Apnoe-Tauchen: Risiko beim Freediving

Apnoe-Tauchen für Schwangere tabu?

Schließlich stellt sich für werdende Eltern noch die Frage, wie es denn während der Schwangerschaft mit Schnorcheln und Apnoetauchen aussieht. Die gute Nachricht: es spricht, zumindest solange es der werdenden Mutter und dem Baby gut geht, und auch der Frauenarzt keine Einwände hat, nichts gegen Flossenschwimmen oder moderates Training im Schwimmbad. Grundsätzlich „verboten“ ist nur das Tauchen mit Pressluftflasche. Dies gilt aber strikt und sollte unbedingt vermieden werden. Allerdings muss konkretisiert werden, was mit „moderatem Training“ gemeint ist: Vom Zeittauchen in Apnoe und auch vom Streckentauchen weiter als 25 Meter muss abgeraten werden. Moderates Flossenschwimmen ist hingegen erlaubt. Gleiches gilt für das Abtauchen zum Beckenboden oder kürzere Strecken als 25 Meter. Auch das Flossenschwimmen sollte ohne großes Tempo ausgeübt werden. Die Begründung: Auch, wenn es für einen trainierten Taucher kein großes Problem darstellt, 50 Meter beim Streckentauchen zu absolvieren, so kommt es dabei doch zu einer erheblichen Entsättigung des Bluts an Sauerstoff. Das Gleiche gilt für ein Zeittauchen. Nun ist es aber so, dass das Baby im Normalfall schon alles andere als luxusversorgt ist, was den Sauerstoff angeht. So enthält das Blut der Nabelvene bereits deutlich weniger Sauerstoff, als das arterielle Blut der Mutter, weil diese sich selbst unterwegs bedient hat. Feten sind übrigens äußerst genügsam und zäh und verfügen über ein spezielles Hämoglobin. Dieser rote Blutfarbstoff besitzt zusätzlich besondere Bindungseigenschaften für Sauerstoff. Aber wenn die Mutter durch ihre Aktivitäten alles Mögliche anstellt, um den Sauerstoffgehalt im Blut drastisch zu senken, sind Probleme unausweichlich. Dazu kommt, dass durch die vielfältigen physiologischen Umstellungen im Körper während der Schwangerschaft eine Entsättigung mit Sauerstoff schneller abläuft. Gerade deshalb sollten extreme sportliche Aktivitäten grundsätzlich unterlassen werden.

Atemreizschwelle: Durch Hyperventilation sinkt nicht nur die Atemreizschwelle – auch die Blackout-Gefahr steigt deutlich an.

Atemreizschwelle: Durch Hyperventilation sinkt nicht nur die Atemreizschwelle – auch die Blackout-Gefahr steigt deutlich an.

Fazit: Risiken beim Apnoe-Tauchen

Statt unnötige Ängste zu schüren, ist es uns in erster Linie wichtig, auf die möglichen Gefahren des Apnoetauchens hinzuweisen: Die Problematik der Hyperventilation, potenzielle Blackout-Gefahren und die mögliche Deko-Problematik sollten alle Freitaucher kennen. Dabei sollten sie die gegebenen Limits akzeptieren und wie Gerätetaucher niemals ohne Buddy tauchen. Bei Problemen oder Bewusstlosigkeit kann der Partner helfen: Solotaucher gehen bei dieser Disziplin unnötige Risiken ein! Denn: Apnoetauchen ist eine wunderbare Beschäftigung, wenn man die Spielregeln kennt und sich daran hält.

PROF. DR. CLAUS- MARTIN MUTH

Muth ist Facharzt für Anästhesiologie und Notfallmedizin, er arbeitet in Ulm.

PD DR. TIM PIEPHO

Der Facharzt für Anästhesiologie und Notfallmedizin ist an der Uniklinik in Mainz tätig.

Video: Faszination Apnoe-Tauchen