Das Wichtigste in Kürze
- Augenoperationen sind kein genereller Ausschluss fürs Tauchen. Vor der Rückkehr ins Wasser braucht es aber eine individuelle augenärztliche und tauchmedizinische Bewertung.
- Unter Wasser belasten Druckänderungen im Maskenraum, Keime aus dem Wasser und noch nicht stabiles Gewebe das operierte Auge.
- Orientierungswerte aus der klinischen Erfahrung: nach LASIK und PRK/Trans-PRK mindestens zwölf Wochen, nach Katarakt-OP meist sechs bis acht Wochen, nach Glaukom-OP in der Regel drei Monate, nach Netzhautablösung häufig zwei bis drei Monate oder länger.
- Solange nach einer Netzhaut-OP Gas im Auge ist, ist Tauchen absolut kontraindiziert.
- Beim unbehandelten Engwinkelglaukom besteht absolutes Tauchverbot.
Hey Doc, bin ich damit tauchtauglich?
»Hey Doc, ich hatte vor vier Monaten im Urlaub in Südafrika eine Operation wegen einer Netzhautablösung. Ab wann kann ich wieder sicher tauchen?«
Die Augen und ein gutes Sehen sind wichtige Faktoren für sicheres und genussvolles Tauchen. Augenoperationen, von refraktiven Eingriffen (LASIK/PRK/Trans-PRK) über implantierbare Kontaktlinsen (ICL) und Katarakt-Operationen bis hin zu Netzhaut-Behandlungen und -Ablösungen, gehören zu den häufigen chirurgischen Eingriffen in der modernen augenheilkundlichen Medizin.
Für alle diese Eingriffe gilt: Tauchen ist nach der Operation erst dann wieder sicher, wenn Heilung, Sehstabilität und Barotrauma-Risiken abgeklärt sind. Nationale und internationale tauchmedizinische Fachgesellschaften betonen dabei stets eine individuelle medizinische Beurteilung vor einer Freigabe zum Tauchen.
Was belastet das operierte Auge unter Wasser?
Augenoperationen hinterlassen, selbst wenn der Eingriff minimal-invasiv war, Verletzungen oder strukturelle Veränderungen am Gewebe, zum Beispiel an Hornhaut, Linse oder Netzhaut. Unter Wasser können folgende Faktoren das operierte Auge zusätzlich belasten:
- Druckänderungen im Tauchmaskenraum: Beim Abtauchen entstehen Druckunterschiede zwischen Umgebung und Maskenraum. Dies kann zu einem Unterdruck-Barotrauma führen.
- Infektionsrisiko: Offene oder noch nicht vollständig verheilte Gewebe können Eintrittspforten für Keime aus dem Wasser darstellen.
- Gas im Auge nach OP: Die Verwendung von Gas im Auge bei bestimmten Netzhaut-Eingriffen kann beim Apnoe- und Gerätetauchen schwerwiegende Folgen haben, da sich Druckänderungen negativ auf das im Auge verbleibende Gasvolumen auswirken.
- Heilungszeiten: Je nach Eingriff kann die vollständige strukturelle Festigkeit des Auges Monate benötigen, auch wenn die Sehschärfe bereits gut erscheint.
Im Folgenden sind praktische Mindest-Tauchpausen für ausgewählte augenheilkundliche Eingriffe aufgeführt, die auf klinischer Erfahrung beruhen.
Tauchen nach LASIK und PRK: refraktive Chirurgie
Ziel der refraktiven Chirurgie ist die Korrektur von Fehlsichtigkeiten (Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung), um Brillen oder Kontaktlinsen zu vermeiden.
- LASIK: Die Hornhaut wird mittels Laser neu geformt, dafür wird ein Hornhaut-Deckel (Flap) geschaffen.
- PRK/Trans-PRK: Die oberste Hornhautschicht wird abgetragen und regeneriert anschließend.
Nach LASIK müssen der Flap und die darunterliegende Hornhaut vollständig stabil und adhärent sein, da Druckänderungen und Maskenkontakt sonst theoretisch zu Komplikationen führen könnten. Bei PRK/Trans-PRK heilt die Oberfläche langsamer, die Regeneration des Epithels braucht Zeit.
Die empfohlene Wartezeit vor dem Tauchen beträgt bei LASIK und PRK/Trans-PRK mindestens zwölf Wochen nach stabil verheilter Operation, gegebenenfalls etwas länger, abhängig vom Heilungsverlauf.
Tauchen nach Katarakt-OP und implantierbaren Linsen
Bei der Katarakt-OP wird die getrübte Linse (»Grauer Star«) entfernt und eine künstliche Linse eingesetzt. Tauchen ist danach meist möglich, jedoch erst nach vollständiger Heilung und ohne Komplikationen. Viele Augenärzte empfehlen, sechs bis acht Wochen, in Einzelfällen zwei bis drei Monate zu warten, je nach Heilungsverlauf.
Bei der ICL wird eine künstliche Linse ins Auge implantiert, ohne die natürliche Linse zu entfernen. Wichtig ist, dass Wundheilung und Entzündungsfreiheit gewährleistet sind.
Nach abgeschlossener Heilung beeinflussen weder ICL noch Katarakt-OP Augeninnendruck oder Struktur direkt. Vor dem Tauchen ist jedoch eine augenärztliche Kontrolle nötig.
Tauchen mit Grünem Star (Glaukom)
Der Grüne Star kann häufig, aber nicht immer durch einen erhöhten Augeninnendruck zu einer Schädigung des Sehnervs führen. Regelmäßige augenärztliche Verlaufskontrollen sind angezeigt.
Beim unbehandelten Engwinkelglaukom besteht absolutes Tauchverbot, da es beim Tauchen zum Glaukomanfall mit Gefahr bleibender Schäden kommen kann. Nach chirurgischer oder laserchirurgischer Therapie des Glaukoms mit engem Kammerwinkel ist Tauchen nach vollständiger Abheilung, in der Regel nach drei Monaten, nach augenärztlicher Freigabe möglich.
Eine absolute Kontraindikation besteht beim Glaukom mit schlecht eingestelltem Augeninnendruck und beim Glaukom mit vorhandenem Sehnervschaden und Gesichtsfeldausfällen.
Tauchen nach Netzhautriss und Netzhautablösung
Netzhauterkrankungen und deren operative Behandlung gehören zu den kritischeren Augenproblemen beim Tauchen, weil sie potenziell zu Sehverlust oder Druckeffekten im Auge führen können. Bei den OP-Verfahren wird in der Regel intraokuläres Gas verwendet, das vor dem Tauchen vollständig resorbiert sein muss (in der Regel nach einem Monat). Bis dahin ist Tauchen absolut kontraindiziert.
- Retinale Laserbehandlung bei Netzhautlöchern oder Degenerationen: Nach erfolgreichem Eingriff, vollständiger Heilung und Gasresorption halten viele Augenärzte das Tauchen für unbedenklich.
- Operation bei Netzhautablösung (Vitrektomie, Ablösungsreparatur): Tauchen ist nach vollständiger Gasresorption und stabiler Gewebestruktur möglich, häufig nach zwei bis drei Monaten oder länger, abhängig vom Eingriff und Heilungsverlauf.
Regelmäßige augenärztliche Netzhautkontrollen sind zudem bei ausgeprägter Kurzsichtigkeit (Myopie) wichtig, da diese ein Risiko für (erneute) Netzhautlöcher oder Netzhautablösungen darstellt.
Was heißt das für dich beim Tauchen?
- Vor dem geplanten Tauchen nach einer Augenoperation stets augenärztlich und tauchmedizinisch abklären lassen.
- Heilungszeiten einhalten. Die oben genannten Intervalle sind Orientierungswerte, keine pauschalen Freigabezeiten.
- Voraussetzung ist eine unkomplizierte Heilung ohne Schmerzen, Infekte oder Beeinträchtigung des Sehens.
- Den Druckausgleich im Maskenraum bewusst und langsam durchführen, um ein Maskenbarotrauma zu vermeiden.
Fazit
Augenoperationen stellen keinen generellen Ausschluss fürs Tauchen dar, aber sie erfordern eine differenzierte, individuelle medizinische Bewertung. Laut tauchmedizinischen und augenärztlichen Fachgesellschaften ist vor einer Rückkehr ins Wasser sicherzustellen, dass die Augen vollständig geheilt und strukturell stabil sind und der Augenarzt die volle Genesung bestätigt, um eine tauchmedizinische Freigabe zum Tauchen zu erhalten. Eine zu frühe Rückkehr ins Wasser kann sonst Risiken für Infektionen, Narbeninstabilität oder Barotrauma bergen.
Serienhinweis
Dieser Beitrag gehört zur Serie »Hey Doc, bin ich damit tauchtauglich?«. Tauchmediziner Dr. Dr. Philipp Stahl von aqua med beantwortet Leserfragen zu gesundheitlichen Voraussetzungen fürs Tauchen. Du hast eine Frage an unseren Doc? Schreib an redaktion@tauchen.de, Stichwort »Hey Doc«.
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Häufige Fragen zum Tauchen nach Augenoperationen
Wie lange darf man nach einer Augenoperation nicht tauchen?
Das hängt vom Eingriff und vom Heilungsverlauf ab. Als Orientierung aus der klinischen Erfahrung nennt Dr. Dr. Philipp Stahl für LASIK und PRK mindestens zwölf Wochen, für die Katarakt-OP meist sechs bis acht Wochen, für Glaukom-Eingriffe in der Regel drei Monate und für Operationen bei Netzhautablösung häufig zwei bis drei Monate oder länger. Die Freigabe erfolgt immer individuell.
Wann darf ich nach LASIK wieder tauchen?
Empfohlen werden mindestens zwölf Wochen nach stabil verheilter Operation, gegebenenfalls länger. Der Hornhaut-Deckel (Flap) muss vollständig stabil und angewachsen sein.
Darf man nach einer Grauer-Star-Operation tauchen?
Ja, meist schon, aber erst nach vollständiger, komplikationsloser Heilung. Viele Augenärzte empfehlen sechs bis acht Wochen Pause, in Einzelfällen zwei bis drei Monate. Vor dem Tauchen ist eine augenärztliche Kontrolle nötig.
Warum ist Gas im Auge beim Tauchen gefährlich?
Bei manchen Netzhaut-Operationen wird Gas ins Auge eingebracht. Druckänderungen beim Tauchen wirken sich auf dieses Gasvolumen aus und können schwerwiegende Folgen haben. Bis das Gas vollständig resorbiert ist, ist Tauchen absolut kontraindiziert, beim Gerätetauchen ebenso wie beim Apnoetauchen.
Darf man mit Grünem Star tauchen?
Das kommt auf die Form an. Beim unbehandelten Engwinkelglaukom besteht absolutes Tauchverbot, ebenso bei schlecht eingestelltem Augeninnendruck oder vorhandenem Sehnervschaden mit Gesichtsfeldausfällen. Nach operativer oder Laser-Therapie ist Tauchen nach vollständiger Abheilung und augenärztlicher Freigabe möglich.
Wann darf ich nach einer Netzhautablösung wieder tauchen?
Frühestens, wenn das Gas im Auge vollständig resorbiert und das Gewebe stabil ist, häufig nach zwei bis drei Monaten oder länger. Wer stark kurzsichtig ist, sollte die Netzhaut zudem regelmäßig kontrollieren lassen.
Quellen und weiterführende Informationen
- UK Diving Medical Committee: Ophthalmological problems
- Palumbo A (2011): Eye Surgery Using Intra-Operative Gas and its Suitability for Use in Scuba Diving. Alert Diver, DAN Europe
- DAN Southern Africa (2019): Retinal Detachment
- Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM)
- aqua med – medizinischer Notruf für Taucher
- Tauchen mit Augenproblemen: Unter Wasser den Durchblick behalten
- Tauchen nach Operationen, Frakturen und Gelenkersatz
- Tauchmedical: Ablauf, Nutzen, Kosten und Kritik
Unser Experte
Dr. Dr. Philipp Stahl ist stellvertretender ärztlicher Leiter MHW/aqua med Medical Board und Facharzt für Innere Medizin, Notfallmedizin, Tauchmedizin und Reisemedizin. aqua med ist seit 20 Jahren der medizinische Notruf für Taucher. Hinter der Marke steht das Team der Medical Helpline Worldwide (MHW) in Bremen. Das Team aus Assisteuren und Ärzten ist rund um die Uhr erreichbar.
Dieser Artikel von Dr. Dr. Philipp Stahl erschien in TAUCHEN-Ausgabe 06/2026 und wurde für die Webfassung redaktionell angepasst.