Die Karte zeigt farbig markierte Gebiete in den Hoheitsgewässern der verschiedenen europäischen Staaten. Besonders stark befischte Regionen sind neben dem Golf von Biskaya (Westfrankreich) auch die deutschen Küstengewässer, in denen besonders intensiv mit dieser Fangemethode gefischt wird.

Die Karte zeigt farbig markierte Gebiete in den Hoheitsgewässern der verschiedenen europäischen Staaten. Besonders stark befischte Regionen sind neben dem Golf von Biskaya (Westfrankreich) auch die deutschen Küstengewässer, in denen besonders intensiv mit dieser Fangemethode gefischt wird. © Oceana

Grundschleppnetz-Fischerei in Europas »geschützten« Gebieten

Oceana, eine gemeinnützige Organisation, analysierte Satellitendaten, die zeigen, dass die stark schädigende Fangmethode der Grundschleppnetz-Fischerei noch sehr häufig angewandt wird. Deutschland gehört unter anderem zu den am stärksten mit Schleppnetzen befischten Gebieten.


Satellitendaten herausgegeben von der »Global Fishing Watch«, einer gemeinnützigen Organisation zeigen, dass die stark schädigende Fangmethode der Grundschleppnetz-Fischerei in großem Umfang weiter angewandt wird. Die am stärksten mit Schleppnetzen befischten Gebiete gehören zu Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Dänemark. Die Analyse der Daten ergab, dass im Jahr 2020 mehr als 2,5 Millionen Stunden Grundfischerei in Gebieten stattfanden, die als Schutzgebiete zum Erhalt der wertvollsten und am stärksten bedrohten Meeresarten und -lebensräume Europas erklärt worden waren. »Staats- und Regierungschefs präsentieren auf internationalen Konferenzen zwar gerne ihre Bemühungen zum Schutz der Meere, verschweigen jedoch oft die schädliche Fischerei, die in den angeblich geschützten Meeresgebieten stattfindet. Wir fordern sie daher auf, unsere Meere wirklich zu schützen, indem sie schädliche Aktivitäten, insbesondere zerstörerische Fangmethoden, in allen Meeresschutzgebieten verbieten«, erklärt Vera Coelho, Senior Director for Advocacy in Europa bei Oceana. 
 
Oceana analysierte Satellitendaten von Trawlern basierend auf Global Fishing Watch1 und legte den Fokus dabei auf Gebiete des Natura-2000-Netzes. Die Analyse ergab, dass sich unter den Top 10 der am meisten mit Grundfischerei befischten europäischen Meeresgebiete fünf deutsche Gebiete befinden, darunter der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, für den allein mehr als 730.000 Stunden verzeichnet wurden. Laut Analysen von Oceana werden etwa 75 Prozent der Grundfischerei mit Baumkurren- Grundschleppnetzem betrieben: einer zum Fang für Plattfische (wie Seezunge und Scholle) angewandte, besonders schädlichen Fangmethode, bei der schwere Netze an einem Stahlträger befestigt werden, der die Öffnung der Netze auf dem Meeresboden offen hält. In einer Petition unter Führung von Oceana, die bereits fast 150.000 Unterschriften gesammelt hat, wird die Europäische Kommission aufgefordert, in ihrem für Anfang 2022 erwarteten Aktionsplan für die Meere ein Verbot der Grundschleppnetz-Fischerei für alle EU- Meeresschutzgebiete auszusprechen. 

Top 10 der Natura-2000-Gebiete mit dem größten Volumen an Grundfischerei in Europa

(2020; Quelle: Oceana, www.europe.oceana.org)
Name des Schutzgebietes EU-Land Grundfischerei in MPA 2020 insgesamt (in Stunden)
Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer  Deutschland                                                 732 775
Wattenmeer und angrenzende Küstengebiete  Deutschland                                                576 393
Sylter Außenriff  Deutschland                                                318 582
Noordzeekustzone  Niederlande                                                 117 683
Keltische See - Talus du golfe de Gascogne  Frankreich                                                 117 574
Waddenzee Niederlande                                                 110 451
Doggerbank (deutscher Teil)  Deutschland                                                  93 092
Skagens Gren und Skagerak Dänemark                                                  49 092
Steingrund  Deutschland                                                  41 832