Das Maratua-Atoll in der Celebes-See bietet abwechslungsreiche Tauchgänge zwischen Steilwand, Strömung und Makromöglichkeiten.
Der Report führt zu den Schwesterresorts Nunukan und Nabucco mit ihren Extra-Divers Tauchbasen und zeigt deren unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Revier.
Im Mittelpunkt stehen konkrete Taucherlebnisse – von ruhigen Driftdives bis zu strömungsreichen Kanälen mit Großfisch.
Ein Ziel für Taucher, die Vielfalt schätzen und sich auf wechselnde Bedingungen einstellen.
Nunukan: Steg, Strand und Gezeiten
Nunukan, der unmittelbare Nachbar von Virgin Cocoa, ist über einen nahezu einen Kilometer langen Holzsteg erreichbar. Eine Verbindung, die nicht nur praktisch ist, sondern dem Ort auch etwas Eigenwilliges verleiht. Gerüchten zufolge nutzen einige den Steg für ihre morgendlichen Joggingrunden. Die meisten bleiben jedoch auf ihrer Insel.
Und das genügt völlig. Der fast 400 Meter lange Sandstrand, gesäumt von Kokospalmen, steht seinem prominenten Nachbarn optisch in nichts nach. Auffällig sind die Gezeiten. Mit einem Tidenhub von teils über drei Metern verändert sich die Lagune sichtbar. Bei Hochwasser reicht das Meer bis vor die Bungalows, bei Niedrigwasser lässt sich die Nachbarinsel beinahe trockenen Fußes erreichen.
Schnorcheln spielt hier eine untergeordnete Rolle. Das eigentliche Geschehen beginnt erst jenseits der Riffkante.
Direkt vor der Haustür: Steilwand und Leben
»Ohne Boot geht gar nichts«, sagt Beat Waefler, der das Resort seit vielen Jahren leitet. Ein Satz, der hängen bleibt. Wer vom Steg aus nach Osten schwimmen würde, träfe erst nach rund 700 Kilometern wieder auf Land. Dazwischen fällt der Meeresboden auf über 5000 Meter ab.
Diese Nähe zur Tiefsee prägt die Tauchgänge. Schon wenige Minuten vom Steg entfernt beginnt die Steilwand. Rolle rückwärts, sammeln, abtauchen – und sofort öffnet sich eine andere Welt. Große Schwämme, Gorgonien in warmen Farben, buschige Weichkorallen. Mit zunehmender Tiefe wird die Sicht besser, fast klar.
Fledermausfische ziehen weit unter uns vorbei, Füsiliere und Schnapper begleiten den Drift. Es ist ein ruhiges, fast schwereloses Gleiten entlang der Wand. Erst in kleinen Einbuchtungen wird es wieder kleinteilig. Schnecken, Garnelen – und schließlich ein winziges Anglerfischbaby, das selbst dem ungeübten Blick leicht entgeht.
Zwei Richtungen, zwei Tauchgänge
Am selben Spot, nur wenige Stunden später, wirkt alles verändert. Die Strömung hat gedreht, der Einstieg erfolgt in die andere Richtung.
In rund 30 Metern Tiefe öffnet sich ein Sandplateau. Die Wand läuft hier aus, bevor sie weiter draußen erneut abfällt. Über dem Boden stehen wir wenige Meter über Grund und suchen nach Bewegung. Federschwanz- und Mangrovenstechrochen ziehen ihre Bahnen, halb im Sand verborgen.
In den Überhängen am Wandfuß ruhen Weißspitzen-Riffhaie, manchmal auch Leopardenhaie. Nicht jede Erwartung erfüllt sich. Stattdessen tauchen Barrakudas auf, dazu Schildkröten – und ein Hammerhai weit draußen, gerade noch als Silhouette erkennbar.
Der Reiz liegt genau darin: nichts ist planbar, vieles möglich.
Kakaban: Ein See voller Quallen
Ein Ausflug zur Insel Kakaban erweitert das Bild des Reviers. Rund 20 Kilometer Richtung Kalimantan liegt dort ein Brackwassersee, der seit der letzten Eiszeit vom Meer abgeschnitten ist.
In dieser Isolation hat sich eine Quallenpopulation entwickelt, deren Nesselzellen für Menschen wirkungslos sind. Ohne Schutzanzug zwischen unzähligen Quallen zu treiben, wirkt zunächst ungewohnt, dann erstaunlich selbstverständlich.
An den Rändern sorgen Mangrovenwurzeln für Struktur. Kleine Fische, Garnelen und Plattwürmer nutzen das Dickicht als Lebensraum.
Nabucco: Die andere Seite des Atolls
Knapp 20 Kilometer nördlich liegt Nabucco Island. Die Insel ist klein, dicht bewachsen und wirkt auf den ersten Blick fast unscheinbar. Erst beim genaueren Hinsehen zeigt sich, wie sorgfältig das Resort in die vorhandene Vegetation integriert wurde.
Resortleiterin Dara führt über das Gelände, vorbei an Orchideen, Mangroven und offenen Sandbuchten. Auch an Land gibt es Bewegung: Eisvögel, Warane – und mit etwas Glück ein Palmendieb, die größte Landkrabbe der Welt.
Doch entscheidend ist die Lage im Atoll. Sie bringt Zugang zu einem der bekanntesten Spots der Region.
Big Fish Country: Warten im Strom
Ein Kanal verbindet die Lagune mit dem offenen Meer. Bei einströmendem Wasser entsteht hier eine Strömung, die alles bestimmt.
Der Ablauf ist routiniert: Abtauchen, zur Kante vorarbeiten, einhaken. Die Strömung steht spürbar im Wasser. Vor uns das offene Blau, dahinter die Tiefe der Celebes-See.
Zunächst passiert wenig. Dann ein erster Riffhai, der scheinbar mühelos gegen die Strömung anarbeitet. Er kommt näher, dreht ab, verschwindet und kehrt zurück.
Später verlagert sich der Tauchgang. Ein Barrakudaschwarm formiert sich im Freiwasser. Für einen Moment schließt er sich um uns, bevor die Strömung uns wieder vom Riff wegzieht.
Fast nebenbei spielt sich ein zweites Schauspiel ab: zwei Kraken im Paarungsritual, begleitet von Farbwechseln und vorsichtigen Annäherungen.
Mehr als nur Großfisch
So präsent Großfisch an manchen Tagen ist – das Revier reduziert sich nicht darauf. Rund um Nabucco liegen zahlreiche weitere Spots, viele davon nur wenige Minuten entfernt.
Korallenriffe mit Schildkröten, Rochen und Haien wechseln sich mit Makroplätzen ab. Vier Tauchgänge am Tag sind keine Seltenheit, ergänzt durch Frühmorgen- oder Nachttauchgänge.
Die Stärke des Gebiets liegt in dieser Mischung.
Fazit
Nunukan und Nabucco sind zwei unterschiedliche Zugänge zu ein und demselben Atoll. Beide bieten vergleichbare Tauchplätze, unterscheiden sich aber in Atmosphäre und Lage.
Gemeinsam ist ihnen die Dynamik des Reviers: Strömung, Tiefsee und ein breites Spektrum an Begegnungen. Wer sich darauf einlässt, findet hier ein Tauchgebiet, das nicht auf einen Schwerpunkt festgelegt ist – sondern genau von seiner Vielfalt lebt.
Der Text und sämtliche Fotos stammen von Barbara & Wolfgang Pölzer.
Reise-Infos MARATUA-ATOLL
Anzug: Die Wassertemperaturen liegen ganzjährig stabil zwischen 27 und 29 Grad. Ein Neoprenanzug mit drei bis fünf Millimetern Stärke ist ausreichend.
Anreise: Internationaler Zielflughafen ist Jakarta. Weiter geht es per Inlandsflug über Balikpapan oder Surabaya nach Berau. Von dort erfolgt der Transfer per Boot: etwa drei Stunden nach Nunukan, rund dreieinhalb Stunden nach Nabucco. Die Transfers ab Berau finden mittwochs und samstags statt. Beide Resorts liegen rund 18,5 Kilometer voneinander entfernt.
Einreise: Reisepass mit mindestens sechs Monaten Gültigkeit erforderlich. Bei Ankunft wird ein 30-Tage-Visum für etwa 30 Euro ausgestellt. Alternativ ist ein elektronisches Visum vorab möglich.
Veranstalter: Reisecenter Federsee, Telefon 07582-9320790.
Preise:
Nunukan – 14 Nächte im Strandbungalow mit Vollpension, Flügen und Transfers ab etwa 3749 Euro pro Person. 10er-Paket Hausrifftauchen: 435 Euro.
Nabucco – 14 Nächte im Gardenbungalow mit Vollpension, Flügen und Transfers ab etwa 3299 Euro pro Person. 10er-Paket Bootstauchen: 519 Euro.
Häufige Fragen zum Tauchen im Maratua-Atoll
Für wen ist das Maratua-Atoll geeignet?
Vor allem für Taucher mit etwas Erfahrung. Strömung spielt an vielen Spots eine zentrale Rolle und erfordert sicheres Verhalten unter Wasser.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die stabilsten Bedingungen herrschen zwischen April und Dezember. Grundsätzlich kann jedoch ganzjährig getaucht werden.
Wie anspruchsvoll sind die Tauchgänge?
Die Bandbreite reicht von moderaten Driftdives bis
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