Stickstoff Blasen in Flüssigkeit (Symbolbild)
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Tauchen mit PFO: Was bedeutet das für Taucher?

Aus der Serie: »Hey Doc, bin ich damit tauchtauglich?« Persistierendes Foramen ovale (PFO) bei Tauchern: Risiko, Tauchtauglichkeit und wie Low Bubble Diving das DCI-Risiko reduzieren kann.

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Dr. Dr. Philipp Stahl

Ein persistierendes Foramen ovale (PFO) kommt bei etwa jedem vierten Erwachsenen vor – meist ohne Beschwerden. Beim Gerätetauchen kann diese kleine Öffnung im Herzen jedoch das Risiko eines Dekompressionsunfalls erhöhen. Der Artikel erklärt, warum ein PFO beim Tauchen relevant sein kann, welche medizinische Abklärung sinnvoll ist und wie Taucher mit speziellen Vorsichtsmaßnahmen weiterhin sicher tauchen können. Besonders wichtig sind tauchmedizinische Beratung und angepasste Tauchprofile nach den Regeln des Low Bubble Diving.

Was ist ein persistierendes Foramen ovale (PFO)?

Persistierendes Foramen ovale beim Tauchen: Gasblasenübertritt im Herzen
Schema eines persistierenden Foramen ovale (PFO). Beim Tauchen können Gasblasen während der Dekompression über die Öffnung zwischen rechtem und linkem Vorhof direkt in den arteriellen Kreislauf gelangen. Dadurch steigt das Risiko einer arteriellen Gasembolie.

Ein persistierendes Foramen ovale (PFO) ist eine kleine Öffnung in der Vorhofscheidewand des Herzens zwischen rechtem und linkem Vorhof. Diese Verbindung ist vor der Geburt normal und ermöglicht dem fetalen Kreislauf, die Lunge zu umgehen.

Nach der Geburt verschließt sich diese Öffnung normalerweise vollständig. Bei etwa 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen bleibt sie jedoch teilweise bestehen. In den meisten Fällen verursacht ein PFO keine Beschwerden und bleibt lebenslang unentdeckt.

Medizinisch handelt es sich dabei um eine sogenannte Rechts-Links-Verbindung (Shunt) zwischen beiden Herzvorhöfen.

Warum kann ein PFO beim Tauchen problematisch sein?

Beim Gerätetauchen entstehen während der Dekompressionsphase kleine Gasbläschen im venösen Blutkreislauf. Diese entstehen durch den Druckabfall beim Aufstieg nach dem physikalischen Gesetz von Boyle-Mariotte.

Normalerweise werden diese Bläschen über den Lungenkreislauf herausgefiltert und abgeatmet.

Besteht jedoch ein PFO, können Gasblasen über die Öffnung direkt vom rechten in den linken Vorhof gelangen. Dadurch umgehen sie den Lungenfilter und gelangen in den arteriellen Kreislauf.

Dort können sie kleine Blutgefäße verstopfen und Organe erreichen, etwa:

  • Gehirn
  • Rückenmark
  • Haut
  • Herz
  • Lymphsystem

Ein wichtiger Risikofaktor bei vorhandenem PFO ist Pressatmung, auch als Valsalva-Manöver bezeichnet. Dabei steigt der Druck im Brustraum kurzfristig an, etwa beim starken Pressen, Husten oder beim kraftvollen Druckausgleich. Dieser Druckanstieg kann den Übertritt von Gasblasen durch ein PFO begünstigen.

Diese Situation kann zu einer arteriellen Gasembolie (AGE) führen. In der modernen Tauchmedizin wird der Oberbegriff DCI (Decompression Illness) verwendet, der sowohl Dekompressionskrankheit (DCS) als auch arterielle Gasembolien umfasst.

Ein mögliches frühes Symptom einer arteriellen Gasembolie ist die sogenannte Livedo racemosa – eine unregelmäßige rot-bläuliche Fleckenzeichnung der Haut durch lokale Durchblutungsstörungen.

Livedo racemosa bei Tauchern: Hautveränderung als mögliches DCI-Symptom
© Dr. Dr. Philipp Stahl – Livedo racemosa zeigt sich als unregelmäßige rot-bläuliche Hautzeichnung. Bei Tauchern kann dieses Muster ein Hinweis auf eine arterielle Gasembolie oder eine Dekompressionskrankheit sein.

Was bedeutet ein PFO für die Tauchtauglichkeit?

Ein PFO ist keine automatische Kontraindikation für das Gerätetauchen.

Allerdings besteht ein grundsätzlich erhöhtes Risiko für eine Dekompressionskrankheit oder arterielle Gasembolien. Deshalb sollte bei bekannter Diagnose immer eine tauchmedizinische Beratung erfolgen.

Wichtig ist insbesondere eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung bei einem qualifizierten Tauchmediziner. Grundlage der Beurteilung ist meist ein kardiologischer Befund, häufig eine transösophageale Echokardiographie (TEE), mit der das PFO diagnostiziert wurde.

Der Tauchmediziner bewertet dann individuell:

  • Größe und funktionelle Bedeutung des PFO
  • bisherige Tauchhistorie
  • mögliche Risikofaktoren
  • geplante Tauchprofile

Wie reduziert Low Bubble Diving das Risiko?

Taucher mit bekanntem PFO können ihr Risiko durch konservative Tauchprofile reduzieren. Diese Strategie wird als Low Bubble Diving (LBD) bezeichnet.

Das Ziel besteht darin, die Bildung und den Übertritt von Gasblasen möglichst gering zu halten.

Wichtige Grundregeln sind:

  • Tauchgänge sorgfältig planen und mit dem tiefsten Tauchgang beginnen
  • Jo-Jo-Profile vermeiden
  • Aufstiegsgeschwindigkeit reduzieren – besonders in den letzten 10 Metern
  • Sicherheitsstopp verlängern
  • maximal zwei Tauchgänge pro Tag durchführen
  • mindestens vier Stunden Oberflächenpause einhalten
  • Wiederholungstauchgänge flacher planen
  • mit Nitrox nach Lufttabelle tauchen
  • Nullzeiten nicht ausreizen
  • Dekompressionstauchgänge vermeiden
  • körperliche Anstrengung während des Aufstiegs vermeiden
  • nach dem Tauchgang keine intensive körperliche Belastung
  • Risikofaktoren wie Dehydrierung, Kälte oder Rauchen vermeiden
  • Vermeide Pressatmung oder starkes Pressen (Valsalva-Manöver). Ein erhöhter Druck im Brustraum kann den Rechts-Links-Shunt über ein PFO verstärken und den Übertritt von Gasblasen in den arteriellen Kreislauf begünstigen.

Diese Maßnahmen können die Wahrscheinlichkeit einer DCI deutlich reduzieren.

Wann wird ein PFO-Verschluss empfohlen?

In den meisten Fällen ist ein Verschluss des PFO nicht erforderlich.

Eine interventionelle Behandlung kann jedoch in Einzelfällen erwogen werden, etwa wenn:

  • wiederholt DCI-Ereignisse auftreten
  • ein signifikanter Shunt nachgewiesen wurde
  • konservative Maßnahmen nicht ausreichen

Die Entscheidung sollte immer individuell und in Abstimmung mit Tauchmedizinern und Kardiologen erfolgen.

Ist Tauchen mit PFO grundsätzlich erlaubt?

Ja, grundsätzlich ist Tauchen mit PFO möglich.

Voraussetzung ist eine individuelle tauchmedizinische Bewertung und ein angepasstes Tauchverhalten. Besonders wichtig ist das Einhalten konservativer Tauchprofile und der Regeln des Low Bubble Diving.

Bei wiederholten DCI-Ereignissen kann jedoch im Einzelfall auch die Empfehlung ausgesprochen werden, das Gerätetauchen aufzugeben.

Welche Symptome können auf eine arterielle Gasembolie hinweisen?

Typische Symptome können unter anderem sein:

  • Hautveränderungen wie Livedo racemosa
  • neurologische Ausfälle
  • Taubheitsgefühle
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Lähmungserscheinungen

Diese Symptome können unmittelbar nach dem Tauchgang oder kurze Zeit später auftreten und erfordern sofortige medizinische Abklärung.

Sollte ich mich testen lassen, wenn ich tauche?

Ein generelles Screening aller Taucher auf ein PFO wird in der Regel nicht empfohlen.

Eine gezielte Untersuchung kann jedoch sinnvoll sein bei:

  • ungeklärten DCI-Ereignissen
  • neurologischen Symptomen nach Tauchgängen
  • wiederholten Hautmanifestationen nach dem Tauchen

Die Entscheidung über eine Diagnostik sollte immer gemeinsam mit einem Tauchmediziner getroffen werden.

Serienhinweis

Dieser Beitrag gehört zur Serie »Hey Doc, bin ich damit tauchtauglich?«. Gemeinsam mit dem Tauchmediziner Dr. Dr. Philipp Stahl von aqua med beantworten wir Leserfragen zu gesundheitlichen Voraussetzungen fürs Tauchen. Die Themen reichen von Herz- und Kreislauferkrankungen über Ohrprobleme bis zu individuellen Risiken beim Gerätetauchen.

Weitere Artikel aus dieser Serie sind:

Tauchtauglichkeitsuntersuchung: Ablauf, Nutzen und Kritik
Tauchen mit Paukenröhrchen – was Taucher wissen sollten
Tauchen mit Bluthochdruck – wann ist man tauchtauglich
Tauchen mit Asthma – ist ein Tauchkurs möglich?

Häufige Fragen zum Theme PFO und Tauchen

Ist Tauchen mit einem PFO gefährlich?
Ein persistierendes Foramen ovale (PFO) kann beim Tauchen das Risiko für eine Dekompressionskrankheit erhöhen. Der Grund ist, dass Gasblasen aus dem venösen Blutkreislauf über die Herzöffnung direkt in den arteriellen Kreislauf gelangen können.
Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für eine arterielle Gasembolie (AGE). Das Risiko ist jedoch individuell unterschiedlich und hängt unter anderem von der Größe des PFO und dem Tauchprofil ab.

Darf man mit einem PFO noch tauchen?
Ein PFO ist grundsätzlich keine absolute Kontraindikation für das Gerätetauchen. Viele Taucher mit dieser Diagnose können weiterhin tauchen, wenn bestimmte Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden.
Wichtig ist eine individuelle Beurteilung durch einen Tauchmediziner und ein angepasstes Tauchverhalten, etwa nach den Regeln des Low Bubble Diving.

Sollte man sich als Taucher auf ein PFO testen lassen?
Ein routinemäßiges Screening aller Taucher auf ein PFO wird von den meisten tauchmedizinischen Fachgesellschaften nicht empfohlen.
Eine Untersuchung kann jedoch sinnvoll sein, wenn nach Tauchgängen ungeklärte neurologische Symptome auftreten oder wiederholt Dekompressionsunfälle vorkommen.

Wie häufig ist ein PFO in der Bevölkerung?
Ein persistierendes Foramen ovale kommt relativ häufig vor. Studien zeigen, dass etwa 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen eine solche Öffnung zwischen den Herzvorhöfen haben.
Die meisten Betroffenen bemerken davon im Alltag nichts, da ein PFO in der Regel keine Beschwerden verursacht.

Welche Symptome können bei einem PFO-Tauchunfall auftreten?
Wenn Gasblasen über ein PFO in den arteriellen Kreislauf gelangen, können verschiedene Symptome auftreten. Dazu zählen:

– neurologische Ausfälle
– Schwindel oder Sehstörungen
– Taubheitsgefühle oder Lähmungen
– Hautveränderungen wie Livedo racemosa

Diese Symptome können kurz nach dem Tauchgang auftreten und sollten immer medizinisch abgeklärt werden.

Was ist Low Bubble Diving?
Low Bubble Diving ist eine konservative Tauchstrategie, die darauf abzielt, die Bildung von Gasblasen im Körper möglichst gering zu halten.
Typische Maßnahmen sind langsamere Aufstiege, längere Sicherheitsstopps, weniger Tauchgänge pro Tag und das Vermeiden von Dekompressionstauchgängen. Diese Vorgehensweise kann besonders für Taucher mit PFO sinnvoll sein.

Wann wird ein PFO operativ verschlossen?
Ein Verschluss des PFO wird nur in bestimmten Fällen empfohlen. Dazu zählen zum Beispiel wiederholte Dekompressionsunfälle trotz konservativer Tauchprofile oder ein nachweislich großer Shunt.
Die Entscheidung wird individuell gemeinsam mit Kardiologen und Tauchmedizinern getroffen.

Kann man nach einem PFO-Verschluss wieder tauchen?
Nach einem erfolgreichen interventionellen PFO-Verschluss kann Tauchen unter bestimmten Voraussetzungen wieder möglich sein.
In der Regel ist eine erneute tauchmedizinische Untersuchung notwendig, um sicherzustellen, dass kein relevanter Shunt mehr besteht und das Risiko einer Gasembolie reduziert ist.

Warum sollte man mit PFO Pressatmung vermeiden?
Pressatmung erhöht kurzfristig den Druck im Brustraum. Dadurch kann venöses Blut – zusammen mit möglichen Gasblasen – über ein persistierendes Foramen ovale vom rechten in den linken Herzvorhof gelangen. Dieser sogenannte Rechts-Links-Shunt erhöht das Risiko einer arteriellen Gasembolie.

Externe Quellen

Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM)
aqua med Tauchmedizinischer Dienst