Geschwollenes und verfärbtes Unterschenkelbein als mögliches Zeichen einer tiefen Beinvenenthrombose; im Hintergrund liegt Tauchausrüstung.
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Tauchen nach Thrombose und Lungenembolie: Wann bist du wieder tauchtauglich?

Wann ist Tauchen nach Beinvenenthrombose oder Lungenembolie wieder möglich? Was Blutverdünner bedeuten und welche Untersuchungen wichtig sind.

KI-generiert / Adobe Firefly

Wer eine tiefe Beinvenenthrombose oder eine Lungenembolie erlebt hat, stellt sich häufig die Frage, ob Tauchen künftig noch möglich ist. Die gute Nachricht: Eine solche Erkrankung bedeutet nicht automatisch das Ende des Tauchsports. Entscheidend sind die Ursache der Erkrankung, der Heilungsverlauf sowie die Belastbarkeit von Herz und Lunge. Besonders wichtig ist eine individuelle tauchmedizinische Untersuchung, vor allem wenn weiterhin Blutverdünner eingenommen werden.

Darfst du aus medizinischer Sicht tauchen?

Grundsätzlich ja – allerdings nicht unmittelbar nach einer tiefen Beinvenenthrombose oder Lungenembolie.
Ob du wieder tauchen darfst, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Ist die Ursache der Erkrankung geklärt und behandelt?
  • Haben sich Herz und Lunge vollständig erholt?
  • Bestehen noch Beschwerden oder Einschränkungen?
  • Nimmst du weiterhin blutverdünnende Medikamente ein?

Aktuelle tauchmedizinische Empfehlungen verzichten auf starre Wartezeiten. Stattdessen steht die individuelle medizinische Beurteilung im Vordergrund.

Ursachen und Hintergründe

Bei einer tiefen Beinvenenthrombose bildet sich ein Blutgerinnsel in einer Vene des Beins. Löst sich ein Teil dieses Gerinnsels und gelangt über den Blutstrom in die Lunge, entsteht eine Lungenembolie.

Zu den bekannten Risikofaktoren gehören unter anderem:

  • lange Flugreisen oder Immobilisation
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • bestimmte Gerinnungsstörungen
  • Krebserkrankungen
  • hormonelle Medikamente

Für die Tauchtauglichkeit ist besonders wichtig, ob die betroffenen Gefäße wieder ausreichend durchgängig sind und keine bleibenden Schäden an Herz oder Lunge zurückgeblieben sind.

Erhöht Tauchen das Risiko für neue Thrombosen?

Nach aktuellem Kenntnisstand gibt es keine Hinweise darauf, dass Freizeittauchen das Risiko für neue Thrombosen erhöht.
Während eines Tauchgangs verändern sich zwar Blutdruck, Herzfrequenz und die Flüssigkeitsverteilung im Körper. Bei üblichen Sporttauchgängen mit moderaten Tiefen und ausreichenden Oberflächenintervallen führen diese Veränderungen jedoch normalerweise nicht zu einer gefährlichen Aktivierung der Blutgerinnung.

Bestehen zusätzliche Risikofaktoren, sollte die Situation dennoch individuell bewertet werden.

Risiken beim Tauchen nach einer Lungenembolie

Eine überstandene Lungenembolie kann die Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigen. Tauchen stellt erhöhte Anforderungen an beide Organsysteme. Deshalb muss vor einer Rückkehr ins Wasser geprüft werden, ob:

  • die Lungenfunktion normal ist
  • kein erhöhter Druck in den Lungengefäßen besteht
  • keine Belastung des rechten Herzens vorliegt
  • die körperliche Belastbarkeit vollständig wiederhergestellt ist

Hierzu gehören in der Regel eine Lungenfunktionsprüfung, ein Herzultraschall sowie ein Belastungs-EKG.

Blutverdünner: Was bedeutet das für Taucher?

Viele Betroffene erhalten nach einer Thrombose oder Lungenembolie über mehrere Monate oder dauerhaft eine sogenannte Antikoagulation. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind beispielsweise Apixaban, Rivaroxaban oder Edoxaban.

Diese Medikamente senken das Risiko für neue Blutgerinnsel, erhöhen jedoch die Blutungsneigung. Für Taucher ergeben sich daraus einige Besonderheiten:

  • Nasenbluten kann stärker ausfallen.
  • Verletzungen bluten länger.
  • Probleme beim Druckausgleich können leichter zu Blutungen führen.
  • Komplikationen nach einem Lungenbarotrauma könnten schwerer verlaufen.

Auch wenn kein generelles Tauchverbot besteht, gelten Taucher unter Blutverdünnung als Risikogruppe. Besonders bei Tauchreisen in abgelegene Regionen sollte das erhöhte Risiko berücksichtigt werden.

Wann kannst du wieder tauchen?

Einen festen Zeitpunkt gibt es nicht. In vielen Fällen dauert allein der natürliche Abbau eines Blutgerinnsels unter medikamentöser Behandlung drei bis sechs Monate. Ob eine Tauchtauglichkeit wieder besteht, hängt jedoch nicht allein vom Zeitablauf ab. Vor einer Rückkehr zum Tauchen sollten folgende Punkte erfüllt sein:

  • vollständige Mobilisation
  • normale körperliche Belastbarkeit
  • keine relevanten Restbeschwerden
  • stabile Herz- und Lungenfunktion
  • tauchmedizinische Untersuchung mit positiver Beurteilung

Je nach Befund kann zusätzlich die Rücksprache mit Kardiologen, Pneumologen oder Gerinnungsspezialisten sinnvoll sein.

Was du beim Tauchen beachten solltest

Wer nach einer Thrombose oder Lungenembolie wieder taucht, sollte besonders konservativ planen. Empfohlen werden:

  • moderate Tiefen
  • langsame Aufstiege
  • großzügige Sicherheitsstopps
  • ausreichend lange Oberflächenintervalle
  • gute Flüssigkeitszufuhr
  • problemloser Druckausgleich

Der Buddy sollte über die Vorerkrankung informiert sein. Im Notfall können diese Informationen für Rettungskräfte wichtig sein.

Wann ärztlicher Rat nötig ist

Vor jedem Wiedereinstieg ins Tauchen sollte eine tauchmedizinische Untersuchung erfolgen. Während einer Tauchreise gilt: Bei neuen Wadenschmerzen, Atemnot, Brustschmerzen oder ungeklärten Leistungseinbußen darf nicht getaucht werden. Diese Beschwerden müssen umgehend medizinisch abgeklärt werden.

Fazit

Eine frühere Beinvenenthrombose oder Lungenembolie schließt das Tauchen nicht grundsätzlich aus. Voraussetzung sind eine vollständige Erholung von Herz und Lunge, eine gute körperliche Belastbarkeit und eine individuelle tauchmedizinische Beurteilung. Wer weiterhin Blutverdünner einnimmt, sollte die damit verbundenen Risiken kennen und konservative Tauchprofile wählen. Mit sorgfältiger Vorbereitung ist eine sichere Rückkehr zum Tauchsport häufig möglich.

Du hast auch eine Frage zur Tauchtauglichkeit? Schreib uns an redaktion@tauchen.de mit dem Stichwort »Sprechstunde« und wir leiten deine Frage an unseren Experten Dr. Dr. Philipp Stahl von aqua med weiter.

Weitere Teile der Serie

Tauchen nach Operationen, Frakturen und Gelenkersatz
Tauchen mit Bluthochdruck
Tauchen und Diabetes
Tauchen mit Asthma
Tauchtauglichkeit – Ablauf, Nutzen und Kritik

Externe Quellen

GTÜM – Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin e.V.
UHMS – Undersea and Hyperbaric Medical Society
SPUMS – South Pacific Underwater Medicine Society
European Society of Cardiology (ESC): Guidelines for the diagnosis and management of acute pulmonary embolism
American Society of Hematology (ASH): Venous Thromboembolism Guidelines

FAQ zum Tauchen nach Thrombosen und mit Blutverdünnern

Wie lange muss ich nach einer Thrombose mit dem Tauchen pausieren?

Eine feste Wartezeit gibt es nicht. In vielen Fällen erfolgt die erste Beurteilung frühestens nach mehreren Monaten erfolgreiche Behandlung und Stabilisierung.

Darf ich mit Blutverdünnern tauchen?

Eine laufende Antikoagulation ist kein automatisches Tauchverbot. Das individuelle Blutungsrisiko muss jedoch tauchmedizinisch bewertet werden.

Kann Tauchen eine neue Thrombose auslösen?

Für das Freizeittauchen gibt es bislang keine wissenschaftlichen Hinweise auf ein erhöhtes Thromboserisiko.

Welche Untersuchungen sind vor dem Wiedereinstieg sinnvoll?

Je nach Krankheitsverlauf können Ultraschall der Beinvenen, Lungenfunktionstest, Herzultraschall, Belastungs-EKG und eine tauchmedizinische Untersuchung erforderlich sein.