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Wale in der Tiefsee: Forscher nehmen Walgesänge im Mariannengraben auf

Wer glaubt, dass die Tiefsee in fast zehn Kilometern Tiefe ein geräuschloser Ort ist, irrt: Der Mariannengraben ist voller Unruhe – sogar Walgesänge diverser Arten haben die überraschten Forscher in knapp zehn Kilometern Tiefe aufgezeichnet.

Die ersten Tonaufnahmen aus dem Mariannengraben, dem tiefsten Punkt der Erde, haben ein paar erstaunliche Töne zutage gefördert – darunter befinden sich auch Walgesänge von verschiedenen Walen. Bisher ist sehr wenig über den Mariannengraben bekannt, der den tiefsten Punkt der Erde darstellt. Forscher der US-Organisation NOAA und deren Partnern haben nun erste Aufnahmen aus der fast zehn Kilometer tiefen Challenger Deep in der Nähe von Mikronesien veröffentlicht.

Mkrofon wird zu Wasser gelassen: Unterhalb der Oberfläche befindet sich der Mariannengraben – die tiefste Stelle des Planeten. Foto: NOAA

Mkrofon wird zu Wasser gelassen: Unterhalb der Oberfläche befindet sich der Mariannengraben – die tiefste Stelle des Planeten. Foto: NOAA

Hightech-Mikrofon nimmt erstaunliche Geräusche auf

Die Forscher der NOAA, der Oregon State University und der US Küstenwache waren erstaunt: „Man könnte denken, dass der tiefste Punkt des Ozeans ein ruhiger Ort ist“, erklärte Ozeanograf Robert Dziak. „Dort unten gibt es konstant Geräusche“. Dominiert werde die Geräuschkulisse von Erdbeben, die dort in der Umgebung stattfinden, aber auch verschiedene Walgesänge, ein Kategorie 4 Thaifun und außerdem von Geräuschen von Schiffspropellern, die in der Umgebung an der Oberfläche kreuzen.

Diese ganzen Geräusche aufzunehmen war nicht leicht in einem Unterwassertal, das so tief ist wie der Mount Everest hoch. Das Project wurde vom Office of Ocean Exploration and Research Institut der US Behörde NOAA finanziert, um herauszufinden, wie sich der menschgemachte Lärmpegel in der Tiefsee auswirkt. Im Vergleich zu heute lässt sich somit für zukünftige Messungen der Unterschied feststellen und Rückschlüsse darauf ziehen, wie sich ein verändernder Geräsuchpegel auf Meereslebewesen wie Wale, Delfine und Fische, und deren Kommunikations- und Futterverhalten auswirkt.

Hightech-Mikrofon: Um dem Druck in der Tiefe standhalten zu können, ist das Hydrofon mit Titanium verstärkt. Foto: NOAA

Hightech-Mikrofon: Um dem Druck in der Tiefe standhalten zu können, ist das Hydrofon mit Titanium verstärkt. Foto: NOAA

Walgesänge und menschgemachter Unterwasserlärm: Das Hydrofon zeichnet alles auf

Im Zielgebiet von 10,9 Kilometern Tiefe herrschen extreme Druckverhältnisse. Das mit Titanium verstärkte Hightech-Mikrofon – das sogenannte Hydrofon – wurde deshalb extrem langsam und vorsichtig in der Tiefe positioniert. Innerhalb von 23 Tagen nahmen die Wissenschaftler anschließend alle Geräusche in der Tiefe auf.

Der von Menschen erzeugte Lärm in den Meeren ist ein bekanntes Problem. Schiffe, Bohrinseln und alle anderen Formen menschlichen Schaffens im Meer erzeugen Lärm, der Einfluss auf die Tierwelt und deren Verhalten hat. Bisher ist noch nicht ausreichend erforscht, wie stark der Einfluss des Lärms auf Wale, Delfine und Fische ist. Vermutet wird jedoch, dass die Geräuschkulisse auch zu Problemen wie Walstrandungen führen kann.

Video: Walgesänge – so klingen die Riesen der Meere