Titel TAUCHEN 02/2019
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Test: Seacam prelude

Mit der Gehäuseserie „prelude“ präsentiert Seacam eine neue Serie von UW-Gehäusen. Der Schweizer Profifotograf Kurt Amsler hat sie für TAUCHEN auf Herz und Nieren geprüft und einen Praxisreport mit zusätzlichen Tipps fürs perfekte Bild erstellt.

Preludium bedeutet auf Lateinisch Vorspiel, Auftakt oder Einleitung – und ist die Bezeichnung für die neue Gehäuse-Serie von Seacam. Die Idee war, die Gehäuse auf das Wesentliche zu reduzieren – und nicht mit unnötigem Beiwerk zu überfrachten. Und sie sollte so zu einem besseren Er­gebnis führen. Genau diese Vorgabe setzen die „prelude“-Gehäuse um, zusammen mit zwei der innovativsten Kameras unserer Zeit.

Eine für alles …
Mit der Nikon „D-7000“ und der Canon „D 60“ haben die beiden Marktführer Kameras gebaut, die mit semiprofessionellen Modellen Schritt halten können. Die beiden Fotoapparate warten mit vorher nicht dagewesenen Innovationen auf. Zum Beispiel mit ausgeklügelten Motivprogrammen, die alle Funktionen einer Kamera schneller und sicherer steuern – selbst ein erfahrener Fotograf könnte es nicht besser.
Mit 16,2 Megapixel bei Nikon respektive 18 bei Canon und einem CMOS-Chip lässt die Bildqualität keine Wünsche offen. Eine Video-Funktion in „Full HD“ rundet die vielen Möglichkeiten dieser Aufnahmegeräte zusätzlich ab. Der Video-„Live-View“ kann auch für Einzelbilder verwendet werden und garantiert unter Wasser bei der Weitwinkel- und Fisheye-Fotografie eine leichtere Bildgestaltung.

Weniger ist mehr

Hinter der „prelude“-Serie steckt aber weit mehr als ein „neues“ Gehäuse. Die „preludes“ läuten das Zeitalter einer neuen Gehäuse-Generation ein und sind auf das zugeschnitten, was der Fotograf wirklich braucht, um auf einfache Art und Weise optimale Bildresultate zu erzielen. Konkret: Es wurde nicht für jede nur erdenkliche Funktion ein Loch gebohrt, sondern ein sinnvolles Konzept mit der Stoßrichtung „Weniger ist mehr“ realisiert.
Gestützt wird diese Aussage durch Statements von Fotografen, vor allem aber durch Erfahrungen, die ich in meinen Fotoseminaren für Profis wie Amateure gleichermaßen gemacht habe. In diesen Kursen kristallisierte sich heraus, dass 70 Prozent aller Fotografen mit ihren Ausrüstungen überfordert sind! Was bei der Landfotografie noch locker von der Hand geht, gestaltet sich unter Wasser zur echten Herausforderung, da neben der fotografischen Aufgabe noch tauchtechnische Faktoren hinzukommen. Ist dann noch ein kompliziertes Kamerasystem zu bedienen, sind Fehlschüsse programmiert.

Gehäuse ist nicht gleich Gehäuse
Um es vorwegzunehmen: Selbst wenn eine Kamera im UW-Gehäuse sitzt, darf der Trimm, das Gewicht und die Handhabung auf gar keinen Fall negativ beeinflusst werden! Denn nur dann ist der Fotograf in der Lage, in jeder Situation qualitativ hochwertige Bilder zu machen. Dieser Tatsache wird bei vielen Gehäusen wenig bis keine Aufmerksamkeit geschenkt. Übrigens auch ein Punkt, der zu der bereits erwähnten „Überforderung“ beiträgt… Solchen Details wurde bei Seacam schon immer Rechnung getragen – selbstverständlich,  auch bei der „prelude“-Serie. Nicht nur, dass sie sich wie ein „Silberbarren“ präsentiert, Qualität und Verarbeitung sind auf einem hohen Niveau. Ebenso ist das gesamte Zubehör kompatibel. Damit ist das System nicht nur für Einsteiger interessant, die zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht aufrüsten möchten. So können die Gehäuse jederzeit und ohne Adaptionen in ein vorhandenes System eingegliedert werden. Unerwähnt darf der Preis nicht bleiben. Basierend auf „Weniger ist mehr“ halten sich die Kosten für ein Seacam-Gehäuse in Grenzen: So bezahlt man für das „prelude“ in der Standardausführung 2450 Euro.

Das Wichtigste in Kürze
Dank der Kompaktheit einer „D-7000“ oder „D 60“ konnte das Gehäuse an Volumen und Gewicht abspecken. Das macht sich beim Packen des Fotorucksacks bemerkbar, da für den Transport Sucher und Handgriffe abmontiert werden können. Das „prelude“-Gehäuse mit eingebauter Kamera, Blitz, Gelenkarm, Dome- und Planport, drei Objektiven und Kabel kann ohne Probleme als Handgepäck an Bord mitgenommen werden. Der Zusammenbau geht blitzschnell, und beim Einsetzen der Kamera können auch Gelegenheitsfotografen nichts falsch machen. Weitere Features: Zum Wechseln der Speicherkarte muss die Kamera nicht aus dem Gehäuse genommen werden (ebenso wenig zum Laden des Akkus). Der Objektivwechsel geschieht von vorne, indem der Port abgeschraubt wird und das Objektiv mit dem außenliegenden Schalter entriegelt wird – Details, die sehr wichtig werden können, wenn an weniger komfortablen Orten als im Hotelzimmer umgebaut werden muss. Dabei punkten auch die neuen Sicherheitsverschlüsse: Diese können ohne Kraftaufwand, auch von zarten Frauenhänden, auf- und zugemacht werden. Zwei „Viertel-Drehverschlüsse“ (aus Titan) halten die Gehäusehälften mit einer Spannkraft von 60 Kilogramm zusammen und sichern das Gehäuse wie einen Tresor. Alle Durchführungen sind nach Seacam-Bauweise mit zwei O-Ringen bestückt. Über die Ergonomie muss man nicht viel erzählen – alles ist da, wo es hingehört, und kann immer einfach und schnell bedient werden! Zum Beispiel die Taste zur Bildkontrolle auf dem Display: ein Knopfdruck Vollbild, einer Histogramm – mehr braucht man nicht! Wie „altmodisch“ muten da vier Druckknöpfe an, mit denen man als Fotograf wertvolle Zeit verliert … Kurt Amsler

In der Praxis

Eine komplette „prelude“-Ausrüstung mit einer Nikon „D-7000“ hatte Kurt Amsler im Februar 2011 anlässlich des Fotoevents auf der „AIDAluna“ als Testobjekt dabei. Auf der Karibik-Tour entstand dieser Praxisreport, der nicht nur über das Kamerasystem  informieren soll, sondern auch gleich aufzeigt, wie jedem Fotografen auf einfachste Art und Weise perfekte Bilder gelingen. Die Fotoausrüstung wurde genau in den Bereichen eingesetzt, die auch von einer Vielzahl von UW-Fotografen praktiziert werden: Makro-Fotografie, Standardbrennweite, Weitwinkel- und Aufnahmen mit Tageslicht. Nachfolgend die Tipps von Kurt Amsler, wie Sie mit der „prelude“-Ausrüstung von Seacam von Beginn an hervorragende Bildresultate erzielen!

Standardbrennweite

In diese Kategorie gehören in der UW-Fotografie Bildwinkel von 30 bis 60 Grad.   Als Lichtquelle benutze ich den „Seaflash 150“. Der Blitzarm sollte circa 50 Zentimeter direkt über der Kamera montiert werden (siehe Foto rechts). Wegen des noch geringen Bildwinkels und der Aufnahmedistanz empfehle ich den manuellen Blitzmodus (Blende für den Blitz und Verschlusszeit für die Hintergrund). Optimale Ausrüstung: 24- bis 50- oder 18- bis 55-Millimeter-Zoom-Objektiv, Planport von acht Zentimetern Länge, Blitz „Seaflash 150“, auf Manuell oder TTL stellen, Gelenkarm mit einer Länge von 20 bis 30 Zentimetern Kameraeinstellungen: Manueller Aufnahmemodus, keine Automatikfunktionen (ISO 280), „S-Autofokus“ und Verwendung des optischen Suchers. Weißabgleich: Auto; JPEG: Fine oder direkt RAW einstellen. Belichtung (Aufnahmedistanz 70 bis 100 Zentimeter): Blitz auf halbe Leistung; Blende 11 bis 14; Zeit zwischen 1/60- bis 1/200-Sekunde

Makroaufnahmen und Nahaufnahmen

In dieser Sparte kommen Makro-Objektive von 50 bis 105 Millimeter zum Einsatz. Die am häufigsten eingesetzte Brennweite ist 50 oder 60 Millimeter, da in diesen Bildwinkel viel mehr Motive hineinpassen als bei 100 Millimeter. Bei Makroaufnahmen unbedingt mit dem optischen Sucher arbeiten, da mit „Live-View“ keine exakte Schärfe gesetzt werden kann. Für die größte Tiefenschärfe muss auf Blende 22 (besser 32) abgeblendet werden. Optimale Ausrüstung: 60-Millimeter-Makro-Objektiv, Makro-Planport, Blitz „Seaflash 150“. Tipp: Wird der Blitz direkt auf dem Gehäuse befestigt, liegt die Kamera absolut neutral in der Hand. Kameraeinstellungen: Manueller Aufnahmemodus, keine Automatikfunktionen. ASA/ISO 200, „S-Autofokus“ (Schärfepriorität) und Verwendung des optischen Suchers. Kein „Live-View“. Weißabgleich: Auto; JPEG: Fine oder direkt RAW-Format einstellen. Belichtung (Aufnahmedistanz 20 bis 30 Zentimeter): Blitz: TTL; Blende: 22 bis 32; Zeit: 1/125-Sekunde.

Weitwinkelaufnahmen

Die Königsklasse aller Techniken. Hier kann der Fotograf mit Superweitwinkel- oder Fisheye-Objektiven die Unterwasserwelt in einem Bildwinkel zeigen, der in etwa dem des menschlichen Auges entspricht. Das Arbeiten mit Superweitwinkel-Objektiven ist schwieriger als mit längeren Brennweiten. Optimale Ausrüstung: 10- bis 24-Millimeter-Zoom-Objektiv mit einem Bildwinkel von 109 bis 61 Grad, Fisheye-Domeport mit einem Verlängerungsring zur Anpassung des Scheitelpunkts (Randunschärfe), ein Blitz „Sea-flash 150“, ein Doppelgelenkarm 30 x 30 Zentimeter. Kameraeinstellungen: Manueller Aufnahmemodus, ISO 280, „S-Autofokus“, wenn der optische Sucher verwendet wird. Bei „Life-View“ kommt automatisch „C” (kontinuierliche Schärfenachführung). Weißabgleich: Auto. Belichtung (Distanz 0,90 bis 1,20 Meter): Blitz auf halbe Leistung; Blende: 9 bis 11; Zeit: 1/60- bis 1/200-Sekunde.

Tageslichtaufnahmen

Diese Technik wird vor allem bei Aufnahmen von Walen, Delphinen oder Haien angewendet, die nur wenige Meter unter der Oberfläche schwimmen. Auch für Silhouetten wird in der Regel kein Blitz verwendet. Bei Motiven, bei denen wegen der großen Aufnahmedistanz sowieso keine Farbe mehr aufs Bild kommen kann (Wracks!), verzichtet man am besten auf Kunstlicht. Dazu kann problemlos eine Automatikfunktion angewendet werden, bei der „D-7000“ die Motivprogramme. Motivprogramm Sport: Ideal für bewegte Motive wie große Meerestiere oder Action in geringen Tiefen. Also für Bilder, die eine kurze Belichtungszeit mit Blendennachführung erfordern. Motivprogramm Landschaft: Ideal für Wrackfotos oder Rifflandschaften, hier liegt die Priorität auf einer kleineren Blende für mehr Tiefenschärfe. Motivprogramm Silhouetten: Bildet die Bilder sehr kontrastreich ab und kontrolliert den richtigen Helligkeitsumfang. Das Programm bestimmt den besten Kompromiss zwischen Blende und Verschlusszeit.

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