele Tauchgänge sind pro Tag möglich?

Je nach Route und Wetter sind bis zu vier Tauchgänge täglich möglich. Nitrox ist an Bord kostenlos verfügbar.

Welche Großfische kann man an den Brother Islands und am Daedalus Reef sehen?

Möglich sind Fuchshaie, Hammerhaie, Longimanus, Mantas und im Roten Meer auch Dugongs. Garantien gibt es keine – doch kaum irgendwo sonst kommt man diesen Tieren so unkompliziert nahe.

Darf man an den Brother Islands ankern?

Nein. Seit einigen Jahren dürfen Tauchsafarischiffe an den Brother Islands nicht mehr ankern. Jeder Tauchgang ist deshalb einmalig.

Wie lange dauert die Überfahrt von den Brother Islands zum Daedalus Reef?

Die Überfahrt dauert etwa zehn Stunden und findet über Nacht statt.

Über den Autor und Fotografen

Martin Strmiska stammt aus der Slowakei und lebt in Bratislava. Seine Faszination für Wasser und Meeresleben begleitet ihn seit der Kindheit; 1995 machte er in Kroatien seinen Tauchschein. Seit 2006 arbeitet er hauptberuflich als Unterwasserfotograf und Journalist, zunächst für das Magazin UNTERWASSER, heute ist er Hausfotograf von TAUCHEN. Er hat zahlreiche Reisereportagen und Fotoartikel veröffentlicht, mehr als 40 seiner Bilder zierten Titelseiten.

Als Höhlen-, Rebreather- und Advanced-Trimix-Taucher erkundet er auch technisch anspruchsvolle Umgebungen wie Höhlen, Minen und tiefe Wracks. Seine Lieblingsdisziplin ist die Weitwinkelfotografie, besonders gern fotografiert er Haie – seit fast zwei Jahrzehnten.