Rückblick: Meeresaktivist Paul Watson von Sea Shepherd im Interview

Fühlen Sie sich sicher? Stimmt es, das Sie immer eine kugelsichere Weste tragen?

Ich bin 61 und lebe noch, also habe ich bis jetzt alles richtig gemacht, oder? Ich weiß, dass mir viele ans Leder wollen, deshalb trage ich auf dem Boot immer eine kugelsichere Weste. Viel Feind’ viel Ehr’!

Tauchen Sie eigentlich und haben Sie genügend Taucher im Team?

Ich tauche seit 1968. Zuerst bei NAUI, später PADI. Wir haben viele Taucher bei Sea Shepherd und suchen ständig Nautiker, Segler, Handwerker, Köche, Sanitäter, Filmer, Redakteure …

Wie rekrutieren Sie die Crew-Mitglieder?

Crew der Steve Irwin: Harte Arbeitsbedingungen an Board. Foto: Sea Shepherd

Crew der Steve Irwin: Harte Arbeitsbedingungen an Bord. Foto: Sea Shepherd

Wir bekommen jedes Jahr Hunderte von Bewerbungen über unsere Website – es gibt auch eine deutsche Subdomain. Ein Teil arbeitet an Land, die andere Hälfte ist auf den vier Schiffen unterwegs.

Wie sieht die Arbeit an Bord aus?

Es gibt lange Arbeitszeiten, schwere Tätigkeiten – und keine Bezahlung. Außerdem gibt es gefährliche Arbeitsbedingungen bei extremem Wetter. Klingt cool, oder? Der Lohn ist die Gewissheit, etwas Sinnvolles für den Tierschutz zu tun. Wir stellen Kojen und Verpflegung. Aus ökologischen und ethischen Gründen erfolgt die Versorgung vegan.

In ihrem aktuellen Film „Bekenntnisse eines Öko-Terroristen“ sieht man, dass einige Crew-Mitglieder Eier vor Veganern verstecken …

Um sie dann verfault über unsere Kompost-Kanone auf illegale Fischer abzufeuern. Der Film von Peter Brown zeigt mit Humor das harte Leben an Bord und den Kampf gegen brutale Abschlachter von Tieren. Und unseren Einsatz: Vom Abspielen von Walgesängen bis hin zu direktem Rammen kann man die Schwierigkeit unserer Arbeit sehen.

Wie ist generell das Feedback auf die Filme?

Ich sage immer, die stärkste Waffe ist die Kamera, weil wir damit Millionen Menschen weltweit zeigen können, was wirklich auf den Weltmeeren passiert. Über die TV-Serie „Whale Wars“ auf Animal-Planet bekommen wir viel Zuspruch. Rob Stewarts Kinofilm „Sharkwater – wenn Haie sterben“ hat vielen gezeigt, wie wertvoll die Spezies Hai für die Ozeane ist und wie skrupellos Geschäftemacher mit den Flossen sogar unbehelligt in Naturschutzgebieten Big Business machen.

Im Film „Sharkwater“ sagten Sie, „die Menschen sind eine völlig außer Kontrolle geratene Primaten-Spezies“. Was läuft Ihrer Meinung nach schief?

Das Zitat ist eher untergegangen – viele Leute haben sich darüber aufgeregt, dass ich Würmer für wichtiger halte als Menschen. Für die Welt sind wir ein bösartiger Tumor. Wir plündern unsere Welt aus, als gebe es eine zweite. Wenn unsere Ozeane sterben, sterben wir. Ein Beispiel: 40 Prozent des weltweit gefangenen Fischs wird für die Haltung von Nutztieren wie Schweinen und Hühnern verschwendet. Wir fressen die Ozeane sprichwörtlich lebendig auf, weil es nicht genug Lebewesen im Meer gibt, um die steigende Weltpopulation zu versorgen. Da kann man keinen Fisch essen – deshalb praktizieren wir auf den Schiffen die vegane Lebensweise.

Humphrey Bogart antwortete angeblich auf die Frage zum Zustand der Welt, dass sie drei Drinks zurückläge. Was sagt Paul Watson?

Ich würde sagen, dass die Welt sturztrunken unter dem Tisch liegt – kaum einzuholen. Wir rauben der Welt die Rohstoffe und plündern sie rücksichtslos aus. Überfischung, Verschmutzung, Vergiftung, Zerstörung der Ozonschicht, globale Erwärmung, Klimawandel. Als wäre das nicht genug, produziert unsere Spezies auch noch Unmengen an Müll: fest, flüssig und gasförmig – um zurück zu der Würmer-These zu kommen. Die Erde braucht Platz, um sich von den Menschen zu erholen.

Welche Vision haben Sie für Sea Shepherd?

Die gleiche wie seit der Gründung. Wir haben Hunderte von Fahrten gemacht, um Wale, Delphine, Robben, Schildkröten, einfach jede Art von Lebewesen, zu schützen und auf die Plünderung der Meere aufmerksam zu machen. Wir haben Walfänger versenkt, kriminelle Fischer und brutale Verbrecher gestellt. Seit 35 Jahren kämpfen wir als Non-Profit-Organisation beharrlich gegen die skrupellose und illegale Ausbeutung des maritimen Lebens!Paul Watson, vielen Dank für das Interview!Jetzt weiterlesen: Die Sea Shephern Conservation Society im Porträt


  1. Die Sea Shepherd Conservation Society im Porträt

    […] Paul Watson ist studierter Militärhistoriker, ehemaliges Greenpeace-Gründungsmitglied und seit den 70er-Jahren auf Konfrontationskurs im Zeichen des Meeresschutzes. Viele nautische Unfälle gehen auf die Kappe des 61-jährigen Kanadiers mit den schlohweißen Haaren: Japanische Walfänger, kanadische Robbenjäger und illegale Fischer fürchten seine Flotte. Aufgewachsen in einem Fischerdorf an der kanadischen Ostküste stieß Watson zur Friedensbewegung und diente 1975 als Erster Offizier beim Greenpeace-Einsatz von Kapitän Cormack gegen eine sowjetische Walfangflotte. In einem Schlauchboot versuchten sie, sich zwischen Harpune und Pottwalen zu positionieren – die Wale konnten sie nicht retten. Für ihn eine Initialzündung, sein Leben zum Schutz der Meere einzusetzen. 1977 verließ er Greenpeace und gründete die Sea Shepherd Conservation Society. Seine Filme und die Doku-Serie „Whale Wars“ haben ihn weltweit bekannt gemacht. „Völlig absurd“ bezeichnete EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit die Festnahme in Frankfurt. Viele Stars wie Brigitte Bardot, Pierce Brosnan, Sean Penn und sogar Fürst Albert von Monaco unterstützen Watson. […]


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