Hai-Angriffe: Der gefährlichste Strand der Welt

Patrick Muchangwe, ein Arbeiter aus einer Ferien-Lodge am Strand, ist zudem der Meinung, dass die meisten Urlauber sich der Gefahr überhaupt nicht bewusst sind, wenn sie Schwimmen gehen: „Die Menschen, die hier während der Ferienzeit ins Wasser gehen, kommen aus ländlichen Gegenden wie Lusikisiki oder Flagstaff. Sie wissen nichts über Haie und den Ozean. Sie sind diejenigen, die wir schützen müssen.“Rettungsschwimmer Gerald Mtakati, der am Tag eines tödlichen Angriffs Dienst hatte und den leblosen Körper ans Ufer zog, erklärt, dass trotz der Attacken viele Touristen kein Verständnis für das Schwimm-Verbot zeigen würden. „Wir versuchen ständig den Strand abzusperren, aber die Leute drohen uns mit Prügel, wenn wir sie nicht ins Wasser lassen. Das muss man sich mal vorstellen! Dann erzählen wir ihnen von den Haien und warnen sie, aber die Menschen schwimmen trotzdem – was sollen wir da noch machen?

Der Grund für die Hai-Angriffe scheint eine Kombination verschiedener Faktoren zu sein

  1.   Das auffälligste Merkmal am Second Beach von Port St. Johns ist, dass er genau zwischen einigen Flussmündungen liegt. Wie bereits beschrieben, bedeutet diese Tatsache alleine, dass das Risiko für Hai-Angriffe - aufgrund des erhöhten Futterangebotes und einiger anderer Gründe – an solchen Orten erhöht ist. Doch diese Erklärung alleine wäre zu billig. Denn vor dem Jahr 2007 gab es hier so gut wie keine Angriffe auf Menschen. Die letzte Attacke vor der aktuellen Serie war 1990. Folglich muss sich in den letzten Jahren etwas verändert haben, was das Verhalten der Haie beeinflusst hat.
  2.   Die Augenzeugen-Berichte zeigen, dass das Wasser zur Zeit der Angriffe stets sehr trüb und aufgewühlt war. Manche behaupten sogar, eher verschmutzt als trüb und zudem noch sehr warm. Wenn man sich die Jahreszeit anschaut, in der es zu Angriffen gekommen ist, erkennt man, dass alle Attacken im Dezember oder Januar stattgefunden haben – mit einer Ausnahme im März. Also im Sommer, der Haupturlaubszeit in Südafrika, wenn Hunderte von Urlaubern an den Strand kommen, um schwimmen oder surfen zu gehen. Die Zunahme von Wasseraktivitäten und somit Geräuschen im Meer könnte die Haie angelockt haben. Die Menschen gingen hier zwar schon immer vermehrt im Sommer schwimmen, doch die Gesamtzahl der Menschen hat zugenommen, sagen Wissenschaftler.
  3.   Der nächste Punkt ist, dass nicht irgendeine Hai-Art für die meisten Angriffe verantwortlich gemacht wird, sondern fast ausschließlich der Bullenhai (Carcharhinus leucas) bzw. „Zambezi“ – eine Art die hier relativ häufig vorkommt und bekannt dafür ist, dass sie bevorzugt im flachen Wasser jagt und dabei auch in Flüsse schwimmt. Geremy Cliff vom Natal Shark Board bestätigt zudem, dass Bullenhaie den Umzimvubu-Fluss benutzen, um ihre Jungen zu gebären: „Zambezi-Haie mögen das flache Küstenwasser. Die Weibchen kommen hierher und bekommen ihre Babys im Fluss, weil das auch gleichzeitig der Ort ist, an dem sie ihre Beute jagen. Sie sind immer hier, aber das warme Wasser der Sommermonate lockt sie zusätzlich an. Im Winter haben wir weniger Bullenhaie in der Region.“
  4. Der Hauptgrund für die zahlreichen Angriffe scheint jedoch die zunehmende Verschmutzung der Flüsse zu sein. Dreckiges Wasser bedeutet weniger Sauerstoff, wodurch viele Beutefische der Haie abgestorben sind. Daher besagt eine Theorie, dass sich die Haie andere Beutequellen suchen mussten. Zusätzlich wird das Risiko erhöht, weil die Haie schlechter sehen können und sich mehr auf ihren Geruchssinn verlassen. Sie konzentrieren sich auf die Bewegungen im Wasser und schnappen zu. Egal, ob es sich dabei um einen Fisch oder um einen Menschen handelt. Auch Zola Hewu von der Stadtverwaltung teilt diese Meinung: „Wir haben hier ein Umweltproblem! Kommunale Abwässer werden in die Flüsse geleitet und verschmutzen die Bucht. Wenn dann noch starke Regenfälle dazu kommen, fließt der ganze Dreck ins Meer. Vielleicht ist das Wasser am Second Beach besonders verschmutzt, was die Haie verwirrt. Oder das Wasser ist hier noch etwas sauberer als an den anderen Stränden, weshalb die Haie kommen, um hier besser jagen zu können – die genaue Ursache müssen wir untersuchen.“
  5. Als letzter Grund bleibt noch das Gerücht um die vermehrten Opferungen, die angeblich von traditionellen „Heilern“ am Second Beach vorgenommen werden  – religiöse Opferungen von Ziegen, Schafen und Hühnern. Da viele Dorfbewohner solche Opferungen gesehen haben, scheint es jedoch mehr zu sein, als bloß ein Gerücht. Wenn das Blut und die Eingeweide der Tiere dann anschließend am Strand entsorgt werden, braucht man sich nicht zu wundern, wenn dadurch Haie angelockt werden.
Eine rasche Lösung des Rätsels ist jedenfalls nicht in Sicht. Die Experten der Haibehörde haben den Strand für Schwimmer sporadisch geschlossen. Künftig soll der wunderschöne aber berüchtigte Strand nun zu einem speziellen Aussichtspunkt für die Haibeobachtung werden – und damit auch touristisch attraktiv bleiben.Unser Autor Christian Kemper (Foto oben) ist seit zwölf Jahren TV-Redakteur und arbeitet für den WDR, SAT.1, PRO7, KABEL1 und RTL2. Er ist Fotograf, Sporttaucher und Hai-Enthusiast. Seit 20 Jahren recherchiert er zum Thema Haie und Haiangriffe. Sein neustes Buch heißt „Mein Freund, der Hai“.Unser Autor Christian Kemper (Foto oben) ist seit zwölf Jahren TV-Redakteur und arbeitet für den WDR, SAT.1, PRO7, KABEL1 und RTL2. Er ist Fotograf, Sporttaucher und Hai-Enthusiast. Seit 20 Jahren recherchiert er zum Thema Haie und Haiangriffe. Sein neustes Buch heißt „Mein Freund, der Hai“.

Lesen Sie alles über Haie in unseren TAUCHEN-Hai-Specials:

TAUCHEN 02/2017

Haie satt gibt es in Ausgabe TAUCHEN 02/2017

 
TAUCHEN 08/2015

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TAUCHEN 03/2016

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  1. Jagd auf Haie: Spannender Dokumentarfilm von Shark Savers Germany - TAUCHEN

    […] Shark Savers Germany den Film zusammen mit der Produktionsfirma “Vierzwozwo Media” und zahlreichen fleißigen Helfern produziert. Der Aufklärungsfilm handelt von der rabiaten Politik in Westaustralien, die dafür gesorgt hatte, dass 2014 Jagd auf potentiell gefährliche Haie gemacht wurde, um Badegäste an den Stränden Westaustraliens zu schützen. Die Meeresbiologin Johanna Zimmerhackel, die auch Wissenschaftlicher Vorstand von Shark Savers Germany ist, hat drei Monate in Australien verbracht und arbeitete dort eng mit Experten zusammen, die ihr Antworten auf wichtige Fragen gaben. […]


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